
- Museion Rückseite - © KSV Krüger Schuberth Vandreike
Der Bau des neuen "Museion", dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen, Südtirol, war ein umstrittenes Projekt. Auch nach dessen Eröffnung im Mai 2008 gibt es immer noch Kontroversen über Notwendigkeit und Ästhetik des von den Berliner Architekten "KSV Krüger Schuberth Vandreike" entworfenen puristischen Neubaus.
Internationaler Wettbewerb für Museumsneubau
Im Jahr 2001 gewannen die Architekten "KSV Krüger Schuberth Vandreike" den internationalen Wettbewerb für den Neubau des Museums. Die Jury wählte den Entwurf der Berliner Architekten unter 280 eingereichten Arbeiten aus. Das 1985 gegründete, damals noch regional ausgerichtete Museum für moderne Kunst, sollte mit diesem Neubau internationales Interesse wecken.
Ein Musen-Tempel aus Glas und Metall
Der Museumsbesucher betritt das neue "Museion", dessen Name vom Griechischen kommt und mit Musen-Tempel oder mit Museum übersetzt werden kann, vom historischen Stadtteil Bozens kommend. Die Eingangsfassade, eine enorme Ganzglasfassade, wirkt beeindruckend. Diese trichterförmige Vitrine wiederholt sich auf der Hinterseite des kubusförmigen Gebäudes und verbindet durch eben jene Transparenz die Altstadt mit dem hinter dem Museum liegenden neueren Teil der Stadt Bozen. Diese Transparenz symbolisiert zugleich den gewollten Dialog zwischen dem Museum und der Stadt und ihren Bewohnern.
Die trichterförmigen Vitrinen stehen im Gegensatz zu der massiven Metallhaut an den Längsseiten. Diese daraus entstehende körperhafte Wirkung und die klassisch-pure Form sind die Merkmale des 54 Meter langen Museumsneubaus.
Glasfassaden werden zu Projektionsflächen für zeitgenössische Medienkunst
Die als Schaufenster konzipierten Ganzglasfassaden ermöglichen es nicht nur neugierige Blicke von draußen ins Innere des Gebäudes zu werfen, sondern bieten dem Besucher auch ein faszinierendes Stadt- und Bergpanorama aus dem Inneren des Museums.
Die enormen Ganzglasfassaden erfordern einige technische Raffinessen, um für die Regulierung des Tages- und Sonnenlichtes zu sorgen. Für den stets optimalen Einfall von Licht sind bewegliche Glaslamellen zuständig, die sich, bei Einbruch der Dunkelheit, in riesige Projektionsflächen verwandeln. Mithilfe von Projektoren bietet sich somit die Möglichkeit, auf beiden Glasfassaden zeitgenössische Medienkunst zu präsentieren.
Sehr wohl beeindruckt von der Ästhetik des neuen Museums, weniger beeindruckt von dessen Funktionalität zeigt sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Als Druse betrachtet, die hier aus dem Stein bricht, gefällt es sehr, als Funktionsbau nur bedingt." ("Das Leuchten der Zukunft hinter dem Berg" von Dieter Bartetzko, 17. Juni 2008)
Kurvenreiche Doppelbrücke über die Talfer
Auf den fünf Ebenen des neuen Museums befinden sich neben den Ausstellungsräumen auch eine Bibliothek, ein Didaktik- sowie ein Veranstaltungsraum, ein Shop und auf der Hinterseite ein Café, mit Blick auf die Talferwiese und die zum Entwurf des Museumsareals gehörende Brücke. Diese Doppelbrücke, jeweils für Radfahrer und Fußgänger gedacht, steht mit ihrer spielerischen Form und ihren schwingenden Kurven im Gegensatz zum aufs Wesentliche reduzierten Museumsgebäude. Die für die Brücke verwendeten Materialien Metall und Glas lassen jedoch einen Dialog zwischen Museum und Brücke erkennen.
Die Neue Züricher Zeitung hebt die Bedeutung der Brücke besonders hervor: "Obwohl im Katalog nicht erwähnt, darf die in wellenförmigen Bewegungen das Museion mit der Neustadt verbindende Doppelbrücke als wichtiges Exponat bezeichnet werden." ("Ein Leuchtturm für die Kunst ", 29.05.2008)
Zukunftweisendes Konzept: Atelierhaus als Werkstatt und Unterkunft für Künstler
Im Nordteil des Museumsareals liegt zudem ein Atelierhaus, das von Künstlern, welche beauftragt werden für das "Museion" Werke zu realisieren, während ihrer Arbeit als Unterkunft und als Werkstatt genutzt werden kann.
