Das Schnabeltier - kein Fabelwesen

Schnabeltier - David Watts
Schnabeltier - David Watts
Eierlegende Säugetiere, die aussehen, wie ein Biber mit Entenschnabel, sind eine interessante Urform der Säugetiere, "lebende Fossile".

Darwin stimmte bei seiner Reise mit der Beagle der Anblick von Schnabeltieren so nachdenklich, dass er 1836 in einem Tagebucheintrag darüber grübelte, ob in Australien und dem Rest der Welt nicht »zwei verschiedene Schöpfer am Werk gewesen« seien ( "A disbeliever in anything beyond his own reason, might exclaim: Surely two distinct creators must have been at work.” ) .

Das Schnabeltier (Ornithorhynchus), ein eierlegendes Säugetier

Das Schnabeltier ist eine der fünf Säugetierarten, die sowohl Eier legen als auch ihre Jungen säugen. Sie gehören zu der Ordnung Kloakentiere (Monotremata). Das Schnabeltier legt zwei Eier ins Nest, bebrütet sie für etwa 14 Tage und die schlüpfenden Jungen werden dann noch über die Milchdrüsen, welche die Milch ins Bauchfell abgeben, ernährt. Das Junge hat noch nicht den für Säugetiere typischen Saugreflex, sondern es leckt die Milch von den Haarbüscheln. Seit Millionen an Jahren hat sich diese Vorgangsweise für das Schnabeltier bewährt. (Stichwort: lebendes Fossil)

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Eierlegende Ursäuger (Prototheria)
  • Ordnung: Kloakentiere oder Eierleger (Monotremata)
  • Familie: Schnabelsäuger (Ornithorhynchidae)
  • Art: Schnabeltier (Ornithorhynchus)

Aussehen und Lebensweise des Schnabeltiers

Kopf- und Körperlänge: 30 bis 45 cm, Gewicht: von 0,5 bis 2 kg. Das Schnabeltier hat kurze gedrungene Beine, die Füße besitzen Schwimmhäute, die über die Krallen hinaus gehen. Beim Gang an Land kann die Schwimmhaut eingezogen werden. Das dichte dunkelbraune Fell ist sehr fein, auf der Bauchseite gelbbraun gefärbt. Die Augen sind klein und zum Schutz kann eine Nickhaut (eine zarte Augenfalte, die fast durchsichtig ist) über sie gezogen werden. Ihre Körpertemperatur liegt bei 25 – 30 °.

Mit seinen scharfen Krallen baut es sich in Ufernähe Erdbaue, die 4 – 10 m langen Gänge führen zum eigentlichen Nest, das mit Laub ausgepolstert wird. Das Schnabeltier ist vorwiegend in der Dämmerung unterwegs. Das Schnabeltier lebt paarweise, wobei aber Männchen während der Aufzucht der Jungen in einem getrennten Bau leben. Paarungszeit ist Juli bis Oktober, für die Kinderstube baut das Weibchen ein eigenes Nest. Von der Befruchtung dauert es etwa 14 Tage bis zur Eiablage, 10 Tage folgen zur Bebrütung. Das Junge arbeitet sich mit Hilfe des Eizahns, wie Vögel oder Reptilien, aus dem Ei heraus. Das Geburtsgewicht der Jungen liegt bei 3 g. Mit etwa vier Monaten verlassen die Jungen erstmals den Bau und gehen ab da mit den Eltern auf Nahrungssuche. Mit 2 ½ Jahren sind sie geschlechtsreif und verlassen den elterlichen Bau. Etwa 10 Jahre alt wird ein Schnabeltier in seinem natürlichen Lebensraum.

Auf welchem Kontinent gibt es Schnabeltiere? Wo lebt es?

Es lebt an Bächen und Flüssen in Tasmanien und im Südosten von Australien in Wald- und Buschlandschaften. Das Schnabeltier verschließt beim Schwimmen seine Augen (Nickhaut), Ohren und Nasenlöcher und schraubt sich wie ein Propeller mit seinen Vorderfüßen vorwärts. Mit den Hinterfüßen bremst und steuert es.

Sein Schnabel ist auf das Tasten und Wahrnehmen der elektrischen Felder seiner Beute auf dem schlammigen dunklen Flussgrund spezialisiert. Er ist mit Sensoren, so genannten Elektrorezeptoren, ausgestattet. Sie reagieren auf elektrische Felder im Wasser, die von der Beute erzeugt werden. Wie eine Antenne nimmt der Schnabel des Schnabeltiers die Richtung elektrischer Signale anderer Tiere auf. Sie entstehen durch das Anspannen von Muskeln, wenn ein Tier aufgescheucht wird und die Flucht ergreift. Dazu bewegt das Schnabeltier seinen Schnabel suchend hin und her, um möglichst genau den Ursprung der Signale zu bestimmen. Da es keine Zähne hat, zerquetscht es seine Beute mit den beiden Schnabelplatten.

Das Schnabeltier ernährt sich hauptsächlich von wirbellosen Tieren, die es sogar unter Steinen ertasten kann; Krabben, Garnelen, Larven von Wasserinsekten, Schnecken, Kaulquappen, Würmer und sogar kleine Fische. Video Schnabeltier

Die historische Entdeckung des Schnabeltiers

Der erste Bericht stammt von Oberstleutnant David Collins, der 1797 an den Ufern eines Sees in der Nähe des Hawkesbury Rivers in Neusüdwales (Australien) glaubte einen amphibisch lebenden „Maulwurf“ zu beobachten. (1802 »Account of the English Colony in New South Wales«). Man war skeptisch. 1798 tauchte der erste präparierte Balg dieses Tieres auf; man dachte damals sogar an einen üblen Scherz des Präparators.

  • Das Tier hat eindeutig einen Schnabel – also ist es ein Vogel.
  • Das Tier hat eindeutig einen Biber-ähnlichen Schwanz und das Fell eines Maulwurfs oder Otters – also ist es ein Säugetier.
  • Das Tier legt angeblich Eier – also ist es vermutlich ein Reptil.
  • Das Tier hat sogar einen Giftstachel – was ist es also?

Als geklärt war, dass dieses Tier wirklich so interessant gebaut ist, machte sich die damals übliche überhebliche Einstellung der Europäer breit: Zoologie wurde wie der Naturhistoriker Wendt (1956) pointiert bemerkte: von den damaligen Naturforschern vor allem mit der Flinte betrieben.

"Allein der Forscher Caldwell soll mit seinen 150 einheimischen Helfern einige hundert Schnabeltiere erlegt haben, bis es ihm am 24. August 1884 endlich gelang, das entscheidende Weibchen zu finden, das gerade eindeutig ein Ei gelegt hatte" (Georg Menting). Tausende von Schnabeltieren mussten ihr Leben lassen, weil man zu arrogant war die Aborigines, Untermenschen in der damaligen Überzeugung, um ihre Erfahrung mit den Tieren zu befragen.

Rätsel um das Schnabeltier gibt es noch bis heute

Über den Sporn des Schnabeltieres und seinen Sinn weiß man bis heute wenig. Das in ihm enthaltene Gift kann sogar einen Hund töten. Der hohle Stachel ist mit einer Drüse am Oberschenkel verbunden, die das Gift absondert. Bei den Weibchen ist der Giftsporn verkümmert.

Noch immer – vor kurzem wurde das Genom der Schnabeltiere entschlüsselt und die Nähe zu den Reptilien bestätigt – wirft das Schnabeltier und sein Verwandter, der Ameisenigel, mehr Fragen in Bezug auf die Evolution auf, als es beantwortet. Deshalb gilt das Schnabeltier aus guten Gründen seit seiner Entdeckung als »Alptraum der Zoologen«.

Das Schnabeltier - ein lebendes Fossil?

In seinem 1859 erschienenen "Von der Entstehung der Arten" erwähnte Charles Darwin bestimmte, sehr ursprüngliche Lebensformen: "These anomalous forms may almost be called living fossils" - welche man also "fast als lebende Fossilien bezeichnen könnte". Das neuseeländische Schnabeltier aus der Gruppe der eierlegenden Säugetiere ist so ein markantes Beispiel eines ganz paradoxen biologischen Phänomens.

"Lebende" Fossilien deshalb, weil sie Merkmale zeigen, die ein ursprüngliches Entwicklungsniveau repräsentieren, das die Säugetiere in der Zeit des Mesozoikums einmal durchlaufen haben müssen, das sich bei ihnen speziell aber nie geändert hat, weil es sich für die Art bewährt hat.

Lesetipp: ein weiteres Tier aus der Ordnung der Monotremata: Der Ameisen- oder Schnabeligel

Quellen:

  • Bertelsmann Lexikon der Tiere
  • Lebende Fossilien, Einleitungsartikel von V. Fahlbusch
  • Evolution ist eine Tatsache, das Schnabeltier existiert , Georg Menting, Lippstadt
  • Bildnachweis: idw.online.de; © Dave Watts
Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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