Das Paradies: Wie wird es im Koran beschrieben?

Eingang ins Paradies? - Dieter Schütz/pixelio.de
Eingang ins Paradies? - Dieter Schütz/pixelio.de
Das Paradies, wie es im Koran beschrieben wird, ist wahrlich ein solches. Ausgestattet mit traumhaften Wesen, garantiert es immerwährende Sinnesfreuden.

Die orthodoxen Traditionen und die daraus hervorgegangene Literatur sind miteinander so verflochten, dass sie ein besonders farbenprächtig schillerndes Paradies hinterlassen. Alles, was hier schon die Sinne erfreut, ist dort in wahrer Vollendung zu genießen. Den Traditionalisten, Dichtern und Schriftstellern, die sich von diesem Geist inspirieren ließen, standen reiche schöpferische Möglichkeiten offen. Im Namen Allahs sprach der Prophet: "Ich habe für die Rechten unter meinen Dienern vorgesehen, was noch nie jemandes Auge gesehen, noch nie jemandes Ohr vernommen, noch nie eines Menschen Geist sich vorgestellt hat.“ Mit anderen Worten: „Sagt über das Paradies, was immer ihr wollt, stets werden eure Worte minder sein als das, was es wirklich ist“ (Sure 23, Vers 11).

Gärten der Wonne: Wie das Paradies gestaltet ist

Paradies: Gärten der Wonne, Gärten Edens, Garten der Ewigkeit. Das Paradies, das im Koran beschrieben und notwendigerweise raffiniert verfeinert wurde, um noch mehr darüber zu erfahren, ist eine Augenweide. Umso mehr, als sich die ursprüngliche Tradition in einer Zeit entwickelt hat, in der die Maler, die es hätten bildlich darstellen können, anscheinend zur Hölle verdammt waren. Es gilt im Islam ein strenges Bilderverbot.

Die Oberfläche des Paradieses ist "gleich der Breite des Himmels und der Erde“ (57,21). Die Zugänge werden von Engeln bewacht. Im Innern herrscht ein für die Bewohner angenehm wohltemperiertes Klima: "Sie sehen in ihm weder Sonne noch schneidende Kälte“ (76,13). Der ländliche Rahmen verfügt über ein beachtliches Bewässerungssystem. Es wird verheißen: "dass Gärten für sie bestimmt sind, durcheilt von Wasserläufen" (4,122), von Bächen sowie von Wasserfällen und Flüssen. Überall im Garten Eden sind Brunnen, Fontänen, Quellen und Bächlein.

Nähere Hinweise für die Auserwählten

Die Gesichter der Auserwählten werden leuchten, wenn sie Allah sehen (75,23). "Ihr werdet auf ewig wohnen in lieblichen Häusern (70,12), verziert mit Söllern, über denen Söller erbaut sind (39,21), wohnen also in den Söllern des Paradieses, in wahren Palästen“ (29,58). Unter den wichtigsten Behausungen sind auch die geschlossenen Zelte der Huris (55,72) zu erwähnen. Zur Riege der traumhaften Wesen gehören im Paradies Jungfrauen, genannt Huris. "Gattinnen, rein von aller Befleckung" (4,60), "gut und schön" (55,70), "keuschblickende Mädchen" (55,56), "mit großen schwarzen Augen" (55,72), großzügig ... gleich verborgenen Perlen" (56,23), "Jungfrauen mit schwellenden Brüsten" (78,33), "als wären sie Hyazinthen und Korallen" (55,58). Zum Genuss des Ausruhens stehen zur Verfügung: "Erhöhte Polster“ (56,34), „Hochzeitsthrone“ (76,13), "grüne Kissen (55,76), "Polsterkissen, welche aus Seide und golddurchwirkt sind“ ( 55,54), "hohe Ruhebetten“ (88,13), "Kissen, welche mit Gold und edlen Steinen geschmückt sind“ (56,15). Für Getränke stehen Becher, Kelche und Schalen (56,18), stets aus feinstem Silber oder Kristallglas (76,15) bereit.

Glückliche Auserwählte

Alles wird für die Auserwählten zum Besten stehen: "Erkennen wirst du auf ihren Angesichtern den Glanz der Wonne“ (83,24). "Angetan sind sie mit Kleidern von grüner Seide und Brokat, und geschmückt sind sie mit silbernen Spangen (76,21), Gold und Perlen“ (22,23). "Sie hören kein Geschwätz darinnen und keine Anklage der Sünde; nur das Wort: Frieden! Frieden!“ (56,25). Gebadet in reiner Glückseligkeit, in einer Welt, in der es keine Krankheit (39,62), keine Erschöpfung und keine nach Erfüllung schmachtende Liebeswehmut mehr gibt (35,32). Man weilt auf einem ewigen Fest. Einem Fest bereits schon für das Auge, angesichts all der gebotenen Augenweiden: "Auf Hochzeitsthronen werden sie sitzen und Ausschau halten“ (83,23). Schon während des Jüngsten Gerichts werden sie etwas sehen, dass sie im ersten Augenblick schreckt, nämlich einstige, weniger glückliche Gefährten, und zwar "inmitten der Hölle“ (37,53).

Das Paradies besteht seit jeher

Das Paradies existiert bereits. Jetzt in diesem Augenblick, denn es hat seit jeher bestanden. Bislang weilt jedoch noch kein einziger Auserwählter darin. Erst nach den Posaunenstößen der Auferweckung und dem Jüngsten Gericht wird es sich füllen. Eine Tradition behauptet, dass die Toten bereits im Grabe einem ersten vorläufigen Gericht unterzogen werden (10,9). Zwei Engel, Munkar und Nakir, verhören sie über ihren Glauben, danach verwandelt sich das Grab von Fall zu Fall in eine Vorhölle, ein Vorfegefeuer oder ein Vorparadies. Die Mehrheit der Gläubigen glaubt jedoch, dass die Toten schlafen. Sie werden erst erwachen, wenn die Posaunen erschallen und es heißen wird: "Frieden sei auf euch, ihr waret gut gewesen! So tretet ein für immerdar!“ (Sure 39 Vers 73).

Bildnachweis: © Dieter Schütz / pixelio.de

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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