
- Clint Eastwood in den 2000er Jahren - RealBollywood.com
Mitterweile 65 Filme und eine Fernsehserie gehören zum Repertoire von Clint Eastwood, in denen er vor der Kamera stand, auf dem Regiestuhl saß – oder beides gleichzeitig. Genauso bekannt sind seine Kultfiguren wie der namenlose Killer in Sergio Leones Italowestern der 1960 Jahre und der zynische, schießwütige Großstadt-Cop Dirty Harry in den 1970er und 1980er Jahren. Am 31. März 2010 feiert Clint Eastwood seinen 80. Geburtstag.
Clint Eastwoods Karriere begann eigentlich erst, als viele andere Schauspieler-Karrieren bereits den Bach runtergehen. Mit 34 erlangte er über den Umweg nach Italien Ruhm in den belächelten Spaghetti-Western, und nach seiner Rückkehr in die USA startete er mit 41 seinen Siegeszug mit der Dirty-Harry-Reihe.
Karrierestart mit Sergio Leones Spaghettiwestern in Italien
Clint Eastwood wurde am 31. Mai 1930 in San Francisco geboren. Schon früh begeisterte er sich für das Kino ebenso wie für den Jazz nach einem Charlie-Parker-Konzert 1945 – eine musikalische Liebe, die ihn auch in seinen Filmwerken begleiten sollte. Nach der Armee und Jobs als Schwimmlehrer, Tankwart und Holzfäller ging er 1951 auf die Schauspielschule in Hollywood. 1955 folgten erste Nebenrollen in den Monster-B-Movies "Die Rache des Ungeheuers" und "Tarantula", bevor er als junger Cowboy in der Fernsehserie "Rawhide" (1959-1966) glänzte.
1964 folgte er dem Ruf des italienischen Regisseurs Sergio Leone, der für seinen Spaghetti-Western "Für eine Handvoll Dollar" einen US-Schauspieler suchte. Im Zeitalter liebender Hippies, der Friedensbewegung und antiautoritärer Erziehung erfand er den wortkargen Westernhelden, der nur das Recht seines Revolvers kennt. Der Italowestern und seine Fortsetzungen "Für ein paar Dollar mehr" (1965) und "Zwei glorreiche Halunken" (1966) wurden zum Erfolg und Eastwood zur neuen Kultfigur.
Diese sollte er später weiterentwickeln – ob in dem unheimlichen, übersinnlichen Western "Ein Fremder ohne Namen" (1972), dem Ökowestern "Pale Rider" (1985) oder in seinem oscarprämierten Meisterwerk "Erbarmungslos" (1992), in dem die Ikone des Eastwood-Cowboys einem altersschwachen, lebensmüden Zerrbild weicht.
Dirty Harry, der Archetyp des modernen Großstadt-Cowboys
Nach seiner Rückkehr nach Hollywood holte Eastwood seine Cowboyfigur in die Gegenwart. In "Coogans großer Bluff" (1968) spielte er einen Sheriff aus Arizona, der in New York mit Stetson, Colt und Stiefeln ausgestattet einen entflohenen Mörder aufstöbert und dabei eine Spur archaischer Gewalt hinterlässt. Ohne Western-Requisiten, aber mit demselben Faustrecht und einer 44er Magnum begab er sich 1971 als zynischer, brutaler Cop Harry Callahan in "Dirty Harry" auf die Spur einen psychopathischen Serienkillers.
Die Figur des Dirty Harry stand im scharfen Kontrast zu dem damaligen liberalen Zeitgeist der Intellektuellen, 1968er-Aktivisten und Feministinnen, die Eastwood als reaktionären Faschisten abtaten. Dem Publikum gefiel die kompromisslose, altmodische Härte von "Dirty Harry", dem bis 1988 vier Fortsetzungen folgten.
Eastwood wiederholte die Figur des harten Cops bis in die Gegenwart – ob in "Der Mann, der niemals aufgibt" (1977), "Der Wolf hetzt die Meute" (1984), "The Rookie" (1990), "Perfect World" (1993) oder "Blood Work" (2002).
Der Regisseur Clint Eastwood und seine großen Erfolge
Seit 1970 betätigt sich Eastwood auch als Regisseur und Produzent, zuerst in dem morbiden Psychothriller "Sadistico", der teils in seinem Haus in Carmel/Kalifornien entstand, und hat seitdem die meisten seiner Filme selbst inszeniert. Mit seiner Produktionsfirma Malpaso und einem treuen Stamm an Mitarbeitern behält er wie seine Filmfiguren die Kontrolle über die Arbeit, wobei er vorgegebene Budgets und Zeitpläne gerne deutlich unterschreitet.
Es ist diese Ergonomie seiner Figuren und die Reduzierung auf das Nötigste, die auch seine Regiearbeiten kennzeichnet und ihnen eine besondere Authentizität und Intensität verleiht. Für realistische, emotionale Biopics wie "Bird" (1988), dem Leben des Jazzmusikers Charlie Parker, der John-Huston-Hommage "Weißer Jäger, schwarzes Herz" (1990) oder zuletzt der Nelson-Mandela-Biografie "Invictus" (2009) erhielt Eastwood viel Lob und Auszeichnungen. Für seinen mit vier Oscars ausgezeichneten Westernmythen-Abgesang "Erbarmungslos" bekam er ebenso wie für das Frauenboxerdrama "Million Dollar Baby" (2004) einen Regie-Oscar verliehen.
Auch die gefühlvolle Seite beherrscht der Regisseur Eastwood. In "Begegnung am Vormittag" (1973) lässt er Altstar William Holden eine Liebschaft mit einem jüngeren Hippiemädchen eingehen, die an die naturalistischen Sozialdramen von John Cassavetes erinnert. Mit "Die Brücken am Fluss" (1995) eroberte das filmische Raubein in schwelgerischen Landschaften das Herz von Meryl Streep.
Spiel mit dem Jazz und großen Schauspielensembles
Aber der Jazzfreund Clint Eastwood ist auch ein begnadeter Musiker. Für viele Filme komponierte er seine eigenen Soundtracks und setzte sich im Politthriller "In the Line of Fire" (1993) unter der Regie von Wolfgang Petersen, seinem letzten Film unter Fremdregie, ans Klavier.
Den Vorwurf einiger Kritiker, Eastwood würde sich ausnahmslos selbst inszenieren, entkräftete er spätestens in den frühen 1990er Jahren. Nachdem er in "The Rookie" und "Perfect World" damals angesagten Jungmimen wie Charlie Sheen und Kevin Costner den Vortritt ließ, nahm er sich in seinem "Unforgiven" noch weiter zurück und ließ seinen Kollegen Gene Hackman, Morgan Freeman und Richard Harris viel Spielraum.
Politisch sah sich der 1,88 Meter große Schauspieler immer als gemäßigten Republikaner, dem aber der marktschreierische, platte Patriotismus und Waffenlobbyismus eines John Wayne oder Charlton Heston fehlt, und der den Irakkrieg ablehnte. Dafür überzeugte er durch eine ruhige, bodenständige Heimatliebe, die ihm von 1986 bis 1988 sogar das Bürgermeisteramt seiner Heimatstadt Carmel einbrachte, einem malerischen Küstenort in Kalifornien.
"Gran Torino" von Clint Eastwood – ein Abgesang auf alte Heldenmythen
Seine letzte Filmrolle spielte er 2008 in "Gran Torino" - einen alten, republikanischen Arbeiter in einem tristen Vorort, der sich einer asiatischen Nachbarsfamilie annimmt, die von einer Jugendgang terrorisiert wird. Wieder greift er zur Waffe und lässt Dirty Harry nochmals auferstehen, wenn auch als alternden Schatten seiner selbst. Gleichzeitig springt er über den Schatten seiner Ikone und hält seine schützende Hand über die Außenseiter Amerikas. "Gran Torino" dokumentierte damit quasi den Übergang von der Ära Bush in die Ära Obama.
Der schwerhörige Clint Eastwood war bisher zweimal verheiratet, lebte mit drei weiteren Frauen zusammen und hat sieben Kinder. Sein neuester Film ist der Mysterythriller "Hereafter" mit Matt Damon. Am 31. Mai 2010 feiert Clint Eastwood seinen 80. Geburtstag. Happy Birthday, Dirty Harry!
