
- Chanel N° 5 heute - Sonja Marzoner
Die französische Modeschöpferin Coco Chanel, die für ihre Entwürfe wie das "kleine Schwarze" oder das "Costume de Jersey" zur Modeikone wurde, hat nicht nur die Frauenmode revolutioniert, sondern auch die Parfümerie. Mit ihrem Duft "Chanel N° 5" gelang es ihr, die moderne Frau an einem neuen Lebensgefühl von Unabhängigkeit und femininer Eleganz teilhaben zu lassen.
Der Parfumeur Ernest Beaux präsentierte Coco Chanel seine neueste Duftkomposition
Im Jahre 1921 lernte die damals schon sehr erfolgreiche Modeschöpferin Coco Chanel durch ihren damaligen Liebhaber, dem Großfürst Dimitry Pawlowitsch, einen der angesehensten Parfumeure jener Zeit, Ernest Beaux, kennen. Ernest Beaux arbeitete für das exklusive Unternehmen "Parfums Rallet" in Grasse. Er präsentierte Coco Chanel ein Extrakt, welches bereits dem Dufthaus Coty angeboten wurde, welches jedoch aus Kostengründen ablehnte. Coco Chanel hingegen sah in dem Extrakt einen vielversprechenden Duft und erwarb ihn. Allerdings forderte sie von Ernest Beaux einige grundlegende Veränderungen was die Eigenschaften des Extraktes anging: Das Parfüm solle, im Gegensatz zu den bereits bestehenden Parfüms, lange haften und nach der Berührung mit der Haut, seinen einzigartigen Duft entfalten.
"Chanel N° 5" – Die erste Verbindung aus synthetischen und natürlichen Duftstoffen
Ernest Beaux komponierte mehrere Düfte und nummerierte die Duftvorschläge mit den Zahlen 1-5 und 20-24. Der Duft Nummer 5 beeindruckte Coco Chanel am meisten. Diese Komposition bestand aus mehr als 80 Blütenessenzen, darunter Ylang- Ylang, Neroli, Mairose und Jasmin. Das Besondere an diesem neuen Duft war die Zugabe des chemischen Lösungsmittels Aldehyd. Im Gegensatz zu den bisherigen Parfüms, welche allesamt aus reinen Blumenextrakten bestanden, war das neu kreierte Parfüm von Beaux die erste Verbindung aus synthetischen und natürlichen Duftstoffen. Die Basisnote dieses modernen Parfüms bildeten Edelhölzer und Vanille.
Geschickte Geschäftstaktik
Um die Reaktionen auf die avantgardistische Duftkomposition zu testen, versprühte Coco Chanel in ihren Geschäftsräumen den Duft und verteilte Gratisproben als exklusive Geschenke. Diese geschickte Taktik weckte die Neugier der Kundinnen und die Nachfrage nach dem neuartigen Duft stieg. Diese positiven Reaktionen veranlassten die Modemacherin, den nächsten Schritt zu wagen: die Produktion.
"Chanel N° 5" – Die Kunst des Weglassens
Um "Chanel N° 5" zu verkaufen tat sich Coco Chanel 1924 mit Pierre Wertheimer zusammen und gründete mit ihm zusammen eine neue Parfüm- und Kosmetikfirma namens "Parfums Chanel".
Der revolutionäre Name "Chanel N° 5", der gedruckt auf einer weißen Etikette die Flasche zierte, klingt wie eine Formel und spiegelt die neuartige Komposition des Parfüms wieder. "Chanel N° 5" klingt modern, sachlich und reduziert. Er spiegelt die Grundidee Chanels wieder, die auch ihrer Mode zugrunde liegt: Frauen brauchen Schlichtheit, Bequemlichkeit und klare Linien. Mit "Chanel N° 5" war Coco Chanel die erste Modemacherin, die ein Parfüm unter ihrem Namen auf den Markt brachte.
Duft und Design
Schlichtheit und klare Linien sind auch das Kennzeichen des Flakons von "Chanel N° 5". Die fast quadratische Flasche aus dickem, durchsichtigen Glas mit kantigem Verschluss umhüllt die goldene Flüssigkeit. Die kantige Flasche im Kontrast zu dem zarten und zeitlosen Duft trugen dazu bei, dass das Parfüm zur Legende wurde.
Das meistverkaufte Parfüm der Welt
Auf den Erfolg von "Chanel N° 5" aufgebaut, entstanden weitere Düfte mit den Namen „N° 22“, aus dem Jahre 1922, „Gardenia“, welches 1925 entstand und schließlich „Bois des Iles“ und „Cuir de Russie“, welche jeweils aus den Jahren 1926 und 1927 stammen. Doch sogar im Jahre 1929 war „Chanel N° 5 “ immer noch das meistverkaufte Parfum der Welt.
Der Duft des Geldes
Als Vorstandsvorsitzende von "Parfums Chanel" erhielt Coco Chanel nur einen Anteil des Gewinnes der erfolgreichen Firma, nämlich zehn Prozent. Das war ihr nicht genug und so klagte sie 1934 in einem Prozess gegen ihren Partner Wertheimer. Das Ergebnis war, dass sie nun auch diesen Prozentanteil verlor. Allerdings hatte sie mit "Chanel N° 5" mittlerweile die beachtliche Summe von 15 Millionen Francs verdient.
Frustriert durch den Erfolg der Familie Wertheimer in New York, versuchte Coco Chanel in Lausanne ihre eigene Version auf den Markt zu bringen: "Mademoiselle Chanel N° 5". Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus. Aufgrunddessen entschloss sich Chanel dazu, ein weiteres Mal mit den Wertheimers zu verhandeln. 1947 wurde ein neuer Vertrag ausgearbeitet, was ihr unter anderem zu einer eimaligen Abfindung von 400.000 US- Dollar verhalf. Des weiteren zahlte ihr Wertheimer von nun an ihre Lebensunterhaltungskosten wie Miete, Essen, Steuern und Geschäftsausgaben. Zudem erreichte sie mit ihrer Hartnäckigkeit einen jährlichen Bruttoerlös von zwei Prozent der Parfümfirma.
