
- Das Schmuckstück - Concorde Film
Sie ist einfach unverwüstlich, die letzte Diva Frankreichs. Catherine Deneuve, mittlerweile 67, die sich unter vielen Regie-Größen ihre fast schon unantastbare Position erarbeitet hat, kann sich die Rollen aussuchen und genießt in ihrem neuen Film "Das Schmuckstück" den komödiantischen Part. Nach "8 Frauen" ist es die zweite Zusammenarbeit mit Regisseur Francois Ozon. Er hat dafür ein Boulevard-Bühnenstück adaptiert.
"Das Schmuckstück" ist eine Gesellschaftssatire über die Emanzipation in den 70er Jahren
Catherine Deneuve verkörpert die Fabrikanten-Gattin Suzanne Pujol, die alles machen darf, nur nicht ihrem Mann Robert (Fabrice Luchini) ins Wort fallen, geschweige denn mitdenken. Wenn sie seine Meinung teilt, reicht das völlig. Der Fabrikant von Regenschirmen ist also ein trotteliger Macho-Typ und Choleriker dazu. Seine Frau hat die Rolle des "Schmuckstücks" inne und er ein Verhältnis mit Sekretärin Nadèje (Karin Viard). Im örtlichen Amüsier-Club "Badaboum" läßt er sich noch professionell bedienen. So amüsiert sich Suzanne beim täglichen Jogging mit dem Beobachten von Tieren im Park und schreibt Gedichte darüber.
Als Robert angesichts eines Streiks seiner Arbeiter ausflippt und einen Herzinfarkt erleidet, muß Suzanne ans Ruder. Sie übernimmt während seiner Rekonvaleszenz die Verhandlungen - im extravaganten Outfit - und einigt sich mit den Beschäftigten. Allmählich verwandelt sich "Das Schmuckstück" in eine lebendige, selbstbewußte Frau, die geschickt mit Menschen umzugehen versteht, das Unternehmen auf Erfolgskurs bringt und von den Arbeitern sogar respektiert wird. Sohn Laurent darf sich endlich um neue Design-Entwürfe kümmern und kreiert Kandinsky-Regenschirme. Farblich ist das übrige Schirm-Sortiment, dem 70er-Jahre-Zeitgeist entsprechend, grell-bunt abgestimmt. Und die erzkonservative Tochter Joelle (Judith Godrèche) mischt in der Geschäftsführung mit. Leider erfährt der Zuschauer kaum etwas über die betriebliche Zusammenarbeit der beiden.
"Das Schmuckstück" hat es ziemlich faustdick hinter den Ohren
Dafür erfährt er mehr über Susannes amouröse Vergangenheit. Peu à peu werden pikante Geheimnisse enthüllt. Da wäre der kommunistische Bürgermeister und Gewerkschafter Maurice Babin (Gèrard Depardieu), der für Suzanne bei Problemen in der Firma vermittelt. Als junger Pujol-Arbeiter half er der frisch-verheirateten Fabrikanten-Gattin bei einer Auto-Panne ... Und Suzannes Sohn Laurent sieht seinem Vater nicht unbedingt ähnlich. Da war doch mal etwas mit einem jungen Rechtsanwalt ...
Ihre Wandlung geht weiter: "Das Schmuckstück" wird Politikerin
Allmählich entwickelt sich Suzanne Pujol zur Vorzeige-Emanze. Als ihr Mann wieder fit die Firma betritt, spinnt er eine Intrige, um seine Frau aus der Geschäftsführung zu entfernen. Mit Erfolg - Tochter Joelle hilft ihm dabei. Das erschüttert Suzanne aber nicht im Geringsten. Sie beschließt in die Politik zu gehen und tritt gegen ihren alten Freund Maurice Babin bei den Parlamentswahlen an. Mit Entschlossenheit und Charme stürzt sie sich in den Wahlkampf, den sie schließlich gegen ihre alte Liebe gewinnt.
Francois Ozon spart nicht mit satirischen Anspielungen
Bei aller komödiantischer Leichtigkeit, in der "Das Schmuckstück" daherkommt, hat Francois Ozon einige satirische Anspielungen versteckt, die nach und nach hervorkommen. Ozon wäre nicht Ozon, wenn das nicht so wäre. Es sind Anspielungen auf das Rollenverständnis in Wirtschaft und Politik, die heute noch ziemlich kontrovers diskutiert werden. Robert Pujol als Figur kann man als Spitze gegen Staatspräsident Nikolas Sarkozy verstehen und seine Frau als eine zweite Sègolène Royal. Und Suzannes Bemühen um einen Ausgleich im Unternehmen als Gegenmodell zum heute grassierenden Turbokapitalismus - symbolhaft mit den neuen Regenschirmen als Schutz.
Wie immer man "Das Schmuckstück" interpretieren kann und will, Francois Ozon hat ständig einen roten Teppich für Catherine Deneuve ausgerollt. Der Film ist eine Hommage an den großen französischen Star. Höhepunkt: Suzanne alias Catherine Deneuve nach ihrem Wahlsieg als Chanson-Sängerin mit dem Jean-Ferrat-Stück "C'est beau la vie", umhüllt von einem hellen Lichtspot.
Nicht zu vergessen die charmante Tanzeinlage von Deneuve/Depardieu zu einem Baccara-Lied im Etablisment "Badaboum". Disco-Klänge waren bekanntlich in den 70er Jahren äußerst beliebt.
"Das Schmuckstück"
Frankreich 2010
Regie: Francois Ozon
Buch: Francois Ozon, Pierre Barillet, Jean-Pierre Grèdy
Kamera: Yorick Le Saux
Produktion: Eric und Nicolas Altmeyer
Darsteller; Catherine Deneuve, Fabrice Luchini, Gèrard Depardieu, Jèrèmie Renier, Judith Godrèche, Karin Viard
Quellen:
- The Internet Movie Database: Catherine Deneuve
- Filmstarts.de: "Das Schmuckstück"
- Pressezugang Concorde Filmverleih
