
- Typisch für die Po-Ebene: einsames Gehöft - Judith Weibrecht
Der erste Teil des Po-Radwegs ist geschafft. Nun fährt man die „Bici Parma Po - Ciclopista del grande fiume“ entlang, Parma auslassend, direkt am Po 50 Kilometer bis Mezzani. Braune Schilder mit weißer Aufschrift weisen den Weg und geben Informationen zu den jeweiligen Dörfern und ihren Sehenswürdigkeiten, Abstecher zu Verdi-Dörfern sind möglich. So kann jeder selbst entscheiden, wann und ob er mal runter möchte vom Damm.
Per Fahrrad am Po entlang nach Roccabianca zum Grappa
Ein Halt im „Café Centrale“ in Roccabianca ist Pflicht. Die älteren Herrschaften, die hier den Tag zu verbringen scheinen und sich unablässig in ihrem Sing-sang-Dialekt über die Probleme der Welt auslassen, sind samt und sonders mit „Rädern“ angereist. Rostbraun scheint die Modefarbe zu sein und bequem müssen sie sein. Man politisiert: „Nicht so laut, die Leute wollen schlafen!“, schreit einer und beginnt kurz darauf zu singen. Laut. Nabucco! Die Sonne brennt vom Himmel. High Noon in Roccabianca. Eine örtliche Distillerie wirbt am hiesigen Castello für Grappa, doch der würde den stärksten Mann aus dem Sattel hauen. Aber wichtig sei er im nasskalten nebligen Winter, versichert man. Der Nebel sei dann bisweilen so dick, dass man ein Fahrrad dagegen lehnen könne.
Lieber noch ein paar Kilometer machen am Podamm, leicht erhöht mit Blick über die sommerlichen Ebenen, die oft sogar tiefer liegen als der Strom. Dichte Pappelwäldchen neben dem Ufer, die Baumkronen neigen sich dem Wasser zu, rascheln im Wind. Der Wind ist’s auch, der die Pollen der Pappeln bis Brescello wie Schnee vor sich hertreibt und durcheinander wirbelt. Ein absonderliches Schauspiel.
In Brescello ist alles Don Camillo und Peppone
Direkt am Po-Radweg in Brescello wirkten einst der hitzköpfige kommunistische Bürgermeister Peppone und sein pfiffiger Widersacher, der Pfarrer Don Camillo. Diese beiden „haben“ hier natürlich ein Museum, in dem unter anderem das Rennrad, auf dem Don Camillo mit hochgebundener Soutane durch den Film brauste, zu sehen ist, und auf der Dorfpiazza sind Bronzestatuen der Figuren zu besichtigen. Molto bene! Sogar Teller mit aufgemalten Camillos und Peppones gibt es hier zu erstehen. Einfach alles ist Don Camillo und Peppone, selbst der hiesige Lambrusco. Und der macht Radfahrern schwere Beine...
Brescello bis in die Fahrradhauptstadt Ferrara per Fahrrad den Po entlang
Bondeno lockt zur Radpause, Kirchtürme lugen hinter dem Po-Damm hervor, der vor dem mächtigen Strom schützt. Manchmal gibt es auch mehrere Dämme hintereinander, die die Sicht so zerschneiden, dass man nicht weiter als ein paar hundert Meter weit schauen kann. Ab hier kann man vom Po abbiegen und auf dem nagelneuen geteerten Radweg den Burana-Kanal entlangradeln bis nach Ferrara, der Fahrradhauptstadt Italias. Hier regiert das Zweirad und selbst Fußgänger müssen aufpassen, denn es geht zu wie im Italowestern. Dem Rad fahrenden Bürgermeister wurde übrigens ein blaues Fahrrad verliehen angesichts dessen, dass die italienischen Politiker normalerweise blaue Alfa Romeos fahren. Spätestens am Bahnhofsparkplatz wird klar, worum es hier geht: Räder, soweit das Auge reicht.
So haben auch die meisten Hotels Fahrradstellplätze, der romantischste jedoch ist im überbordend blühenden Garten des Bed & Breakfast „Giardino Fiorito“. Ein Idyll mit wunderbar gestalteten und ruhigen Zimmern. Das Radfahrerfrühstück im Garten, ein Traum. Pro Kopf gibt es am Ort 2,2 Fahrräder und alles, wirklich alles ist per Rad erreichbar. Doch auch umrunden kann man Ferrara, und zwar auf den antiken Stadtmauern, auf denen natürlich ein Radweg längs geht, und auch Kunstliebhaber und Genießer kommen in der Stadt der Este garantiert auf ihre Kosten. Man isst Doppia, ein merkwürdiges Brot, das einmal zu Zeiten des Karnevals entstand, oder Pasticcio di Maccheroni, süßen Mürbteig mit Maccheroni, Fleischragout, Pilzen et cetera gefüllt!
Der dritte Teil des Po-Radwegs führt ab Ferrara bis an die Adria.
