Das Pantheon in Rom - Antike hautnah erleben

Pantheon in Rom - Kassettendecke mit Opaion - Foto: Eva Bambach
Pantheon in Rom - Kassettendecke mit Opaion - Foto: Eva Bambach
Das besterhaltene Bauwerk der römischen Antike bietet ein einzigartiges Raumerlebnis und ist eine wirklich spektakuläre Sehenswürdigkeit.

Kaum ein anderes Bauwerk der Antike ist so komplett gut erhalten wie das Pantheon in Rom. Als Tempel für alle Götter wurde es auf Veranlassung von Kaiser Hadrian am Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus erbaut – übrigens ohne bekanntes Vorbild in der römischen Tempelarchitektur. Seinen nahezu perfekten Erhaltungszustand verdankt das Pantheon der Nutzung als katholische Kirche seit dem 7. Jahrhundert. Noch heute werden hier Messen gefeiert, aber die christlichen Einbauten lassen den Gesamteindruck der römischen Architektur fast unangetastet.

Das Pantheon: ein überwältigender Raumeindruck

Der Eingang ist als Tempelfassade gestaltet. Durch eine Vorhalle mit rechteckigem Grundriss betritt der Besucher den kreisrunden Zentralbau. Mit einer Höhe und einem Innendurchmesser von etwa 43 Metern ist das Pantheon auch für den heutigen Touristen beeindruckend. Ein solches Volumen an freiem Raum im Inneren eines Gebäudes ist sehr ungewöhnlich. Zwar entsprechend die Dimensionen durchaus den Ausmaßen mancher moderner Hotelhalle – es fehlt dort jedoch die gleichmäßige Ruhe und Konzentration der Architektur. Bestimmend für das Raumerlebnis ist die riesige Kuppel. Sozusagen aus einem Guss wurde sie aus sogenanntem opus caementitium geformt, der römischen Vorform des modernen Betons. Die Mischung wurde zur Gewichtsverminderung mit leichtem Tuff und Bimsstein versetzt, deren Anteil desto höher wird, je weiter sich die Konstruktion dem Scheitelpunkt nähert. Nach innen ist die Kuppel durch abgestufte Kassetten gegliedert, auch dies trägt zur Verringerung der Last bei.

Das Auge des Pantheons

Entscheidend für den ungewöhnlichen Raumeindruck ist auch die Art der Beleuchtung: Am Scheitel der Kuppel befindet sich ein rundes Loch von etwa neun Metern im Durchmesser. Das durch diese Öffnung einfallende Licht ist die einzige Lichtquelle des Gebäudes. So wird der gesamte Raum sehr gleichmäßig von oben in ein mildes Licht getaucht – ein Arrangement, das zahlreiche Ansätze zur symbolischen Deutung bietet, sei es im christlichen oder im heidnischen Zusammenhang. Damit das Regenwasser, das durch dieses Auge eindringt, abfließen kann, fällt der Boden des Pantheons zu den Rändern hin ab. Die Maße des Gebäudes sind so festgelegt, dass – denkt man sich die Halbkugel der Kuppel zur vollen Kugel ergänzt – der Besucher etwa auf dem dem Auge genau entgegensetzten Punkt der inneren Schale stünde, wenn er sich in die Mitte der Grundfläche stellt.

Beim Pantheon verbirgt ein bescheidenes Äußeres die innere Pracht

In der unteren, zylindrischen Zone des Gebäudes wird die Wand durch sieben Nischen mit wechselnd halbrundem und rechteckigem Grundriss und durch den Eingang gegliedert. Die aufwändige Auskleidung des Innenraums mit verschiedenfarbigem Stein ist bis heute im Wesentlichen erhalten. Der Fußboden hat ein großflächiges Muster aus Quadraten und Kreisen aus Porphyr, Granit und gelbem Marmor. Von der Bemalung der Kuppel in römischer Zeit ist nichts mehr zu sehen. Sie war einst blau mit einer goldenen Rosette in jeder Kassette. Von dieser Prachtentfaltung im Inneren ahnt der Besucher nichts, der sich dem heute etwas unter dem Straßenniveau gelegenen Bau nähert. Das war in der Antike nicht anders: Die einfachen Ziegelmauern, die architektonische Funktionen wie etwa Entlastungsbögen noch deutlich erkennen lassen, tragen keine Spuren einer ehemaligen Verkleidung etwa mit Marmor.

Literaturtipps:

Gert Sperling, Das Pantheon in Rom. Abbild und Maß des Kosmos. Neuried 1999

Wolfram Martini, Das Pantheon Hadrians in Rom. Das Bauwerk und seine Deutung. Stuttgart 2006

Eva Bambach 2011, Eva Bambach

Eva Bambach - Seit 1995 freie Autorin und Redakteurin für verschiedene Verlage, unter anderem für Brockhaus, Harenberg, Meyer, Duden; ...

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