Das Revolutionsjahr von 1848

Wien, Lombardo-Venetien und Ungarn waren die Hotspots der Revolution

Revolutionäres Gedankengut schwappte auch auf die Habsburgermonarchie über.

Der Jahresbeginn 1848 schien bereits Symbolcharakter für den Rest des Jahres zu haben. In Italien wollten Patrioten mit dem so genannten Mailänder Zigarrrenrummel, bei dem die Raucher streikten, den österreichischen Fiskus treffen. Auch in Böhmen und Ungarn standen die Zeichen auf Sturm - aber vorerst herrscht dort noch bedrohliche Ruhe.

Februarrevolution in Paris löst Unruhen im Reich aus

Damit war es allerdings vorbei, sobald in Paris die Februarrevolution begonnen hatte. Sofort nach Einlangen der Nachricht forderte in Budapest Ludwig Kossuth eine demokratische Repräsentativverfassung. Gleiches galt unmittelbar danach für Wien. Nachdem entsprechende Initiativen von Behörden und Hof zurück gewiesen worden waren, beschlossen Studenten, sich an die am 13. März im Landhaus in der Wiener Herrengasse versammelnden Stände zu wenden. Eine riesige Menschenmenge drang in den Hof und die Gänge des Gebäudes ein, Proklamationen wurden erlassen. Noch war die Stimmung zwar angespannt, aber ruhig. Als jedoch Schießbefehl gegeben wurde, der zahlreiche Opfer forderte, eskalierte die Situation. Barrikaden wurden in der Inneren Stadt errichtet, in den Vororten wurden Fabriken in Brand gesteckt, Polizeistationen gestürmt und einige Beamte gelyncht.

Personelle Konsequenzen zur Beruhigung der Lage

Noch am selben Tag wurde der ungeliebte Staatskanzler Fürst Metternich entlassen, einen Tag später auch Polizeiminister Graf Sedlnitzky und Wiens Bürgermeister Ignaz Czapka. Gleichzeitig wurde die Zensur aufgehoben, ein Pressegesetz wurde angekündigt. Im April traten weitere Vertreter der äußersten Rechten in der Regierung zurück, die Hofstellen, Hofkanzleien und Hofkammern wurden durch Ministerien ersetzt oder überhaupt aufgelöst, der Ministerrat ersetzte den Staatsrat sowie die Staatskonferenz. Und am 25. April wurde eine auf der belgischen Konstitution basierende Verfassung verkündet, die allerdings nicht für Ungarn und Italien galt. Zwei Kammern bildeten künftig die Volksvertretung. Das große Manko war allerdings, dass der Kaiser ein Vetorecht gegen die Beschlüsse der Volksvertreter hatte. Ein neuerliches Aufflackern der Revolution in Wien am 15. Mai führte jedoch dazu, dass die Verfassung zurückgenommen und das allgemeine und gleiche Wahlrecht zugesagt wurde. Im Juli kam es zu einer neuen Regierungsbildung, nach der endlich der konstituierende Reichstag einberufen wurde. Vorerst herrschte damit in der kaiserlichen und königlichen Residenzstadt Ruhe.

Militärische Erfolge Radetzkys in Italien

Deutlich weniger harmlos ging es hingegen in Lombardo-Venetien zu. Seit März 1848 herrschte dort ein offener Aufruhr, bis Mai hatten die Revolutionäre gemeinsam mit dem sardischen König Karl Albert, der Ende März die Grenze zur Lombardei überschritten hatte, auch die Regenten der habsburgischen Nebenländer aus ihren Fürstentümern vertrieben. Der Sieg von Feldmarschall Graf Joseph Radetzky in der Schlacht von Santa Lucia stoppte jedoch vorübergehend den Vormarsch der Revolutionäre. Zur endgültigen Beruhigung in Italien kam es erst, nachdem Radetzky in der Schlacht von Custozza am 25. Juli 1848 die Piemontesen besiegt und Mailand zurückgewonnen hatte. Kurz darauf wurde mit Sardinien ein Waffenstillstand ausgehandelt und unterzeichnet.

Neuer Ausbruch der Revolution in Wien: Ungarn bäumt sich ebenfalls auf

Bedrohlich war auch die Situation in Ungarn: als die Regierung in Budapest, deren führendes Mitglied Kossuth geworden war, immer deutlicher auf eine Abspaltung von Wien drängte, machte sich unter den Serben Südungarns und den Kroaten unter Banus Josef Baron Jellacic Widerstand breit. Jellacic marschierte mit seinen Truppen Mitte September gar gegen Budapest, wurde aber nach Anfangserfolgen an die Grenze zu Österreich zurück geworfen. Während der slawisch dominierte Reichstag und der Hof gegen die Ungarn waren, sympathisierten die Revolutionäre in Wien mit ihnen. Als ein Bataillion Soldaten nach Ungarn abgehen sollte, meuterte ein Teil der Truppe, Teile der Wiener Bevölkerung versuchten ebenfalls den Abmarsch zu verhindern. Die Vorstadtgarden und die Akademische Legion setzten sich schließlich gegenüber den loyal gebliebenen Truppen durch. Im Zuge der Überwältigung der kaisertreuen Stadtgarden wurde Kriegsminister Graf Latour gelyncht - woraufhin der Hof nach Olmütz flüchtete. Wenige Tage später wurde der Reichstag in das mährische Städtchen Kremsier verlegt. Der Kampf gegen Wien begann. Kaiserliche Truppen, die von Kroaten unterstützt wurden, begannen mit der Beschießung Wiens. Am 28. Oktober kapitulierten die Revolutionäre. Am 2. Dezember 1848 konnte Kaiser Ferdinand endlich zum Rücktritt bewegt wurden - sein Nachfolger wurde Franz Joseph. Dadurch wurde die Revolution jedoch nicht beendet - der Reichstag war noch immer in Kremsier, in Ungarn wurde weiter gekämpft - erst 1849 kehrte wieder Ruhe im Reich ein.

Ursula Rischanek, Ursula Rischanek

Ursula Rischanek - Schreiben ist eine Sucht - zumindest für mich. Zwei Mal habe ich dem Journalismus abgeschworen - und bin vom Schreib-Fieber immer wieder ...

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