Das Scheitern der Weimarer Republik

Dieser Artikel benennt und erklärt die einschlägigen Ursachen und Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik als demokratisches Modell.

Die Weimarer Republik wurde 1919 ausgerufen und war der deutsche Versuch, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ein demokratisches Nachkriegsdeutschland in der Mitte Europas zu etablieren. Doch schon vierzehn Jahre später endete die Weimarer Republik mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933.

Doch welche Ursachen und Gründe führten dazu, dass ein eigentlich demokratisches Erfolgsmodell schon nach so kurzer Zeit durch ein diktatorisches Regime wieder abgelöst wurde?

Der erste Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

Eine der wichtigsten Ursachen für den Untergang der Weimarer Republik ist dabei der Erste Weltkrieg, der als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingegangen ist - und in seiner Folge auch der Versailler Vertrag - aus dem alle weiteren Konflikte des 20. Jahrhunderts resultierten.

Denn die starke Ablehnung in der Bevölkerung über die Bestimmungen und Auflagen des Versailler Vertrages beziehungsweise das Staatsziel eine Revision der Bestimmungen zu erreichen, war einer der zentralen programmatischen Aspekte der nationalsozialistischen Außenpolitik. Mit einem moderaten Friedensschluss 1918/1919 auf Basis des 14-Punkte-Programms von US-Präsident Woodrow Wilson wäre diesem außenpolitischen Ziel die Grundlage entzogen worden.

Dolchstoßlegende

Auch in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg ist die Dolchstoßlegende als ursächlich für den Untergang der Weimarer Republik zu nennen. Diese besagt, dass das deutsche Reichsheer im Ersten Weltkrieg durch die Kapitulation des Parlamentes "von hinten" erdolcht wurde, obwohl der Krieg noch zu gewinnen war. Obgleich es heutzutage bewiesen ist, dass selbst die Oberheeresleitung unter General von Hindenburg (dem späteren Reichspräsidenten) den Krieg als verloren und nicht mehr zu retten ansah, ist unklar, in wie weit diese Legende in der Bevölkerung eine parlamentsfeindliche Stimmung erzeugte und den Hass gegen die Sozialdemokraten schürte.

Verfassungsrechtliche Probleme

Jedoch gab es auch einige Probleme in der Weimarer Reichsverfassung, die mittelbar zu deren Untergang beigetragen haben können.

Zum einen gab es keine verfassungsrechtliche Beschränkungsmöglichkeit der Parteienlandschaft im Parlament wie das heutige Verbot verfassungsfeindlicher Parteien und die 5%-Klausel, wodurch eine enorme Parteienzersplitterung und damit verbunden immer schneller wechselnde Regierungen mit unklaren Mehrheitsverhältnissen ermöglicht wurden. Ferner konnten damals Reichskanzler durch ein destruktives Misstrauensvotum abgewählt werden, ohne dass direkt ein Nachfolger bestimmt wurde (im Gegensatz zum heutigen konstruktiven Misstrauensvotum aus Art. 67 GG). Inwieweit die starke Stellung des Reichspräsidenten als "Ersatzkaiser", der gemäß Art. 48 der Weimarer Reichsverfassung die Grundrechte außer Kraft setzen konnte, zum Untergang der Weimarer Republik beigetragen hat, ist heutzutage umstritten.

Die Wahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten

Auch die Wahl von Paul von Hindenburg gegen seine Mitbewerber Wilhelm Marx und Ernst Thälmann zum Reichspräsidenten im Jahre 1925 muss als Wendepunkt zum Scheitern der Weimarer Republik angesehen werden. Diese Wahl, die er nur aufgrund von parteipolitischen Streitigkeiten gewann, da in späteren Wahlgängen Ernst Thälmann seine Kandidatur trotz Chancenlosigkeit nicht zurückzog, brachte einen ehemaligen General der Oberheeresleitung an die Macht und stärkte damit die reaktionären Kräfte. Hätte Ernst Thälmann zurückgezogen und damit eine Präsidentschaft von Wilhelm Marx ermöglicht, wäre eine Ernennung Hitlers zum Reichkanzler schlechthin undenkbar gewesen.

Die Beibehaltung des Wilhelminischen Beamtenapparats

Ein weiterer Grund für die starken konservativen Kräfte in der Weimarer Republik war die Beibehaltung des Wilhelminischen Beamtenapparats aus dem Kaiserreich, der vor allem aus Juristen und konservativen Bürgern und Adligen bestand. Damit blieb auch nach der Auflösung des Kaiserreichs ein Großteil der Staatsverwaltung in kaisertreuen, monarchistischen Händen.

Die Weltwirtschaftskrise

Jedoch darf auch die Weltwirtschaftskrise bei der Betrachtung der Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik nicht außer Acht gelassen werden. Den ohnehin schon durch die restriktiven Bestimmungen des Versailler Vertrages vorliegenden wirtschaftlichen Problemen, wurde durch die Weltwirtschaftskrise ein dramatisches Gewicht verliehen, das Auswirkungen auf breite Bevölkerungskreise hatte. Dadurch wurde der Wunsch nach einer stärkeren und sicheren Regierung in der Bevölkerung größer und ist somit auch als einer der entscheidenden Faktoren für die Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Resümee

Es gab viele Ursachen für den Untergang der Weimarer Republik. Dabei sorgte keiner dieser Gründe alleine für das Scheitern des demokratischen Modells, vielmehr war es ein Zusammenwirken aller, was die Nationalsozialisten an die Macht brachte und eine Zeit voller Hass, Schrecken und Gewalt hervorrief. Nichtsdestotrotz ist die Weimarer Republik in vielfacher Hinsicht Vorbild für die heutige Bundesrepublik Deutschland und deren Verfassung.

Erik Huyoff - Ich bin 20 Jahre alt und studiere Rechtswissenschaft an der Ruperto Carola in Heidelberg. Nebenbei arbeite ich als freiberuflicher ...

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