
- Regierungspräsident Kühner und OB Fenrich - Stadt Karlsruhe
Es lag bereits Schnee auf der ehemaligen Flugplatzfläche, als Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner am 30. November 2010 Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich ein frisch unterzeichnetes Exemplar der Schutzgebietsverordnung „Alter Flugplatz Karlsruhe“ überreichte. Neben ein paar Pressevertretern waren nur noch die Nutznießer des neuen Naturschutzgebiets an der Erzberger Straße anwesend: Jogger, Walker und Hundebesitzer, die ihre Lieblinge gerne auf dem Gelände ausführen.
Von den 219 Naturschutzgebieten im Regierungsbezirk Karlsruhe ist der Alte Flugplatz das jüngste. Viele Jahre hat es gedauert, bevor sich Naturschützer und Grüne in der Diskussion um die 69 Hektar des ehemals von den US-Streitkräften genutzten Alten Flugplatzes in Karlsruhe durchsetzten und es zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Die CDU-regierte Stadt hätte es lange Zeit lieber gesehen, es einfach zu bebauen. Doch mit dem Abzug der Streitkräfte begann auch der Protest der Grünen. Heute heißt es: „Die Schutzgebietsverordnung ist ein tragfähiger Kompromiss, der den Belangen des Natur- und Artenschutzes gerecht wird, aber gleichzeitig auch eine behutsame Stadtentwicklung im Ostteil des Areals ermöglicht“, so Heinz Fenrich, das Karlsruher Stadtoberhaupt (CDU) am Tag der Übergabe.
Artenreichtum am Alten Flugplatz Karlsruhe
Für die Grünen und natürlich die Anwohner stand die Schutzwürdigkeit des Gebietes nie in Zweifel. Mit 27 Hektar sind die hier vorhandenen „Artenreichen Borstgrasrasen“ das größte Vorkommen dieses extrem seltenen und gefährdeten Lebensraumtyps im Stadt- und Landkreis. Weitere extrem seltene Lebensräume sind Binnendünen mit Mager- und Sandrasen. Das mag auf den ersten Blick befremdlich wirken - die Landschaft erinnert an eine Mischung aus Steppe und Lüneburger Heide, doch sie lässt das Herz der Naturschützer lauter schlagen. Über 60 Vogelarten leben hier, darunter der in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Steinschmätzer und das Schwarzkehlchen als Nahrungsgäste, das Rebhuhn und die Haubenlerche als Brutvögel. Allein drei Falkenarten können bei der Jagd beobachtet werden: Baumfalke, Wespenbussard und Wanderfalke. Letztere sind dringend nötig, um die zahlreichen Kaninchen zu jagen, die es hier ebenfalls gibt.
330 Blütenpflanzen, 72 Stechimmen-Arten, 109 Spinnenarten, 111 Schmetterlingsarten und über 20 Heuschreckenarten wurden in diesem trockenen Gebiet nachgewiesen. Dazu gehören die Fangheuschrecke Mantis religiosa (Gottesanbeterin), die Dornfingerspinne Cheiracanthium virescens, die Schlingnatter und das Silbergras.
Die amerikanischen Besetzer haben das Gebiet erhalten
Dass der Alte Flugplatz noch unversehrt erhalten ist, verdanken die Karlsruher ihren Besetzern, den Amerikanern. Die US-Streitkräfte nutzten das Gelände militärisch. Erst 2010 wurde es durch einen einstimmigen Beschluss des Gemeinderats zum Naturschutzgebiet.
Regeln zum Erhalt des Alten Flugplatzes
Damit der „Alte Flugplatz“ sowohl für die Erholungssuchenden als auch die seltenen Tier- und Pflanzenarten in bestmöglicher Weise erhalten bleibt, gibt es einige Verbote und Verordnungen, die übrigens auch durchaus geahndet werden. Wer nicht auf den Wegen bleibt oder seinen Hund an der kurzen Leine führt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Ballspiele sind genauso wenig erlaubt wie das Sammeln von Pflanzen und Tieren.
Wer will, kann das Areal umrunden, was für Ungeübte übrigens eine beträchtliche Strecke ist. Weil das Gelände so flach ist, pfeift einem schon einmal ein unerhörter Wind um die Ohren. Besonders schön ist die Tatsache, dass das Gelände nie überlaufen ist. Wer also einen besonders interessanten Spaziergang in Karlsruhe machen will, sollte sich dieses Gelände nicht entgehen lassen. Wer sein Fernglas dabei hat, kann dort einiges entdecken - mit etwas Glück auch einen Fuchs auf Raubzug.
