
- Saarlandmuseum - Saarlandmuseum
Reinhard Klimmt, früherer Gefolgsmann von Oskar Lafontaine, Büchernarr und sozialdemokratischer Ministerpräsident des Saarlandes, hat – es ist mehr als 20 Jahre her, einen eindruckvollen Text- und Bildband über das Saarland herausgegeben. Der Titel: „Richtig daheim waren wir nie“. Das macht seinen Sinn, wenn man den genaueren Blick auf dies kleine Bundesland und seine Hauptstadt im westlichen Winkel der Republik wirft. Saarbrücken in seinen heutigen Gemarkungsgrenzen ist erst im Jahr 1909, also vor gut 100 Jahren, entstanden, und Landeshauptstadt wurde es in 1947. Allein die Saargeschichte seit 1870 weist aus: Drei Kriege und zwei Volksabstimmungen brachten immer wieder zahlreiche Grenzverschiebungen an der Nahtstelle zu Frankreich. Dies führte beispielsweise dazu, dass ein um das Jahr 1900 geborener Saarländer im Laufe seines Lebens fünf verschiedene Pässe besaß.
Das Saarland – immer eine Grenzregion
Für die Nachgeborenen ist dies alles spannende Historie. Der hat sich – natürlich – das Saarlandmuseum in Saarbrücken angenommen. In einer neuen Dauerausstellung, die sich an den Menschen in der Saarregion und ihren Schicksalen orientiert, wird auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern durchgängig die spannende Geschichte der deutsch-französischen Grenzregion seit dem Krieg von 1870/71 bis in das 20. Jahrhundert dargestellt. Da wird aufgezeigt, warum das Saarland zu lange das war, was der damalige saarländische Regierungschef Lafontaine im Vorwort zu Reinhard Klimmts Buch eine „terra incognita“ genannt hat; eine Gegend also, die eigentlich nie „sie selbst“, sondern immer nur Teil eines übergeordneten anderen Staatsgebildes sein durfte – ob es Frankreich, Preußen oder Bayern war.
Historisches Museum auch unter der Erde
Das Museum in Saarbrücken beschränkt sich aber nicht auf die Darstellung und Aufarbeitung der Neuzeit. Hier kann der Besucher auch – im wörtlichen wie übertragenen Sinne - in die Tiefe steigen. 500 Jahre Geschichte sind hier hautnah erlebbar: Unter der Erde kann der Besucher eindrucksvolle Architekturzeugnisse vom 13. bis 18. Jahrhundert besichtigen. Teile der mittelalterlichen Burg, eine Schießkammer aus dem 15. Jahrhundert, Wehranlagen und Kasematten aus der Renaissance, ein im Burggraben errichtetes Ballhaus (!) aus dem 17. und ein Verlies aus dem 18. Jahrhundert sind als Zeugen der Vergangenheit unterirdischer Teil dieses Museums.
Mit Fackeln in die Kasematten
Als Ergebnis spektakulärer Ausgrabungen können die Wehranlagen der Saarbrücker Burg, die über Jahrhunderte in der Erde verborgen lagen, besucht werden. Das sind Verteidigungsanlagen aus dem Mittelalter und aus der Renaissance. So kann der Besucher, ausgerüstet mit Schwarzlichtfackeln, über den stellenweise 18 Meter breiten Wehrgraben die zweigeschossigen Kasematten betreten, ihre Gänge und Kammern erkunden. An verschiedenen Stellen informieren Hörspielszenen, unterstützt durch eine Lichtregie, über die frühere Arbeit an der Bastion und den Alltag der Burgbesatzung. Der Besucher wird zur aktiven Entdeckung eingeladen und lernt, dass diese so genannte „terra incognita“ stets eine erstaunliche Fülle zu bieten hatte. -- Das historische Museum Saar, Schlossplatz 15, 66119 Saarbrücken, ist telefonisch erreichbar unter der Rufnummer 0681-506-4501; Email: hms@hismus.de; Internet: http://www.historisches-museum-saar.de .
