Das Runde muss ins Eckige

Wörterbuch des Fußballs: Fachsprache begegnet uns fast täglich

Fußballfachsprache begegnet und fast täglich - Christine Konkel
Fußballfachsprache begegnet und fast täglich - Christine Konkel
Neben dem eigentlichen Wettkampf ist bei heutigen Sportgroßveranstaltungen auch die Kommunikation zu einer wichtigen Komponente geworden. Fachbegriffe sind alltäglich.

Besonders das Thema Fußball ist im Laufe der letzten Jahre zu einem richtigen Kontakt-Thema geworden. Unterhielt man sich früher noch darüber, wie das Wetter ist, so ist heute meist das letzte Fußballspiel des Lieblingsvereins der Evergreen in einer Unterhaltung.

Eine kurze Fußballsprachgeschichte

In Europa wird seit dem 12. Jahrhundert eine Art Fußball gespielt. Historische Quellen weisen darauf hin, dass dieser so genannte Ur-Fußball französischen Ursprungs ist.

Außerhalb Europas gab es jedoch schon viel früher ein Spiel, das dem heutigen Fußball sehr ähnlich ist. Bereits im 3. Jahrtausend vor Chr. spielten die Chinesen also eine Ur-Form des heutigen Fußballspiels.

Die Erfindernation des modernen Fußballs ist jedoch England. Im 19. Jahrhundert ähnelte ihr Fußballspiel jedoch noch sehr dem Rugby. Im Jahr 1848 bemühten sich Angehörige der Universität Cambridge, Regeln zu definieren, die Fußball von Rugby trennen. Dies gelang aber einige Jahre lang nicht. So ist als eigentliche Geburtsstunde des modernen Fußballs der 8. Dezember 1863 zu nennen. In einem Londoner Gasthaus wurden die Spielregeln der „Football Association“ beschlossen. Daraus entwickelten sich die heute immer noch geltenden Regeln. Die wichtigste Regel im Unterschied zu Rugby war, dass der Ball nur noch vom Torwart in die Hand genommen werden durfte.

Das erste Fußballspiel auf deutschem Boden ereignete sich 1874 in Braunschweig. Vier Jahre später wurde in Hannover der erste private deutsche Fußballverein gegründet und 1900 schließlich der Deutsche Fußballbund. Dies war der Beginn einer rasenden Entwicklung des Fußballs hin zum Volkssport.

Doch die heutigen Bezeichnungen, wie wir sie vom Fußball her kennen, waren nicht immer so. Beispielsweise hießen Mannschaften „Gespielschaften“, Tore „Male“, Verteidiger „Malmänner“ und Mannschaftsführer „Fußball-Kaiser“. Schiedsrichter kannte man auch noch nicht. Den Spruch „11 Freunde sollt ihr sein“ hätte noch niemand verstanden, da Mannschaften zu dem Zeitpunkt noch mit 15 Spielern aufliefen.

Konrad Koch, ein Gymnasialprofessor, entwickelte zur Zeit des Nationalsozialismus eine deutsche Fußballterminologie. Der historische Hintergrund erhellt die Tatsache, dass hier versucht wurde, die Fußballsprache ohne Fremdwörter auskommen zu lassen. In dieser Terminologie fordert Koch zudem, dass Ausdrücke, die im Spiel als Zurufe gebraucht werden, auch während des schnellen Laufens auszusprechen sein müssen. So änderte er beispielsweise das Wort „Passen“ in „Abgeben“.

Fußballsprache in der Berichterstattung

In der Fußballberichterstattung lassen sich vier Arten von Sprachen wiederfinden: die Autonomasie, die Tabellensprache, die Positionssprache und die Spielsprache.

Unter der Autonomasie versteht man die Ersetzung von Eigennamen durch typische Eigenschaften des Namensträgers. Als Beispiel kann „Knappen“ für Spieler des FC Schalke, „die Wölfe“ für Spieler aus Wolfsburg oder „der Titan“ für Oliver Kahn genannt werden.

Die Tabellensprache bezieht sich auf die mathematisch-abstrakte Darstellung einer Sequenz von Sportereignissen. Sie ist überwiegend metaphorisch. So arbeitet sie mit Oben-Unten-Metaphorik, Vorn-Hinten-Metaphorik und oft auch mit Gebäudemetaphorik (Tabellenkeller, Kellerkind).

Mit Hilfe der Positionssprache wird die Verständigung über die Mannschaftsaufstellung und virtuellen Spielpositionen erleichtert. Sie ist sehr statisch. Nur wenige Wörter, wie zum Beispiel die Bezeichnungen der Angriffspositionen, drücken Dynamik aus.

Die Spielsprache ist die wohl am häufigsten verwendete Sprache. Mit ihr werden Teilhandlungen des eigentlichen Sportereignisses beschrieben. Sie benutzt häufig Metaphern und Metonymien. Ein besonderes Merkmal ist, dass Spezialwissen notwendig ist, um einen Bericht verstehen zu können. So können beispielsweise Laien mit den Wörtern „Schwalbe“, „Foul“ oder „Elfmeter“ nichts anfangen.

Eine Abgrenzung zwischen den verschiedenen Sprachen kann nicht gemacht werden. Oft sind die Übergange fließend.

Literatur

Der Sprachwissenschaftler Dr. Armin Burkhardt beschäftigt sich schon seit langem mit dem Thema der Fußballsprache und hat Aufsätze und ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht.

Armin Burkhardt: Wörterbuch der Fußballsprache. Verlag: Die Werkstatt 2006. Broschur, 360 Seiten. Euro 14,90.

Christine Konkel, Christine Konkel

Christine Konkel - Christine Konkel ist seit 2007 neben ihrem Studium der Germanistik und Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum journalistisch ...

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