
- Die zweifarbige Glienicker Brücke von Babelsberg - Harald Rossa
Prinz Wilhelm, der spätere preußische König und deutscher Kaiser Wilhelm I., rang seinem Vater Friedrich Wilhelm III. die Erlaubnis zum Bau seiner Sommerresidenz auf dem Babelsberg ab. 1833 begann der erste Bauabschnitt, für den Karl Friedrich Schinkel die Pläne lieferte. Ab 1840 wurde, nachdem Wilhelm die Rolle des Kronprinzen zugefallen war, unter Beteiligung der preußischen Baumeister Ludwig Persius und Johann Heinrich Strack der zweite Bauabschnitt errichtet.
Die Nutzung von Schloss Babelsberg nach dem Tod von Wilhelm I.
Wilhelm I. starb 1888, seine Frau Augusta 1890. Die Nachfolger des Kaisers bevorzugten andere Schlösser als Wohn- und Sommersitz. Das Schloss Babelsberg fiel in einen Dornröschenschlaf und diente als Abstellkammer.
Seit 1927 gehörte das Schloss Babelsberg zur staatlichen Schlösserverwaltung und wurde als Museumsschloss öffentlich zugänglich. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Schloss nur leichte Schäden. Ab 1948 nutzte die Volksrichterschule, die spätere Akademie für Staat und Recht der DDR, und die Fachschule für Filmtechnik die Bauten. Hinter dem Schloss wurden im Park Hörsäle in Neubauten untergebracht, die nach der Wende von der Universität Potsdam genutzt wurden.
Der Babelsberger Park liegt direkt an der Havel, die hier die Grenze zwischen Westberlin und der DDR markierte. Vom Schloss geht der Blick direkt auf die Glienicker Brücke, die als Ort des Agentenaustauschs im Kalten Krieg berühmt wurde. Durch diese Lage an der innerdeutschen Grenze war vor allem große Teile des Parks jahrelang der Öffentlichkeit verschlossen. Dennoch wurden die Schlossräume weiter genutzt. 1963 wurde ein Museum für Ur- und Frühgeschichte eingerichtet. Dessen Ausstellungsräume befanden sich bis 1990 im Schinkelbau, Arbeitsräume und Magazine bis 1999 im Erweiterungsbau.
Neben dem Schloss gibt es im Babelsberger Park, der über 110 Hektar einnimmt, noch weitere interessante Bauten. Das sind das Kleine Schloss und das Dampfmaschinenhaus am Ufer der Havel, der Flatowturm, die Gerichtslaube, der Marstall und das Matrosenhaus. Der Flatowturm überragt die Gartenlandschaft um das Schloss. Er entstand zwischen 1853 und 1856 nach Vorbild des Eschenheimer Turms in Frankfurt am Main. Er ist ein Wahrzeichen des Potsdamer Stadtteils Babelsberg und bietet eine einmalige Sicht auf die umliegende Parklandschaft.
Gegenwart und Zukunft von Schloss Babelsberg
Schloss Babelsberg wird heute von Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg betreut. Es gehört innerhalb des Gesamtensembles Potsdam zum Weltkulturerbe der UNESCO. Nach der Wende wurde der Schlossbau ab 1992 für museale Zwecke hergerichtet. In ihm sind die Wohnungen von Augusta und deren Mann Wilhelm I. zu sehen. Werke der Künstler Carl Graeb und ein Gemälde von Franz Krüger runden die Ausstattung der Räume ab.
Neben den Museumsräumen gibt es während der sommerlichen Öffnungszeiten stets Sonderausstellungen. 2009 ist das Tafelsilber von Prinz Wilhelm die Hauptattraktion im Schloss. Dazu kommt die Dokumentation Mauerblicke von Peter Rohn, in der die Situation der Grenze im Park Babelsberg und im Neuen Garten dokumentiert wird.
Bei den Arbeiten zur grundlegenden Sanierung der Schlösser und Gärten in der Potsdamer Parklandschaft ist das Schloss Babelsberg in der Prioritätenliste der Schlösserstiftung ein wenig nach hinten gerutscht. Sein äußerer Zustand ist noch immer wenig ansprechend. Etliche Kunstwerke im Park haben dringenden Sanierungsbedarf.
Rettung Sonderinvestitionsprogramm
Im August 2009 wurde ein Sonderinvestitionsprogramm von Bund, Berlin und Brandenburg für die Rettung der preußischen Schlösser und Gärten aufgelegt. Aus diesem Topf von rund 155 Millionen Euro sind 38,5 Millionen Euro für die Sanierung des Schlosses und 3,7 Millionen Euro für die Erneuerung von Anlagen im Park Babelsberg vorgesehen. So besteht die Aussicht, das 2013 das Schloss und der Park Babelsberg wieder in einen attraktiveren Zustand gebracht werden Auch wenn der Bau und seine Architektur umstritten ist: er ist nun mal ein historisches Monument aus zwei Epochen der deutschen Geschichte. Hier ging zunächst Wilhelm I. zeitweise seinen Regierungsgeschäften nach und bestimmte mit seinem Kanzler Otto von Bismarck die deutsche Geschichte mit. Dann war ab 1952 der Park Babelsberg durch seine Lage an der Grenze von Sperren und später durch Mauern teilweise zerstört. Und das Schloss wurde wegen der Grenzlage und als Symbol des wilhelminischen Deutschlands bewusst vernachlässigt.
Auch wenn in Babelsberg bald viel gebaut wird, so lohnt doch immer ein Besuch des Parks. Bei einer Wanderung auf dem Berliner Mauerweg zwischen Griebnitzsee und Glienicke gehört dieser Abstecher unbedingt dazu. Denn es gibt in der Potsdamer Parklandschaft kaum ein anderes Gelände, das für einen erholsamen Spaziergang prädestinierter wäre. Und dazu den Blick auf die verworrene Grenze zwischen Berlin (West) und der ehemaligen DDR ermöglicht und Zeuge für mehrere Phasen der deutschen Geschichte ist. Und von hier gibt es einen einmaligen der Blick auf die Glienicker Brücke, die mit ihrem zweifarbigen Anstrich die Grenze in der Mitte des Havelstroms markiert.
Information über Schloss Babelsberg
Amtlicher Führer der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg: Park und Schloss Babelsberg. 3. Auflage 1999
Über Öffnungszeiten und Anreise informiert die SPSG auf ihrer Homepage.
