Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Eingang des Dokumentationszentrums  - Dokumentationszentrum Nürnberg
Eingang des Dokumentationszentrums - Dokumentationszentrum Nürnberg
Ein Spaziergang zur Kongresshalle und den anderen Monumentalbauten.

Wenn man durch Nürnberg fährt, sieht man plötzlich das Kolosseum. Das und andere Monumentalbauten erzählen über die dunkelste Geschichte Deutschlands.

Eine Ausstellung über die Geschichte des Dritten Reiches

In der Kongresshalle, im Nordflügel, befindet sich das Dokumentationszentrum. Der Besuch ist schon fast ein Muss. Die Dauerausstellung "Faszination und Gewalt" bietet dem Besucher einen eindrucksvollen Einblick in eine düstere Vergangenheit, vom Aufstieg bis zum Fall Hitlers.

19 chronologisch strukturierte Ausstellungsbereiche eröffnen den geschichtlichen Zusammenhang des Nationalsozialismus mit der Stadt Nürnberg. Die Ausstellung zeigt unter anderem den Aufstieg der NSDAP, die Machtergreifung, die Anfänge der Diktatur. Durch die chronologische Darstellung der Fakten, durch die Demonstration der Nürnberger Rassegesetze wird dargestellt, wie Rassismus und Antisemitismus entstand und seinen Höhepunkt erreichte. Es ist ein eindrucksvoller Rundgang durch die Geschichte, wo der Gast, durch Filmaufführungen, durch das Audio-Begleitprogramm, sich mitten in die damalige Zeit versetzt fühlt und mit Erschaudern die Angst und Grausamkeit einer Diktatur spürt.

Die Zeppelintribüne, der Aufmarsch- und Paradeplatz der NS

Wer gerade das Frühlings- oder Herbstvolksfest auf dem nebenliegenden Volksfestplatz besucht und mit dem Riesenrad fährt, dem offenbart sich ein grandioser Blick über das gesamte Gelände, sogar bis in die Innenstadt und zur Burg.

Ausgehend vom Dokumentationszentrum, in dem man die beschriebenen Objekte hautnah erleben kann, beginnen wir unseren Spaziergang. Ein Geländeinformationssystem erleichtert allen Besuchern, sich zu orientieren. Auf dem Weg befinden sich große Edelstahltafeln mit Informationen und Erklärungen auf Deutsch und Englisch zur Geschichte.

Bei einem Spaziergang um die Kongresshalle wird einem erst das riesige Ausmaß bewusst. Am Dutzendteich entlang, kommen wir zur Zeppelintribüne. Bis 2001 konnte man in der Tribüne die Ausstellung „Faszination & Gewalt“ besichtigen. Hier auf dem Gelände finden bis heute Freiluftveranstaltungen wie Konzerte und Autorennen statt. Wer die Mühe nicht scheut, steigt die Stufen hoch und überblickt das Zeppelinfeld, das Fußballstadion und die Arena. Wer die Augen schließt und sich an das im Dokumentationszentrum Gesehene erinnert, dem wird vielleicht bewusst, was hier geschah. Direkt nebenan findet man das Städtische Stadion, das für die Aufmärsche und Vereidigungen der Hitlerjugend genutzt wurde. Es wurde mehrmals umgebaut und heißt heute Easycredit-Stadion. Der 1. FCN absolviert hier seine Spiele. Für hungrige Gemüter ist auch noch die Transformatorenstation in der Regensburger Straße zu besichtigen, in der sich heute ein Fast-Food-Restaurant befindet. An der Seite der Trafostation ist immer noch der Umriss des Reichsadlers zu sehen.

Die große Straße und das deutsche Stadion

Weiter geht’s bis zur großen Straße. Wer jetzt seinen Blick mal nach unten richtet, der wird feststellen, dass hier weder Stein noch Asphalt ist. Hier liegen tatsächlich Granitplatten und zwar 60.000 Stück. Bis heute wird die große Straße bei Großveranstaltungen als Parkplatz genutzt.

Direkt an der großen Straße plante Speer "das größte Sportstadion der Welt". Das deutsche Stadion wurde nie realisiert, hier konnte bis 1945 lediglich die Baugrube ausgehoben werden. Als diese mit Grundwasser volllief, entstand der heutige Silbersee. Selbst die Informationen auf den Edelstahltafeln können die enorme Größe nicht vermitteln. Wer aber jetzt schon ein wenig müde ist, der kann am Silbersee die Enten füttern, oder wer Kinder bei sich hat, für den bietet sich der Spielplatz zur Rast an.

Alle diese Bauten hatten riesige Dimensionen, verherrlichten das „Dritte Reich“ und sollten den Massen das Gefühl vermitteln, an etwas Erhabenem und Gemeinsamem teilzuhaben. Heute ist das Areal ein Naherholungsgebiet für Familien, Sportler und Spaziergänger und löst die bedrückende Atmosphäre der Vergangenheit auf.

Mit freundlicher Unterstützung des Dokumentationszentrums Nürnberg für das Bildmaterial.

Franziska Willforth - Geboren 1971 in Ungarn, aufgewachsen in einer Kleinstadt unweit vom Plattensee. Verheiratet, Mutter eines Sohnes (14), Abitur und Studium ...

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