Ein Ausflug zum Pfrunger-Burgweiler-Ried

Entstehung und Ökologie eines oberschwäbischen Feuchtgebietes

Zier: Pfrunger Ried - Landesanstalt für Umweltschutz
Zier: Pfrunger Ried - Landesanstalt für Umweltschutz
Moore haben nicht nur für Kinder eine Anziehungskraft. Der Naturschutzbeauftragte Lothar Zier erläutert Urlaubern und Einheimischen die Entwicklung des Riedes.

Das 9 km lange und 3 km breite Pfrunger-Burgweiler Ried liegt im baden-württembergischen Voralpenland in den Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen, zwischen den Gemeinden Königseggwald, Ostrach, Riedhausen und Wilhelmsdorf. Die Kreisgrenze verläuft mitten durch das Gebiet.

Das Ried wurde nach den umliegenden Dörfern benannt. Ostrach und Burgweiler liegen im Nordwesten, Wilhelmsdorf und Fleischwangen im Südosten. Seine nördliche Hälfte gehört zum Landkreis Sigmaringen, die südliche zum Landkreis Ravensburg. Das Ried hat 2.600 Hektar Moorfläche und ist, nach dem Federsee, das zweitgrößte Moorgebiet Südwestdeutschlands.

Renaturalisierung

"Wer heute mit offenen Augen durchs Ried wandert und es von früher kennt, bemerkt deutlich die Veränderung in Richtung Renaturierung. Aufgestaute Gräben haben ehemalige Riedwiesen in Amphibische Landschaften verwandelt. Angepflanzte Fichtenmonokulturen mussten zu Gunsten von naturnahen Moorwäldern weichen. Eine naturverbundene Pflegemaht verhindert ungewollte Verbuschung und der Verzicht auf Düngung revitalisiert mehr und mehr das ursprüngliche Pflanzenkleid", erklärt der Naturschutzbeauftragte Lothar Zier sein Projekt in Wilhelmsdorf.

Das Naturschutzzentrum stellt sich vor

Seit 1994 ist er der Leiter des dortigen Naturschutzzentrums Pfrunger-, Burgweiler- Ried, ein Projekt des schwäbischen Heimatbundes Stuttgart. Von dieser Stelle aus wird seit 1994 das Ried, das zweitgrößte Moorgebiet Südwestdeutschlands, betreut. Es ist ein Refugium für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten.

"Das Angebot des Naturschutzzentrums in Wilhelmsdorf mit Ausstellungen, Lehr- und Erlebnispfaden, Vorträgen und Führungen dient nicht zuletzt der Besucherlenkung und somit der Entlastung der sensiblen Naturschutzgebiete", gibt Lothar Zier bekannt. "Der neu erstellte Biologiesaal ermöglicht, gemeinsam mit den Lehrpfaden, Naturerleben für Schüler und Lehrer mit allen Sinnen. Bis zu 80 Schulklassen werden dort jährlich von fachkundigem Personal bei eigenen Naturbeobachtungen betreut. Die Exkursionen sind für Schüler und Lehrer immer wieder neu, denn jeder Tag im Ried ist anders. Hier kann man Jahreszeiten und Entwicklungen von Tieren und Pflanzen und die Kultivierung von Mooren nachvollziehen und lernen, warum Umweltschutz notwendig ist. Denn nur was man kennt und liebt, will man auch langfristig schützen". "Seit zwei Jahren laufen", so berichtet Zier weiter, "die Bemühungen, ein Bundesnaturschutzgroßprojekt zu gründen". Das Land Baden-Württemberg, die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen sowie die Riedanlieger Gemeinden Ostrach, Wilhelmsdorf, Riedhausen und Königseggwald haben hierzu, unter der Federführung des Schwäbischen Heimatbundes, eine Stiftung gegründet. Das Ziel derselben sei die großräumige Renaturierung des Pfrunger-Burgweiler Riedes.

Bäume als Zeitzeugen

"Am Burgberg steht eine uralte knorrige Eiche mit etwa sechs Metern Umfang", erzählt Zier weiter, um das Alter des Riedes zu verdeutlichen. Es sei durchaus denkbar, dass sie von Ritter Eberhard, dem ersten Königsegger, 1250 beim Einzug in die Burg gepflanzt wurde.

Lothar Zier erinnert sich noch gut wie der greise Dichter und passionierte Waldläufer Ernst Jünger, den Baumriesen bestaunte. Nachsinnend hielt der große alte Mann Zwiesprache mit "Seinesgleichen".

Die neue Naturschutzstrategie: Schutz durch Kauf

1974 wurde Lothar Zier vom Regierungspräsidenten in Tübingen zum Sonderbeauftragten für das Pfrunger - Ried bestellt. Als damals das Hangquellmoor Laubbachmühle, eine paradiesische Landschaft mit einer einzigartigen Pflanzenwelt in Fischteiche verwandelt werden sollte, lief der damalige Oberförster Lothar Zier bei den Behörden Sturm. Es gelang ihm und anderen Naturschützern schließlich, an dieser Stelle ein drei Hektar großes Feuchtgebiet zu erwerben und unter Schutz zu stellen. Das war der Beginn einer neuen Naturschutz-Strategie im Pfrunger Ried, Schutz durch Kauf. Sie führte letztendlich dazu, dass von der 2 600 Hektar großen Moorlandschaft im Jahre 2002 etwa 800 Hektar in sicheren Händen sind. Der Besitz verteilt sich auf das Land Baden-Württemberg, dem Schwäbischen Heimatbund, dem Naturschutzbund und auf die angrenzenden Gemeinden.

Das gesammelte Wissen über die Geschichte dieser Landschaft und ob Gärtnern nicht auch ohne Torf möglich ist, kann der Interessent in der "Moorbibel - Das Pfrunger Ried - Entstehung und Ökologie eines oberschwäbischen Feuchtgebietes", geschrieben vom Naturschutzbeauftragten Lothar Zier, nachlesen.

Der Naturschutz befindet sich heute im Wettlauf mit anderen Kräften. Wer Ressourcen schonen, braucht Kraft und Ausdauer, Mut und Geschicklichkeit. Vor allen Dingen muss er aber die Natur kennen und lieben, die er schützen will. Vor jedem Ausflug ist es sinnvoll, beim Öko-Testsieger der Wetterportale zu erfragen, wie das Wetter voraussichtlich werden wird.

Lothar Zier und alle die sich für das Moorgebiet bisher einsetzten, sind darin ein Vorbild.

Weitere Ausflugziele:

Quelle: Lothar Zier, Das Pfrunger Ried

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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