Das Schloss Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern

Die Kapelle von Schloss Ludwigslust - Uwe Wolfrum
Die Kapelle von Schloss Ludwigslust - Uwe Wolfrum
Das Barockschloss Ludwigslust prägt das Bild der gleichnamigen Stadt - und verzückt mit herrschaftlichem Pomp statt mit grauem DDR-Alltagsdesign.

Wen es auf eine Reise ins Grenzgebiet zwischen dem Wendland in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verschlägt, der sollte einen Abstecher in die kleine Stadt Ludwigslust unternehmen. Unweit von Schwerin gelegen, bietet die grüne und idyllische Stadt einige Sehenswürdigkeiten, vor allem das gleichnamige Barockschloss und seinen sehenswerten Schlosspark. Ludwigslust, von den Bewohnern gerne liebevoll "Lulu" genannt, liegt im gleichnamigen Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern und hat gut 12.000 Einwohner. Die Stadt hat eine relativ "junge" Geschichte und entstand aus dem Ort Klenow, der erstmals im Jahre 1333 urkundlich erwähnt worden ist.

Die Blütezeit des Schlosses und Ortes Ludwigslust

Die Entwicklung des Ortes ist eng mit dem gleichnamigen Schloss verbunden. Dieses wurde von 1731 bis 1735 von Prinz Christian Ludwig als Jagdschloss in Fachwerkstruktur erbaut. 1754 wurde Klenow dann auf Weisung des mittlerweile zum Herzog des Herzogtums Schwerin ernannten Christian Ludwig in Ludwigslust umbenannt.

Danach wurde der Ort ausgebaut und erlebte eine rege Blütezeit. Ab 1763 wurde der üppige Schlosspark angelegt, einer der größten Landschaftsparks in Norddeutschland. 1765 bis 1770 folgten der Bau der Hofkirche und heutigen Stadtkirche und von 1772 bis 1776 der Umbau des Jagdschlosses zum imposanten Barockschloss im Stile der damaligen Herrscher.

Dazu folgten Bauten der aufstrebenden jüdischen und katholischen Kultur in Ludwigslust, wie der Jüdische Friedhof und die katholische Kirche St. Helena, bevor ab 1837 das Militär in nahen Kasernen Einzug hielt und das Stadtbild bestimmte. Das Mecklenburger Militär der Dragoner kämpfte danach im Krieg gegen Dänemark, im Preußisch-Österreichischen und im Deutsch-Französischen Krieg sowie im Ersten Weltkrieg. Bis 1992 waren die Garnisonen danach von der Reichswehr, den sowjetischen Truppen, der NVA und der Bundeswehr belegt.

Ludwigslust möchte seinen barocken Charakter bewahren

Heute sieht man dem Ort seine militärische Geschichte kaum noch an, aber der Glanz einstiger barocker Jahre liegt noch über den eindrucksvollen Gebäuden – auch wenn in Ludwigslust inzwischen auch sozialer Wohnungsbau, Ramschläden und Billigsupermärkte das Stadtbild mit bestimmen.

Fährt man heute in die Stadt und parkt auf dem Alexandrinenplatz vor dem Rathaus in der Stadtmitte, fällt einem schnell der Gegensatz der Architekturen unterschiedlicher deutscher Epochen auf. Neubauten aus der Zeit nach der deutschen Einigung stehen dabei dem Funktionsbau der DDR-Ära gegenüber.

Am dominantesten aber bestimmen die üppigen Bauten aus der Zeit der Herzoge und Prinzen im 18. und 19. Jahrhundert das gesamte Stadtbild. Mithilfe eines städtischen Sanierungsprogramms bemüht sich die Stadtverwaltung deshalb, den Ort zu erneuern und dabei den historischen barocken Charakter zu erhalten und zur Geltung zu bringen.

Der Schlosspark Ludwigslust – eine lustvoll-grüne Ruheoase

Auf einer Allee aus Pflastersteinen bewegt man sich in Richtung des Schlosses Ludwigslust. Links und rechts zieren kleine, alte Wohn- und Geschäftshäuser aus rotem Backstein die Meile, die zusammen mit Backsteinpflastern die Atmosphäre vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte verbreiten.

Am Ende der Allee angekommen, mündet der Weg in einen großen Platz mit Grünflächen und einem Teich vor dem imposanten Schloss. Hier finden häufig Großveranstaltungen wie Messen, Jahrmärkte und Kultur-Events statt.

Direkt hinter dem Schloss schließt sich eine ruhige, üppige Parkanlage an, die mit vielen Ruheinseln und Spazierwegen beim geneigten Großstädter Sehnsüchte nach solchen Plätzen für die Mittagspause im hektischen Berufsleben daheim erweckt.

Prinzenschlösser und Landschaftsgärtnerei jenseits des DDR-Einheitschics

Der weitläufige Schlosspark bietet eindrucksvolle Landschaftsgärtnerei sowie weitere historische Fundstücke wie den gradlinigen, barocken Johannisdamm von 1790, der der Wasserregulierung im Schloss diente, der Teepavillon von 1750 oder die steinerne Brücke von 1780. Eine besondere Augenweide ist der Prinzenpalais von 1765 am Bassin zwischen dem Schloss und der Hofkirche, ein lustvoller, kleiner Schlossbau wie aus einem Prinzessinnenmärchen.

Verlässt man den Schlosspark, kehrt man aus seinem kleinen Ausflug in die vergangenen Jahrhunderte zurück in das ruhige Stadtleben von Ludwigslust und wundert sich, wie der ungeliebte Pomp dieser Architekturen den funktionalen Einheitswahn der DDR-Gleichschaltung überstanden hat.

Die Pause danach verbringt man am besten in einem der Cafés, Biergärten oder in einer Eisdiele längs der Schlossallee - oder im hässlichen Einkaufscenter zwischen einer kleinen Shoppingmeile und Betonparkplätzen am anderen Ende des Alexandrinenplatzes. Hier hat einen die Realität spätestens wieder eingefangen.

Besuchszeiten und weitere Informationen zum Schloss Ludwigslust

Hinweis: Die Besuchszeiten des Schlosses sind in der Sommersaison (Mitte April bis Mitte Oktober) jeden Tag von 10.00 bis 18.00 Uhr. In der Wintersaison bleibt das Gebäude montags geschlossen und öffnet an den übrigen Tagen von 10.00 bis 17.00 Uhr. Weitere Informationen zum Schloss Ludwigslust, Führungen und aktuellen Veranstaltungen finden sich auf der Website der Museen in Schwerin sowie auf der Website der Stadt Ludwigslust.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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