
- Müller`sches Volksbad München - K. Mieth
Im 30 Grad warmen Innenraum des Müller`schen Volksbades in der Münchner Maxvorstadt leistet der verantwortliche Badleiter Maximilian Gutmann seinen Dienst. Er ist seit einem Viertel Jahrhundert Schwimmmeister und mit historischer Information, passend zum legendären Jugenstilambiente des Müller’schen Volksbades aus der Jahrhundertwende ausgestattet. Das Schwimmbad aus dem Jahr 1901 erscheint innen wie aussen wie ein Museum und konnte somit für Münchner Kulturbegeisterte und Besucher der Stadt in die Reihe der Schauplätze der „langen Nacht der Museen“ aufgenommen werden. Opernveranstaltungen, Avantgardeshows oder sportliche Events fanden bereits im historischen Gemäuer statt. Die Decke mit Fresken von Tieren, die am Wasser leben, wie die Libelle, der Krebs oder die Wasserschildkröte sowie die historischen Umkleidekabinen aus Holz wurden in den 1990er Jahren generalsaniert. Darunter arbeitet moderne Technik. Eine geschlossene Pumpenwarmwasserheizung, neue Heizkreise mit entsprechender Regeltechnik ersetzten die alte Niederdruckdampfheizung aus Plänen Carl Hocheders. Heute wird die Wärmeversorgung des Bades von städtischen Fernheizwerken übernommen und arbeitet mit einer Gesamtleistung von 1050 Kilowatt. Von außen kommen oft Besucher, die das Gebäude besichtigen wollen, da sie den historischen Wasserturm mit einem Kirchturm verwechseln und weil das Müller’sche Volksbad nahe des Deutschen Museums liegt. Badleiter Maximilian Gutmann muss die Gäste dann bitten, mit einer Eintrittskarte und einer Badehose ausgestattet wieder zu kommen, da das Bad nur für Schwimm- und Saunagäste zu nutzen und zu besichtigen ist.
Starachtitekt Carl Hocheder hatte in den Jahren 1897 bis 1901 das Badehaus erbaut
Im Jahr 1894 schenkte der Zivilingenieur und überzeugte Anhänger der „Badebewegung“, Karl Müller, der Stadt seinen Hausbesitz im Wert von 1,8 Millionen Mark mit der Auflage, „aus dem Erlös des Besitzes ein Bad für das Volk“ zu erbauen. Der Bau entstand in vier Bereichen, die große Halle, kleine Halle, Wasserturm und das römisch-irische Schwitzbad mit der Dusch- und Wannenabteilung. Karl Müller reiste viel, unter anderem auch nach Irland. Seinem irischen Doktor zur Folge favorisierte der Gönner das heiße Dampfbad, in dem alle Keime, laut Aussage seines Arztes, abgetötet würden. Die Wascheinrichtung war seinerzeit eine der größten der Welt. So entstand am Ufer der Isar das Müller’sche Volksbad, das am 1. Mai 1901 seine Türen öffnete. Das Volksbad war und ist den Münchnern weit mehr als nur ein Bad, es ist Wahrzeichen der Stadt. Es steht es auf der Liste der denkmalgeschützten Gebäude und wurde immer wieder mit großem finanziellen Aufwand und mit viel Liebe zum Detail restauriert. Im Zweiten Weltkrieg wurde glücklicherweise wenig Bausubstanz des historischen Schatzes zerstört, da das Gebäude nur leicht getroffen wurde. So sind heute 80 Prozent des Originalbaus erhalten. Der Wasserturm speichert seit der Fertigstellung im Jahr 1901 das Wasser für die Becken. Das Wasser anno dazumal kam vom Berg aus dem nahegelegenen Haidhausen. Bis in das Jahr 1989 gehörte die kleine Halle der Damenwelt. Heute werden kleine und die große Halle mit seiner 30 Meterbahn regelmäßig ab 17 Uhr von Gästen "after work" besucht, die dort ihre Bahnen ziehen wollen um dem Stress der Arbeitswelt zu entfliehen. Wo kann der gehetzte moderne Mensch besser entspannen, als in diesem historisch - ruhenden Ambiente unter der Kuppel aus der Jahrhundertwende. Beautiy - Wellness- und Relaxebereich oder eine Mitternachtsauna laden hierzu ein.
Bademeister im Volksbad: Maximilian Gutmann
Bevor er ins historische Bad in der Münchner Maxvorstadt kam, war Maximilian Gutmann Schwimmbadleiter eines Münchner Freibades. Herumschreien, Herumspringen und Herumtoben ist hier verboten. In die historische Schwimmhalle kommt gehobenes Klientel. Oft sind es Stadträte, die nach der Arbeit zum schwimmen gehen. Bei einer Wassertemperatur der großen Schwimmhalle von 27 Grad, in der ehemaligen Damenhalle von sogar 30 Grad, ist nur ein gepflegtes Schwimmen angesagt. Heute besuchen das historische Haus jedes Jahr über 230.000 Badegäste aus München und Umgebung. Die Gäste beschreiben das Bad mit großen Worten. „Tempel der Badefreuden in geschichtsträchtiger Kulisse" nennen es Münchenbesucher, Architekten bezeichnen es als „Juwel des Jugendstils“. Und das ist nicht übertrieben. Das Volksbad unter Denkmalschutz ist das schönste Badehaus Deutschlands.
Aus den "Münchner Neuesten Nachrichten" vom 1. Mai 1901
Am 1. Mai und zwar zur gleichen Stunde, während der im großen Münchener Kindl-Saal eine imposante Kundgebung der Münchener Arbeiterschaft stattfand für Erlangung besserer Lebensverhältnisse, hatte sich nebenan im Entree des Müller’schen Volksbades eine illustre Gesellschaft eingefunden, um an dem feierlichen Eröffnungsakt des Bades teilzunehmen. Außer dem Stifter, Herrn Karl Müller, nun von Müller, hatten sich Vertreter der Regierung, der Wissenschaft, der Baubehörden, Polizei und Stadtverwaltung eingefunden. Unser erster Konsul, Geheimer Hofrath Ritter von Borscht, der auch bei dieser Gelegenheit eine schwunghafte Rede vom Stapel lassen wollte, wurde daran durch einen Todesfall in der Familie in letzter Stunde verhindert, weshalb Bürgermeister von Brunner das Vergnügen hatte, den Versammelten das zu übermitteln, was Ritter von Borscht, gerne von sich gegeben hätte. In dieser Ansprache hieß es: als im Frühjahr 1889 an der Frühlingstraße das erste Brausebad nach Frankfurter Muster eröffnet ward, hatte es nach fünfmonatlichem Betrieb schon 20.000 Besucher. 1890 wurden in diesem Bad schon 74.000 Bäder verabfolgt.
Im Jahr 2001 zum 100. Jubiläum gab es einen historischen Bildband
Zum 100. Jubiläum erschien im Rosenheimer Verlag der Bildband „Müller’sches Volksbad“ als stilvolles Porträt eines, der schönsten Badehäuser Europas. Mit viel Liebe zum Detail zeichnet der Fotograf Günter Standl ein facettenreiches Bild des Münchner Jugendstilbads, gibt überraschende Einblicke und präsentiert eindrucksvolle Gesamtaufnahmen. Rupert Bachmann, ehemaliger Baudirektor der Stadt München, schildert in einem Streifzug die interessante Geschichte und erzählt Anekdotisches aus dem Badebetrieb. Das Buch „Müller’sches Volksbad“ ist in allen Buchhandlungen und natürlich im Volksbad erhältlich.
