Da, wo heute das Repräsentantenhaus, das Obecni dum, in Prag erstrahlt, befand sich der königliche Hof. Hier residierten ab dem 14. Jahrhundert die jeweils herrschenden Könige.

Vier Jahrhunderte später diente das Gebäude als Kaserne. Erst im Rahmen einer grundlegenden Reform innerhalb von Prag, wurde dieses herausragende Gebäude im Jugendstil gebaut. Trotz der Renovierungen vermittelt das Repräsentantenhaus nach wie vor das Bohème von Prag.

Das Repräsentantenhaus: der prunkvollste Jugendstilbau in Prag

Mit der Errichtung des Repräsentantenhauses erschufen sich die Prager einen der prunkvollsten Jugenstilbauten von ganz Prag. Mit dem Einhergang der Industrialisierung, der damit verbundenen zunehmenden Bevölkerungszahl, war es unabdingbar, das Angebot für Kultur und Erholung anzuheben. Es gelang, Prag in eine moderne europäische Stadt umzuwandeln, wobei auch die Armenviertel beseitigt wurden. Alle Gebäude, die sich bis um 1900 an dieser Stelle befanden, wurden abgerissen. 1903 reichten verschiedene Architekten ihre Entwürfe ein. Beauftragt wurden Architekt Professor Antonin Balsanek und Osvald Polívka. Im Dezember 1904 erhielt das Unternehmen Schlaffer & Sebek die Baugenehmigung und im nachfolgenden Sommer begannen die Baumaßnahmen.

Tscheschiche Künstler setzten hier Zeichen

Fünf Jahre später konnte bereits ein Teil vom Repräsentantenhauses genutzt werden. Die offizielle Einweihung des gesamten Komplexes erfolgte am 22. November 1912.

Dennoch blieb das Gebäude nicht vor Kritikern verschont. In dieser Zeit fanden gravierende Veränderungen und rasante Entwicklungen in Wirtschaft, kulturellen und sozialen Bereichen statt. Die Kritiker bemängelten, dass der vollendete Baustil bereits wieder überholt sei. Heute sind die Querelen von damals vergessen. Ein harmonisches Gemisch aus Neobarock, Neorenaissance, mit westlichen und östliche Einflüssen, gemischt mit tscheschichem Jugenstil runden das Gesamtbild des Bauwerkes ab. Auch an der Außendekoration haben sich die namhaften tscheschichen Künstler eingebracht, unter ihnen auch Alfons Mucha.

Modernste Technik der damaligen Zeit installiert

Im Repräsentantenhaus installierten die Bauherren alle zu der Zeit modernen Techniken. In ihm wurde eine Zenralheizung, Lüftungsanlage, ein Wasserversorgungssystem, Absauganlagen für Staub, Kühlung für den Keller, elektrische und hydraulische Aufzüge, eine Dampfwäscherei sowie eine Transformatorenstation und Wechselsprechanlagen installiert. Im Verhältnis zu der Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt anderswo gerade das Stromnetz ausgebaut wurde, stellte das Repräsentantenhaus ein hochmodernes Gebäude dar. Der Prunkbau ist auf einer Grundfläche von 4.214 m² errichtet und erlebte im Laufe der Jahrzehnte mehrere Restaurationen. Die letzte, im großen Umfang, fand von 1994 bis 1997 statt.

Marmor aus dem italienischen Carrara und dem tscheschichen Slivenec

Im Erdgeschoss ist die gesamte Halle Namesti Republiky mit Marmor verkleidet. Der tscheschiche Bildhauer, Bohumil Kafka, verzierte die Türen mit Bronzearbeiten im floralen Jugenstil. Im oberen Bereich der Wand fand man während der Restaurationsarbeiten alte Tapetenreste. Die ursprünglichen Lampen mussten ersetzt werden. Auch weitere Dekorationen in den verschiedenen Sälen wurden durch Repliken ersetzt, die nach den Originalmodellen oder fotografischen Nachweisen gefertigt wurden.

Der Luxusaufzug steht heute lediglich Präsidenten und dem Bürgermeister zur Benutzung zur Verfügung. Die Haupttreppe wurde aus italienischen Marmor aus Carrarra gefertigt. Die Balustraden sind aus Marmor aus dem tscheschichen Slivenec hergestellt.

Entwürfe von Alfons Mucha im Repräsentantenhaus umgesetzt

Neben der Haupteingangshalle befindet sich der Smetanasaal. Im Entwurf war er als Mehrzweckraum vorgesehen, an dessen Vorderseite sich eine Bühne befindet. An dem Emblem über der Türöffnung der Eingangshalle zum Bürgermeistersaal, arbeitete Alfons Mucha. Das Deckenfresko "Slawischer Concorde" enthält in symbolischer Darstellung acht menschliche Vorzüge, die jeweils von einem nationalen Künstler dargestellt wurden.

Auch bei den Entwürfen für die Vorhänge brachte sich Alfons Mucha ein. Die Studenten der städtischen Industrieschule nähten sie. Zwischenzeitlich sind auch diese restauriert worden. Ebenfalls Muchas Entwürfe für die Fenster realisierte die Firma Stanek und Sebek. Die indirekte Beleuchtung im Saal erfolgte auch auf die Anregung Muchas hin. Im Primator-Salon sind einige seiner Gemälde zu sehen. Neben seinen Arbeiten, verewigten sich weitere nationale Künstler im Repräsentantenhaus. Mit Skulpturen von Josef Vaclav Myslbek und Emanuel Hallmann, Malerein von Max Svabinsky, Josef Ullmann, Frantisek Zenisek und Jan Preisler sind die Säle, Treppenaufgänge und Flure geschmückt mit einzigartigen Jugenstilarbeiten, Schnitzereien und auch Stuckarbeiten.

Konzerte, Ausstellungen im Repräsentantenhaus

Heute finden hier zahlreiche Veranstaltungen, wie Konzerte und Ausstellungen statt. Der Smetana-Saal im Herzen des Repräsentantenhauses steht für erstklassige Konzerte mit 1.500 Plätzen zur Verfügung. Verschiedene Säle können für private oder geschäftliche Veranstaltungen angemietet werden. Detaillierte Angaben über Bestuhlung, technische Ausrüstung und Kosten können der Internetseite entnommen werden.

Zweimal täglich und auch dreimal täglich finden Führungen in tscheschicher und englischer Sprache für Gruppen bis zu 35 Personen durch das Gebäude statt.

Quelle: www.obecni-dum.cz/