Das Mitmach-Museum "Mathematikum"

Mathematik zum Anfassen für kleine und große Rechenkünstler.

Kinder_Mathe_Puzzle - Mathematikum/Rolf Wegst
Kinder_Mathe_Puzzle - Mathematikum/Rolf Wegst
Mit dem „Mathematikum" hat Albrecht Beutelspacher 2002 das weltweit erste mathematische Mitmachmuseum eröffnet. Der Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt

Im Mathematikum können kleine und große Besucher ihren Spieltrieb und ihre Experimentierfreude nach Herzenslust austoben. Wer wollte nicht einmal in einer Riesenseifenhaut stehen? Sein Gesicht im Spiegel auf den Kopf stellen. Oder den goldenen Schnitt am eigenen Leib erfahren.

Wider die graue Theorie: Probieren, Experimentieren, Informieren

Albrecht Beutelspacher füllt in seinem Mathe-Museum graue mathematische Theorie spielerisch mit Leben. Die Exponate laden zum Experimentieren ein, zum Ausprobieren, zum Spielen. Entstanden sind die meisten der rund 120 Ausstellungstücke in Matheseminaren mit Studierenden. „Mathe macht glücklich“, sagt der Museumsgründer. Und dieses Glück will er den Besuchern der Schau vermitteln. Wer außerdem noch Interesse an mathematischer oder physikalischer Theorie entwickelt, kann sich natürlich auch informieren.

Es gibt Vorträge und Führungen, „Vorlesungen für Kinder“ und sogar Seniorennachmittage im „Mathematikum“. Einmal im Monat nimmt in der Regel ein Mathematiker oder eine Mathematikerin auf „Beutelspachers Sofa“ Platz und steht dem Museumsgründer Rede und Antwort zum eigenen Umgang mit der Mathematik. Und Beutelspacher ist auch für spektakuläre Aktionen zu haben: Am 5. Juni 2005, seinem fünfundfünfzigsten Geburtstag, stellten 300 Menschen in einer 30 Stunden währenden Lesung den Pi-Vorleseweltrekord im Mathematikum auf. Es wurden 108000 Nach-Komma-Stellen der endlosen Kreiszahl laut aufgesagt.

Mini-Mathematikum im Jahr der Mathematik 2008

Neben dem fest in Gießen installierten Museum bereist eine Wanderausstellung des Mathematikum ständig Deutschlands Schulen und Museen. Im kommenden Jahr 2008, dem "Jahr der Mathematik", ist die mobile Schau zusammen mit Museumsdirektor Albrecht Beutelspacher bereits ausgebucht. Auch „Beutelspachers Sofa“ geht mit auf Deutschland-Tournee.

Und als Neuigkeit präsentiert der Museumsdirektor 2008 das Mini-Mathematikum, eine Reihe von Exponaten, die sich gezielt an Vier- bis Achtjährige richten. Da gibt es einen Zahlenkreis, Kugelbahnen und Fühlkästen mit geometrischen Formen darin. Diese Ausstellungsstücke sollen künftig in Kindergärten und Grundschulen auf Wanderschaft gehen. „Mit dem Mini-Mathematikum tragen wir der Tatsache Rechnung, dass sich die Altersgrenze unserer Besucher immer weiter nach unten verschiebt“, sagt Beutelspacher.

Immer häufiger stürmen Familien das Mathe-Museum. Denn das „Mathematikum“ ist außerordentlich familienfreundlich. In der preisgünstigen Museums-Cafeteria ist der Verzehr selbst geschmierter Brote ausdrücklich gestattet. Und das Museum ist im ehemaligen Hauptzollamt der Stadt untergebracht, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt und somit außerordentlich gut erreichbar.

Mathematikum bricht Besucherrekorde

„Zu Unrecht eilt der Mathematik in der Öffentlichkeit ein einschüchternder, autoritärer Ruf voraus“, sagt Beutelspacher. Er hält, ganz im Gegenteil, gerade die Mathematik für eine emanzipatorische Wissenschaft, die sich hervorragend dazu eigne, das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen zu stärken. „Es kommt auf die Didaktik an“, sagt er. Man müsse mehr Geschichten rund um die Mathematik erzählen und begreiflich machen, wie viel diese angeblich weltfremde Wissenschaft mit der Wirklichkeit und dem eigenen Leben zu tun habe.

Dass Beutelspacher mit seinem Museumskonzept und seiner Mathe-Didaktik einen Nerv der Zeit trifft, belegen die Besucherzahlen: Im Mai 2006, nur vier Jahre nach der Museumsgründung, konnte er dem 500000sten Besucher zur Begrüßung die Hand schütteln. Im Jahresdurchschnitt sehen sich rund 150000 Menschen die Dauer-Ausstellung im „Mathematikum“ an. Auch ausgezeichnet wurde das originelle Ausstellungskonzept bereits: Im Jahr 2004 erhielt das Museum den von Mensa in Deutschland e.V. verliehenen IQ-Preis für intelligente Ideen aus Wissenschaft und Alltag.

Yasmin Bohrmann - Seit zehn Jahren schreibe ich als Generalistin für regionale und überregionale Tageszeitungen, Fachzeitschriften und Agenturen. ...

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