
- Lesung Majella Lenzen - M. Conlan
„Es ist auch heute möglich, etwas zu bewegen“, davon ist Majella Lenzen überzeugt – und alle schlechten Erfahrungen mit dem Ordensleben konnten ihr den Glauben nicht nehmen. Wer die Autorin in einer Lesung erleben kann, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Als engagierte Christin wirkt sie mit ihrer Begeisterungsfähigkeit und Energie ansteckend.
Dialog ist wesentlich
„Der Dialog ist ganz wichtig, unterbrechen Sie mich ruhig, wenn Sie eine Frage haben“ betonte Lenzen gleich zu Beginn einer Lesung bei Münster in Westfalen. Und mehrmals wies sie an diesem Abend auf die Bedeutung des Gesprächs hin, im Dialog bleiben, durch Dialog Probleme lösen, den Dialog suchen, das ist wesentlich für menschliches Miteinander.
Mission in Afrika
In ihrem Buch hat sie vor allem 33 Jahre Wirken in Afrika beschrieben. Vom Vater erbte sie die Begeisterung für die Mission, von der Mutter, gelernte Krankenschwester, für die Medizin. Doch eigentlich wollte sie selber Ärztin werden. Weil es nicht im Sinne der Oberin war, wirkte sie als Krankenschwester und Hebamme, später in leitender Funktion in Tansania 19 Jahre und anschließend in Simbabwe. Und alles forderte vollsten Einsatz, dabei noch täglich fünf Stunden Gebet. So musste sie jahrelang mit fünf Stunden Schlaf auskommen.
Aus dem Orden entlassen
Beim Erzählen und auch bei der Buchlektüre wird ihre Liebe zu den Menschen und zum Kontinent Afrika deutlich, ihr Einsatz für das dortige Gesundheitssystem und den Kampf gegen Aids. Trotz aller erfahrener Widrigkeiten wirkt sie in sich ruhend. Ihr kritischer Geist und ihre christliche Überzeugung beeindrucken, vor allem dass Majella Lenzen frei von Zorn oder Groll ist. Immer noch spricht sie von „Wir“ und meint damit den Orden, der sie ausgewiesen hat, weil er keine „Verwendung“ mehr für sie hatte. Der Bischof entließ sie in Afrika von ihren Aufgaben, nachdem in Rom gemeldet worden war, sie habe Kondome an Prostituierte und Aidskranke verteilt. So wurde Schwester Lauda wieder zu Majella Lenzen. Als jemand aus dem Publikum erstaunt fragte, warum sie nach all den Geschehnissen so frei von Groll sei, antwortete Frau Lenzen lächelnd: „Sie haben mich ja auch ertragen“. Den Ring, der ihr bei der ewigen Prozess aufgesetzt wurde – als Braut Christi – trägt sie heute noch, er wurde ihr nicht abgenommen, als sie den Orden verlassen musste. „Das wurde wohl vergessen“ sagte sie mit einem Lächeln und betonte, dass sie ihn auch nicht abgeben wollte.
Bedeutende Eckdaten
Die Lesung fand im September statt, der ein bedeutender Monat für die Autorin ist: am 8.9.1959 legte sie die ersten Gelübde im Missionshaus der Schwestern vom Kostbaren Blut in Neuenbeken bei Paderborn ab: Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit. Im September 1987 bat sie um Exklaustration – Beurlaubung vom Ordensleben als Protest gegen die ihr widerfahrene Behandlung, und um sich während einer Pause neu zu besinnen – und das ohne jegliche finanzielle Mittel auf die Unterstützung durch ihre Mutter angewiesen. Und im September 1993 wurde sie von ihrer Anti-Aidsarbeit in Afrika vom dortigen Bischof entlassen.
Langwieriger Prozess für die Kirche
Vor der Lesung hatte Majella Lenzen Zeit für einen Spaziergang und traf auf eine Karmeliterin. Gleich fiel ihr auf, dass diese Schwestern den Schleier noch so trugen wie ihr Orden und sie selber 1958. Der Fahrlehrer wies sie damals darauf hin, dass sie damit nicht fahrtüchtig sei. Für die Arbeit mit einem Stethoskop als Krankenschwester musste sie Löcher in den Schleier nähen. „Wie im Mittelalter“, kommentiert die Ex-Nonne. In der Neuzeit anzukommen, sei ein langer Prozess für die Kirche.
Anti-Aidsprojekt in Tansania
Ihr Buch endet mit dem Spendenkonto für die Aidsarbeit in Tansania: Arbeitskreis 3. Welt Neuenrade eV, Kto Nr. 93501328, Blz 45851020 bei den Vereinigten Sparkassen im Märkischen Kreis. Und sobald es geht, möchte Lenzen auch wieder selbst nach Tansania reisen, um dort direkt mit den Spendengeldern und ihrer Erfahrung die Arbeit weiter zu unterstützen.
