Mittlerweile wird fast jede zweite Ehe geschieden. Leider geht es dabei in den wenigsten Fällen fair und "erwachsen" zu. Da einer Scheidung oft ein schmerzhafter Prozess voll von Verletzungen und Vorwürfen vorausgeht, ist mit der endgültigen Trennung auf dem Papier meist nicht alles wieder gut. Gibt es Kinder, leiden diese unter den elterlichen Spannungen. Oft werden sie auch bewusst gegen den anderen Elternteil eingesetzt. Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsprobleme sind die Folge. Die Grundproblematik ist, dass Eltern in emotional schwierigen Trennungssituationen die Paarprobleme häufig nicht von der Elternverantwortung trennen können.
Was ist das Parental Alienation Syndrom (PAS)?
Unter dem PAS, oft auch elterliches Entfremdungssyndrom genannt, versteht man die unbegründete Ablehnung eines Elternteils, nach einer Scheidung oder Trennung der Kindeseltern, aus Loyalität und Selbstschutz des Kindes.
Auseinandersetzungen um das Sorge- und Umgangsrecht mit den gemeinsamen Kindern sind oft die Ursache, dass Eltern versuchen, ein Kind dem anderen Elternteil zu entfremden und diesen von Umgang und Erziehung auszugrenzen.
Nach einer Scheidung oder Trennung eines Paares, wird ein Kind von einem Elternteil in der Hinsicht instrumentalisiert, dass die negative Haltung gegenüber der getrennten Person, auf das Kind übertragen wird. Betroffen sind vor allem Männer. In Deutschland leben fast 90 Prozent aller Kinder ausgescheiterten Beziehungen bei den Müttern. Doch natürlich können auch Väter zu Entfremdern werden, wenn es um Sorgerechtsstreitigkeiten geht. Der Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil wird behindert, seine gute Erinnerung an den Papa oder die Mama subtil vergiftet. Das Kind ist schließlich so beeinflusst, dass es keinen Kontakt mehr zum anderen Elternteil will.
Warum reagiert das Kind mit völliger Ablehnung des einen Elternteils?
Nach einer Scheidung, bleibt das Kind meist hauptsächlich bei einem Elternteil. Das Kind fühlt, als hätte es einen Elternteil verloren. Da Kinder sehr sensibel sind, nehmen sie die Spannungen und negativen Haltungen der Eltern wahr. Das Kind merkt, dass meist die Mutter den Vater ablehnt. Da es nicht auch noch den zweiten Elternteil verlieren möchte, stellt es sich ganz auf dessen Seite und übernimmt die ablehnende Haltung. Es wendet sich völlig dem betreuenden Elterteil zu. Auch, wenn es beide Eltern liebt, verleugnet es dies vor seinen Eltern und oft auch vor sich selbst.
Welche Symptome hat das PAS?
Das Hauptsymptom ist, eine ablehnende Haltung des Kindes gegenüber dem nicht mehr bei ihm lebenden Elternteil (zumeist der Vater), über den es auch schlecht redet und/oder denkt. Es verweigert den Umgang und stellt sich völlig hinter den betreuenden Elternteil.
Warum werden sogenannte Besuchssymptome oft falsch gedeutet?
Nach einer Scheidung müssen sich auch Kinder auf diese neue Situation einstellen. Neue Wohnungen, bestimmte Besuchszeiten und möglicherweise neue Partner des jeweiligen Elternteils. Dies kann Kinder stark verunsichern und Stress auslösen. Das schlägt sich oft im Verhalten des Kindes nieder. Verhaltensauffälligkeiten, Schlaf- und Essprobleme oder körperliche Symptome können die Folge sein. Besonders Stress auslösend werden von Kindern die Übergänge von einem zum anderen Elternteil erlebt. Diese Reaktionen lassen aber meist von selbst im Laufe der Monate nach, wenn das Kind erfahren hat, dass ihm bei den Besuchskontakten weder Mutter noch Vater verloren gehen. Oft werden diese Reaktionen aber von den Eltern falsch gedeutet. Die mit den eigenen Belastungen infolge der Trennung beschäftigten Eltern nehmen die psychische Belastung der Kinder oft weder wahr, noch geben sie ihnen genügend Zuwendung. Daher werden die natürlichen Stress-Symptome der Kinder bei weiteren Konflikten zwischen den Eltern oftmals umgedeutet, Resultat einer negativen Beeinflussung oder „Überforderung“ durch den Umgang mit dem anderen Elternteil zu sein.
Buchtipp:
Liebe Mama, böser Papa
Eltern-Kind-Entfremdung nach Trennung und Scheidung: Das PAS Syndrom
Gabriele ten Hövel
