
- Ticino Experience: Il film che si mangia - AngelaL/ / PIXELIO
Kein Kinofilm geht über die Leinwand, ohne dass dazu nicht gegessen wird. Die meisten Zuschauer haben schließlich die Angewohnheit, Lakritzkonfekt, Schokolade, Eis oder Chips zu verzehren. Seit einigen Jahren ist auch das Fettgeruch verbreitende Popcorn aus dem Kinosaal nicht mehr wegzudenken. Je höher der Thrill des Films, desto größer und unbewusster der Konsum.
Im Tessin isst man regionale Produkte zum Film
Was läge da näher, als dem Bedürfnis nach Essen beim Schauen zu entsprechen und die Vorführung in einen Saal mit angrenzender Gastronomie zu verlegen? Im Tessin, genauer in Losone bei Ascona, hat man dies getan. Nur werden hier keine Road-Movies oder Action-Filme gezeigt, sondern es flimmert ein Film über das Essen über die Leinwand. Die kulinarischen Köstlichkeiten werden den Zuschauern passend zur Filmhandlung präsentiert. Jede Person sitzt also mit einem Tablett auf dem Schoß im Kinosessel und blickt auf die Leinwand. Wer jetzt denkt, er brauche dazu nicht ins Kino zu gehen, im Fernsehen gäbe es genügend Koch-Shows, bei denen man sich mühelos mit Essen vom heimischen Herd oder dem Pizza-Service verwöhnen könne, der irrt gewaltig. Hier geht es ausschließlich darum, Spezialitäten aus dem Tessin zu entdecken, also eine Tessiner Erfahrung zu machen. Und so lautet dann auch der Filmtitel: Ticino Experience, mit dem erklärenden Zusatz: den Film, den man essen kann (Il film che si mangia).
Der Inhalt des Films Ticino Experience - il film che si mangia
Das „Estrellas“ in Barcelona ist ein Drei-Sterne-Restaurant, zumindest so lange, bis ein Restaurantkritiker erscheint und seinen Beruf mit aller Strenge ausübt. In Abwandlung zum bekannten Buch von Jan Weiler könnte man über den Besuch auch sagen: Fidelio, ihm schmeckt’s nicht. Und so bekommen der Chef Fidelio und das Restaurant einen Stern aberkannt. Da ist bei dem Inhaber und dem Koch die Not groß. Ein neues Konzept muss her. Die Kartenlegerin Carmen weiß Rat. Sie schickt zwar nicht den wohlmeinenden Restaurantkritiker Christian Rach, sondern Chef, Koch und Kellner in die Welt hinaus. Die drei sollen sich anderenorts nach kulinarischen Besonderheiten umsehen, die der Küche einen neuen Reiz verleihen könnten. Da gemäß dem Sprichwort der Prophet im eigenen Lande nichts gilt, fährt das Trio ins Tessin. Dort sehen sie erst einmal nur viel Landschaft. Da sie aber auch mal essen müssen, werden ihnen regionale Gerichte und Produkte serviert und sie dürfen zuschauen, wie diese hergestellt werden. Mit diesem neuen Wissen bestückt kehren sie nach Hause zurück. In der Küche des „Estrellas“ werden neue Akzente gesetzt und der Stern ist bald zurückgewonnen.
Der Regisseur und die Schauspieler
Regie bei diesem vierzigminütigen Film, der übrigens in die Kategorie Stummfilmkomödie fällt, ist Mihály Györik, der seine Kindheit im Tessin verbrachte und inzwischen bei zahlreichen Dokumentar- und Kurzfilmen Regie führte. Die Schauspieler sind Roberto Gerboles und Andrea Ruberti, beide eher Clowns oder Komiker, sowie Franco Ravera, der sowohl in tragischen wie auch komödiantischen italienischen Filmen mitspielte. Der mit viel Humor und Witz gewürzte Stummfilm Ticino Experience sorgt für eine heitere Stimmung und macht Appetit.
Einige regionale Produkte aus dem Tessin
Was sind denn nun die kulinarischen Besonderheiten des Tessin, die den Zuschauern möglicherweise zum Film serviert werden? Eine Spezialität ist beispielsweise der Zincarlin aus dem Val da Mücc, ein Rohmilchkäse von Kuh und Ziege. Im Untertagekeller des Monte Generoso reift er mindestens zwei Monate im Leinensack und muss fast täglich mit Wein und Salz abgerieben werden, damit sich kein Schimmel bildet. Dann gibt es das hoch gelobte geröstete Maismehl (farina bona), aus dem schmackhafte Gnocchi bereitet werden. Zu den Wurstspezialitäten zählt die Mortadella mit Leber (mortadella di fegato) oder eine Wurst aus Ziegenfleisch (luganiga di capra). Und zu trinken gibt es natürlich auch etwas, vielleicht ein Glas Tessiner Merlot oder auch den bekannten Nusslikör Ratafia. Übrigens nicht zu verwechseln mit dem Erzeugnis gleichen Namens aus Frankreich, wo man den Likör aus Trauben, nämlich Chardonnay und Pinot Noir, herstellt und ihm einen Marc hinzusetzt.
Bedauerlich, dass es diesen Film nur im Tessin zu sehen gibt, zumindest bis jetzt. Zwei Möglichkeiten bieten sich da an. Man verbringt ein paar Tage im Tessin und nimmt an diesem Event teil. Oder man ist ein geduldiger Mensch und wartet ab, bis ein pfiffiger Gastronom mit entsprechenden Räumlichkeiten und Kenntnissen über die Tessiner Küche das Spektakel in Deutschland inszeniert.
Quellen und weiterführende Informationen: Ticino Experience
Bildnachweis:
- AngelaL/ pixelio.de
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- Jörg Klemme, Hamburg / pixelio.de
