Das Museum der Brotkultur und unser täglich Brot

Das Gemälde Arm und Reich, entstanden um 1600  - Museum der Brotkultur
Das Gemälde Arm und Reich, entstanden um 1600 - Museum der Brotkultur
Wir essen es täglich, ohne groß nachzudenken: das Brot. In Ulm gibt es jedoch ein Museum, das die Bedeutung dieses Grundnahrungsmittels herausstellt.

Die Jahre des Hungerns während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren waren in Deutschland noch nicht lange vorbei, da beschlossen der im Backgewerbe tätige Ulmer Unternehmer Willy Eiselen und sein Sohn Hermann, die Bedeutung des Brotes für den Menschen zu dokumentieren. Mit fünf Gleichgesinnten gründeten sie 1955 den Verein Deutsches Brotmuseum, um eines Tages alles, was sie seit 1952 rund um das Thema Brot gesammelt hatten und künftig noch zu sammeln gedachten in ihrem gleichnamigen Museum zu präsentieren. Mittlerweile residiert das Haus im sogenannten Salzstadel und nennt sich Museum der Brotkultur, um seiner inzwischen gewonnen Bedeutung gerecht zu werden.

Die Dauerausstellung: Brot als Nahrungsmittel und als Symbol

Auch wenn der Mensch hierzulande längst zwischen Dutzenden Brotsorten und Semmeln wählen kann, ist es notwendiger denn je, den Wert des Brotes zu dokumentieren, denn mehr als eine Milliarde Menschen litten 2009 Hunger. Kern dieser Dokumentation ist die auf drei Stockwerke verteilte Dauerausstellung, die historische und künstlerische Exponate aus vielen Kulturen und Teilen der Welt zeigt. Aufgeteilt ist sie in die beiden Themenschwerpunkte Aus Korn wird Brot und Der Mensch und das Brot. Präsentiert werden Exponate, die die Technik- und Handwerksgeschichte rund um die Brotherstellung vermitteln und solche die den Mangel an Brot − dieser war bis etwa Mitte des 18. Jahrhunderts gleichbedeutend mit Hunger, da kaum andere Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln oder Reis zur Verfügung standen − im Verlauf der Menschheitsgeschichte dokumentieren und sich außerdem mit der aktuellen Welternährungslage auseinanderzusetzen.

Zu sehen ist der Nachbau einer kompletten Backstube aus der Zeit um 1900 genauso wie eine männliche Dienerfigur beim Kornmahlen, die im früheren Mittleren Reich Ägyptens als Grabbeigabe diente. Die Dienerfigur verdeutlicht, dass die Bedeutung des Brotes weit über seinen Wert als Nahrungsmittel hinausreicht und ihm in vielen Kulturen eine besondere kulturelle Bedeutung zukam. Außerdem ausgestellt sind technische und historische Stücke, wie etwa eine Zunfttruhe der Bäcker- und Müllerzunft oder ein Kleiekotzer. Aus diesen fratzenhaften, in den früheren Mühlen am Mehlkasten angebrachten Masken, floss die Kleie heraus, während das Mehl in den Kasten rieselte. Teil der Ausstellung ist zudem eine Kunstsammlung, die etwa sozialkritische Werke Ernst Barlachs, Max Beckmanns, und Pablo Picassos zeigt, aber auch einen Einblick in die Geschichte des Brotes als einem selbstständigen Gegenstand der Kunst gibt.

Der Kleiekotzer und sein Schicksal

Um den Besuchern, vor allem auch den jungen, den Zugang zum ein oder anderen Exponat zu erleichtern, nutzt das Museum auch Audioguides in deutscher und englischer Sprache. Eine der Hörstationen befindet sich beim Kleiekotzer, der sein Schicksal, nur noch in einem Museum herumzuhängen, anstatt der einst wichtigen Tätigkeit, die Kleie vom Mehl zu trennen nachzugehen, mit den Worten „Es ist zum…“ beklagt. Es ist nicht die einzige Station an der die Objekte selbst zu Wort kommen dürfen und dabei nebenbei historische und andere Informationen preisgeben.

Zusätzlich zur dauerhaften Ausstellung finden Sonderausstellungen statt, die beispielsweise das Jahresbrauchtum thematisieren oder die Themen der Dauerausstellung vertieft darstellen. Bei solchen Gelegenheiten finden dann immer wieder Exponate aus den Depots – nur etwa 700 der zirka 18 000 Objekte können dauerhaft ausgestellt werden – den Weg in die Museumsräume. Zu sehen sind in den Sonderausstellungen aber auch Präsentationen anderer Institutionen, etwa der Welthungerhilfe oder Werke zeitgenössischer Künstler, beispielsweise die politischen Plakate Klaus Staecks.

Die Arbeit der Eiselen-Stiftung

Ebenso Teil der Museumsarbeit sind Führungen und Backaktionen für Kinder, Schulklassen und Erwachsene. Ihr Wissen beziehen die Mitarbeiter auch aus den etwa 6000 Bänden zur Geschichte des Brotes und der Ernährung und den Informationsmaterialien zur gegenwärtigen Welternährungslage, die die Museumsbibliothek umfasst. Fachbesucher erhalten übrigens nach vorheriger Anmeldung Zugang zur Bibliothek.

Das Engagement der Museumsmacher reicht freilich über die Museumsarbeit hinaus. Mit einem Drittel der Erträge unterstützt die 1978 gegründete Eiselen-Stiftung – sie übernahm 1991 auch die Trägerschaft des Museums – Forschungsvorhaben mit dem Ziel, den Hunger in der Welt zu lindern, denn „eine Welt, in der es eine große Zahl Hungernder gibt“, sagte der 2009 verstorbene Hermann Eiselen einmal „kann auf die Dauer keine friedliche Welt sein. Wer den Frieden erhalten will, muss sich also für die Freiheit von Hunger einsetzen“.

Angela Fehr - Geboren und aufgewachsen im "Ländle", zog ich später nach München, wo ich eine schöne Zeit verbrachte und an der LMU ...

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