Das salische Gesetz bedeutet in einer Dynastie die rein männliche Nachfolge und damit den Ausschluß der Frauen von der Thronfolge. Auch die mittelbare Vererbung über die Mütter war nach der sogenannten "Lex Salica" im Mittelalter nicht möglich. Die "Lex Salica" geht auf altes germanisches Stammesrecht zurück, und zwar auf das der salischen Franken, und wurde Anfang des 14. Jahrhunderts in Frankreich zur Legitimation der männlichen Thronfolge herangezogen. Mithilfe dieses Gesetzes setzte sich dort letztlich das Erbkönigtum mit der unumstrittenen Nachfolge des männlichen Thronerben eindeutig durch. Bis in die Gegenwart hinein bildete die "Lex Salilca" die Grundlage vieler Erbdynastien Europas. So haben zum Beispiel Schweden und Belgien erst 1980/94 ihre Thronfolge zugunsten der Töchter geändert.

Kontroverse Diskussion um die "Lex Salica"

Macht konnten Frauen während der Jahrhunderte nur mittelbar ausüben, und zwar als Regentin für einen minderjährigen Sohn. Ob der Ausschluß der Frauen von der Thronfolge durch die "Lex Salica" in Frankreich letztlich juristisch gerechtfertigt werden konnte, darüber streiten Rechtsgelehrte und Historiker seit Jahrhunderten. Denn die "Lex Salica" enthält über die staatsrechtliche Frage der Thronfolge gar nichts, nur eine privatrechtliche Äußerung stellt den Ausschluß der Frauen an einer Immobilien-Erbschaft fest. Erwähnung fand das Gesetz erstmals in Frankreich Anfang des 14. Jahrhunderts mit dem Aussterben des Hauses der Robertiner und dem Beginn des Hauses Valois (1328).

Die "Lex Salica" und die französische Thronfolge-Regelung

Seit 987 mit dem Beginn der Kapetinger auf dem französischen Thron war den Monarchen stets ein männlicher Nachfolger geboren wurden. Dabei hatte sich auch die Primogenitur, das Recht des Erstgeborenen auf die Nachfolge, zum Gewohnheitsrecht entwickelt.

Erst beim Tode Ludwigs X 1316 stellte sich die Frage, ob beim Fehlen eines männlichen Nachfolgers in direkter Linie, auch die minderjährige Tochter Johanna die königliche Würde erlangen könnte. Als der König starb hinterließ er seine schwangere zweite Frau. Bei der Diskussion um die Regentschaft für einen möglichen künftigen männlichen Thronfolger setzte sich Philipp von Poitiers, der jüngere Bruder Ludwigs X, durch.

Beginn des politischen Machtkampfes

Um eine mögliche Regentschaft und, falls eine zweite Tochter geboren werden sollte, selbst auf den Thron zu gelangen, gestand Philipp der Tochter Ludwigs X Johanna im Austausch für den Verzicht eines möglichen Thronanspruches Ländereien zu. Somit erkannte er ein Quasi-Recht der Frauen an. Nach der post mortem Geburt einer weiteren Tochter Ludwigs X ließ sich Philip gegen den Widerstand manch Großer des Reiches in Reims zum König salben und krönen und schuf somit vollendete Tatsachen. In der anschließenden Versammlung der Großen des Reiches, die den Thronwechsel billigen sollten, stand die Akzeptanz Philipps außer Frage, und zwar, "weil Frauen nicht auf den Thron folgen können", wie es lapidar hieß. Vom salischen Recht war keine Rede.

Philipp starb schon 1322, auch er hinterließ nur Töchter. Zu der Zeit war es schon keine Frage mehr, dass Philipps jüngerer Bruder Karl (IV) der Schöne ihm folgen würde. Anfang 1328 starb auch dieser. Für sein noch ungeborenes Kind bestimmte er als Regenten seinen Cousin Philipp von Valois (VI). Als solcher konnte Philip schon mögliche Vorkehrungen für eine eventuelle Thronfolge treffen, falls kein Sohn geboren werden würde oder dieser sterben sollte.

Umstrittener Anspruch

1328 war die Nachfolge allerdings nicht so unbestritten wie bei den vorherigen Thronwechseln. Da Philipp nur ein Cousin des vorhergehenden Königs Karls IV war, war der Anspruch Philipps von Valois nicht zweifelsfrei. Zwei weitere Mitbewerber meldeten ihre Rechte an.1. Philipp von Evreux, Gatte der ältesten Tochter Ludwigs X Johanna und Enkel Philipps III (sein Vater Ludwig stammte aus der zweiten Ehe Philipps III mit Maria von Brabant). Philipp von Valois, der Regent, entstammte als Enkel hingegen aus der ersten Ehe Philipps III mit Isabella von Aragon. In diesem Fall, und das betonten schon Zeitgenossen, hatte der ältere legitimere Rechte als der jüngere Zweig. 2. Edward III von England. Er war ein Neffe Karls IV und Enkel Philipps IV, denn seine Mutter Isabella war eine Schwester Karls IV gewesen und stand damit verwandtschaftlich näher zum letzten König als der Cousin Philipp von Valois. Die Frage war nun: Können Frauen, auch wenn sie selbst keinen Anspruch haben, diesen an ihre Söhne vererben? Können sie gewissermaßen eine "Brücke des Rechts zwischen Großvater und Enkel" sein? Die Entscheidung hieß "Nein" und fiel letztlich zugunsten Philipps (VI).

England beansprucht den französischen Thron

Dass England die Gelegenheit zum Griff nach dem Lilienthron wahrnehmen wollte, hatte eher politisch-militärische Gründe. So gab es seit den Plantagenets häufige Auseinandersetzungen mit der französischen Krone wegen der englischen Besitzungen in Südwestfrankreich. Zunächst leistete Edward III dem französischen König Philipp VI seinen Lehnseid, da er sich eine militärische Auseinandersetzung nicht leisten konnte. Aber schon 1337 und 1340 eskalierte die Situation zwischen beiden Monarchen. Edward bezeichnete den französischen König als Usurpator der Krone und nahm selbst den französischen Königstitel an. Jetzt fühlte er sich stark genug, um gegen Frankreich militärisch vorzugehen und sein vermeintliches Recht auf die französische Krone mit Waffengewalt durchzusetzen. Der 100jährige Krieg begann.

Frankreich wehrt sich

Für die Franzosen auf der anderen Seite war die Ablehung des englischen Anspruchs zunächst eine ad-hoc-Entscheidung und hatte mit dem salischen Gesetz wenig zu tun. Sie basierte schon damals auf dem Gefühl der Eigenständigkeit nationaler Geschichte und französischen Königtums. Man wollte keinen fremden Herrscher haben, auch wenn dessen Mutter Französin gewesen war. Was mit Blick auf England zunächst eine politische-strategische Entscheidung gewesen war, entwickelte sich im Laufe des 100jährigen Krieges zu einer tiefergehenden Begründung des Ausschlusses der weiblichen Linie. Die ursprüngliche "Brückentheorie" wurde erst jetzt ergänzt durch das salische Gesetz. Zum einen wurde den englischen Ansprüchen eine "Verfassung" oder "Constitutio" (salisches Gesetz) , die weitaus älter war als der Beginn des englischen Königtums und damit seriöser, entgegengestellt. Zudem war das salische Gesetz schriftlich fixiert, was einen weiteren Vorteil gegenüber dem Gewohnheitsrecht Englands darstellte. Auch die Eigenschaften einer überhöhten Würde ("dignitas" ) und einer priesterliche Erhabenheit des Königtums, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet hatten, machten eine Nachfolge von Frauen unmöglich. Im Lauf der nächsten Jahrunderte wandelte sich das salische Gesetz zu einem Reglement, das sämtliche Fälle der Thronfolge betraf und die Legitimität des Königs für alle Zukunft definierte.

Machtanspruch wird durch späteres Gesetz legitimiert

Die politischen Fakten, die Philipp IV und Philipp VI ( von Valois) schufen, stellten letztlich kalte Machtübernahmen dar. Das salische Gesetz rechtfertigte die Vorgehensweise argumentativ erst im nachhinein. Dass die Großen des Reiches die Machtwechsel mittrugen, zeigte deren Akzeptanz. Im Denken der Zeitgenossen unfassbar war es hingegen, Frauen aus eigenem Machtanspruch an die Spitze des Staates gelangen zu lassen.

Ausblick in spätere Jahrhunderte

Welche Bedeutung das salische Gesetz als Regelwerk der Thronfolge für die Dynastien ganz Europas hatte, zeigt sich darin, dass Änderungen der Thronfolge bei manchen Monarchien erst in der jüngsten Zeit stattfanden (Schweden, Belgien). Österreich schaffte solch eine Änderung schon Anfang des 18. Jahrhunderts. Damit Maria Theresia die Nachfolge ihres Vaters Kaiser Karl VI antreten konnte, hatte dieser die Pragmatische Sanktion eingeführt.. Eine politisch-dynastische Entscheidung, die dennoch die Zustimmung anderer europäischer Fürstenhäuser benötigte.

Literatur: Scheidgen, Helmut: Die französische Thronfolgte:Der Ausschluß der Frauen und das

salische Gesetz; Bonn 1976