Das Schlüssel-Schloss-Prinzip: Bewerbungen erfolgreich verfassen

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip für Bewerbungen - Sigrun Hopfensperger
Das Schlüssel-Schloss-Prinzip für Bewerbungen - Sigrun Hopfensperger
Viele Bewerbungsschreiben bleiben ungelesen. Das Schlüssel-Schloss-Prinzip gibt Tipps, wie Bewerbungsschreiben wirklich bei den Unternehmen ankommen.

Wer sich beruflich neu orientieren möchte oder muss, kann häufig ein Lied davon singen, dass er zahlreiche Bewerbungsschreiben verschickt hat, hierauf aber keine Resonanz erfährt oder leider nur Absagen. Abgesehen davon, dass das Zusammenstellen und Versenden ansprechender Bewerbungsunterlagen mit einem hohen Kostenaufwand verbunden ist, ist es zudem auf die Dauer sehr frustrierend, wenn man keine positive Resonanz auf seine Bewerbungsschreiben erfährt und in vielen Fällen den Unternehmen noch nicht einmal eine persönliche Absage erhält. Ein Grund, warum das so ist, könnte darin zu sehen sein, dass viele Bewerbungsschreiben unglücklich konzipiert werden, so dass Unternehmen darin keine Veranlassung sehen, den Kandidaten zum persönlichen Kennenlernen einzuladen.

Bewerbungsratgeber und wie man sie erfolgreich einsetzt

Es gibt viele Bewerbungsratgeber, die einem Bewerber wertvolle Tipps zum Inhalt von Bewerbungsschreiben an die Hand geben oder auf einzuhaltende Normen hinweisen. Am erfolgreichsten setzt man Bewerbungsratgeber ein, indem man sie als Quelle der Inspiration versteht, aber vorgeschlagene Standardformulierungen nicht wörtlich übernimmt, sondern diese nur als Beispiel, wie man es machen könnte, versteht. Wenn ein Bewerbungsschreiben erfolgreich sein soll, wird es maßgeschneidert und individuell erstellt. Baut man sich ein Patchwork-Bewerbungsschreiben aus diversen Standardformulierungen zusammen, dann wird es auch genau so in den Unternehmen behandelt: als etwas oft Gelesenes, wenig Ansprechendes ohne erkennbare Persönlichkeit. Dann landet diese Bewerbung – in guter Gesellschaft mit vielen anderen – auf dem Ausschuss-Stapel.

Bewerbungsschreiben – was Unternehmen wirklich sehen wollen

Einer der häufigsten Fehler in Bewerbungsschreiben ist die Angabe, warum man diese Stelle haben möchte. Da fallen Bemerkungen wie: "Der Umgang mit Menschen macht mir großen Spaß", "Der Einsatz im IT-Bereich entspricht voll und ganz meinen Interessen" oder "Der Herausforderung des Stellenprofils möchte ich mich gerne stellen". Allerdings interessiert es kein Unternehmen wirklich, was der Bewerber möchte. Unternehmen suchen lediglich nach den geeignetsten Kandidaten für die ausgeschriebene Stelle. Und den Zuschlag wird jener bekommen, der am besten argumentieren und das Unternehmen davon überzeugen kann, dass er wie kein anderer in das Stellenprofil passt, nicht jener, der die Stelle gerne hätte.

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip für erfolgreiche Bewerbungsschreiben

Der Bewerbungskandidat muss zur ausgeschriebenen Stelle so exakt passen wie der Schlüssel zum Schloss. Aus diesem Grund erklären erfolgreiche Bewerbungsschreiben genau, wie sich die Fähigkeiten und Berufserfahrungen des Bewerbers passgenau in die Anforderungen des Stellenprofils einfügen. Das Stellenprofil ist das Schloss und die einzelnen Anforderungspunkte sind die Vertiefungen für den Schlüsselbart. Wie in einem echten Schloss fügt sich nur der passende Schlüssel ein, dessen Bart exakt so konzipiert ist, dass er in die Schlossvertiefungen passt. Schlüssel mit dem falschen Bart passen entweder gar nicht in das Schloss, oder sie können es nicht öffnen. Die Fähigkeiten und Berufserfahrungen des Bewerbers sind zunächst der Schlüssel-Rohling, der nun vom Feinmechaniker so zugeschliffen werden muss, dass die Bartzacken schlussendlich exakt ins Schloss passen. Wer schon einmal bei Mister Minit einen Schlüssel nachmachen ließ weiß, wie der Rohling geschliffen wird. Auf dieselbe Weise geht der Verfasser seines Bewerbungsschreibens vor.

Argumentieren – das Schleifen des Schlüsselbartes, damit er ins Stellenprofil-Schloss passt

Da eine Bewerbung sehr viel mit Werbung für sich selbst zu tun hat, muss das Schreiben nun dahingehend argumentieren, dass die Personalstelle des Unternehmens davon überzeugt ist, dass der Bewerber genau zum Stellenprofil passt. Selbst wenn man viele gute Fähigkeiten und Berufserfahrungen mitbringt, die einen am Ende sogar noch überqualifizieren würden, sie nützen nichts, wenn man sie nicht argumentativ auf das Angeforderte abstimmt. Personaler wollen sich nicht selbst die Mühe machen und entscheiden, ob bestimmte Qualifikationen zu den Anforderungen passen, sondern überzeugt werden, warum sie die richtigen sind. Diese Überzeugungsarbeit muss das Bewerbungsschreiben leisten. Eine Chefsekretärin, die jahrelang ihren Chef vor allem Stress bewahrt hat, könnte diese Fähigkeit argumentativ dort einfügen, wo in einer Stellenausschreibung eine stressresistente, belastungsfähige und im hohen Maß einsatzbereite Assistenz der Geschäftsführung gesucht wird. Diese Argumentation könnte dann folgendermaßen lauten:

"Da Sie eine stressresistente, belastungsfähige und im hohen Maße einsatzbereite Assistenz der Geschäftsführung suchen, werden Sie von meinen jahrelangen Erfahrungen als Chefsekretärin bei Herrn X in der Firma Y profitieren. Dort gehörte es zu meinen Aufgaben, Herrn X weitgehend zu entlasten, seine Termine zu koordinieren und im Rahmen seines Zeitmanagements nur Besucher und Anrufer mit hoher Prioritätsstufe weiterzuleiten. Diese Erfahrungen haben meinen Blick für das Wesentliche geschärft und können Ihnen von großem Nutzen sein."

Das dahinter stehende Prinzip ist von der Art einer Verkaufsargumentation: "Sie suchen ..." (Bedürfnis), "Ich biete Ihnen ..." (Lösung). Auf diese Art und Weise sollte man sich Gedanken darüber machen, wie die eigenen Fähigkeiten sich in die Stellenanforderungen einfügen lassen. Anschließend braucht man das Ganze nur noch in passende Sätze nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip verpacken und hat damit ein Bewerbungsschreiben verfasst, das die Personalabteilung davon überzeugen dürfte, sich den Kandidaten zumindest einmal persönlich anzusehen. Ob man anschließend die Stelle bekommt, hängt natürlich vom persönlichen Charisma ab. Zumindest scheitert man nicht schon ungeprüft an der ersten schriftlichen Hürde. Eine individuelle, genau auf die Bedürfnisse des einstellenden Unternehmens abgestimmte Bewerbung bietet vielleicht keine Garantien, eingeladen oder gar eingestellt zu werden. Auf jeden Fall aber landet ein Bewerbungsschreiben dieser Art nicht ungelesen auf dem Ausschussstapel, auf dem nur Bewerbungen mit dem Prädikat "völlig uninteressant, weil Allerweltsschreiben" liegen.

Sigrun Hopfensperger, Sigrun Hopfensperger

Sigrun Hopfensperger - Sigrun Hopfensperger - Kurzvita: geboren am 16. Juni 1967 in MünchenAuf dem Ersten Bildungsweg das Gymnasium bis zur 11. Klasse ...

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