Das Schulsystem in Spanien

Auswandern mit Kindern

Auswandern nach Spanien beinhaltet für Familien die Schulfrage. Wie sieht das Schulsystem in Spanien aus, überfordere ich mein Kind und welche Möglichkeiten hat es?

Wer sich mit minderjährigen Kindern an die Idee „Auswandern nach Spanien“ herantastet, für den stellt sich automatisch die Frage: „Wo sollen die Kinder unterrichtet werden und welches Schulsystem erwartet mich dort?“

Zunächst ist die neue Fremdsprache eine Hürde, die allerdings von Kindern erstaunlich schnell gemeistert wird. Dabei gilt, je jünger das Kind, umso einfacher ist der Wechsel. Kinder haben glücklicherweise die beneidenswerte Eigenschaft, eine Sprache wie ein Schwamm aufzusaugen und sie ohne viele Gedanken über Grammatik spielerisch und intuitiv zu lernen. Anfangs empfiehlt es sich, sie mit Privatstunden zu unterstützen.

Ab wann geht man in Spanien in die Schule?

Die Schulpflicht besteht in Spanien für Kinder von 6 bis 16 Jahren. Danach sind der Besuch der Schule und die Wahl des Abschlusses dem Willen und Ehrgeiz des Einzelnen überlassen. Im Gegensatz zu Deutschland beginnt das staatliche Schulwesen mit dem dritten Lebensjahr. Es gibt keine Kindergärten, sondern die Kinder können, müssen aber nicht, ab 3 Jahren die sogenannte Vorschule besuchen. Die Vorschule ist Teil des staatlichen Schulsystems und deshalb auch kostenlos. Wer arbeitet und Betreuung für Kleinkinder braucht, kann Kinderkrippen in Anspruch nehmen, die es in fast jedem Dorf gibt. Diese Dienste sind allerdings privat und müssen gezahlt werden. In Spanien gibt es übrigens keinen Stichtag, der die Schultauglichkeit bescheinigt, sondern alle Kinder, die im laufenden Jahr sechs Jahre alt werden, werden eingeschult.

Das spanische Schulsystem

Das spanische Schulsystem kann am ehesten mit dem deutschen Konzept der Gesamtschule verglichen werden. Ab drei Jahren beginnt man in Spanien mit der Vorschule. Danach schließen sich Grundschule, Oberstufe und Abitur an. Wer nach dem Abitur studieren möchte, legt eine zusätzliche Prüfung an der Universität ab. Beide Noten, die des Abiturs und der Uni-Prüfung, ergeben die Durchschnittsnote. Je nach Nachfrage wird die Anzahl der Studenten in den verschiedenen Studienfächern durch einen Numerus Clausus geregelt.

  • Vorschule

Die Vorschule ist die erste Etappe der Schulkarriere. Dort wird vor allem gespielt, aber trotzdem werden die Kinder von Anfang an darauf vorbereitet, dass es Unterrichtsstunden gibt, in denen man Regeln befolgen, aufmerksam sein und etwas „arbeiten“ muss. Deshalb können die Erstklässler in Spanien bei der Einschulung meist bereits lesen, die Zahlen schreiben und einfache Rechenaufgaben. Auch die erste Begegnung mit der englischen Sprache findet in diesem Alter bereits statt.

  • Grundschule

Danach beginnt der Schulalltag mit der Grundschule, die die Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse begleitet. Dort werden die normalen Fächer mit besonderer Betonung der Hauptfächer, Spanisch und Mathematik unterrichtet. Daneben gibt es Sport, Musik, Religion, Englisch ab der ersten Klasse sowie ein Fach, das man mit der deutschen Heimat- und Sachkunde vergleichen kann und das gemischte Themenbereiche abdeckt. Ab der fünften Klasse kommt eine zweite Sprache, meist Französisch, hinzu. An manchen Schulen wird auch Deutsch als zweite Fremdsprache angeboten.

  • Oberstufe

Mit dem Einstieg in die siebte Klasse beginnt die Oberstufe, die in eigenen Schulkomplexen untergebracht ist. Während Grundschulen fast in jedem Dorf zu finden sind, sind Oberstufen meist in den nächst größeren Gemeinden ansässig. Die Oberstufe endet mit dem Abschluss der zehnten Klasse, der in etwa mit dem Realschulabschluss vergleichbar ist. Wer möchte, kann dann arbeiten gehen oder weiterführende berufsbildende Kurse besuchen, die Theorie und Praktika verbinden. Es stehen Mittelkurse und danach noch Aufbaukurse zur Auswahl.

Abitur

Wer allerdings studieren möchte, besucht die zweijährigen Abiturklassen an den Oberschulen. Dort entscheidet der Schüler seine künftige Richtung und wählt den humanistischen oder wissenschaftlichen Zweig. In größeren Städten stehen manchmal auch weitere Alternativen, wie Kunst zur Verfügung. Nach Abschluss der zwölften Klasse legen die Jugendlichen das Abitur ab. Wer danach studieren möchte, muss eine zusätzliche Aufnahmeprüfung an der nächsten Universität bestehen, die zusammen mit der Abiturnote die Durchschnittsnote ergibt.

Das spanische Abitur wird auch in Deutschland anerkannt. Allerdings kann es je nach Bundesland zu einigen Abzügen in der Bewertung kommen.

Benotung in Spanien

Das Benotungssystem in Spanien geht von Eins bis Zehn, wobei Zehn die Bestnote ist. Alle Noten unter Fünf gelten als durchgefallen. Noten von Fünf bis Sieben sind gutes Mittelfeld. Darüber werden die Leistungen als gut bis sehr gut anerkannt.

Zeugnisse gibt es in Spanien an Weihnachten, vor Ostern und vor den fast dreimonatigen Sommerferien. Auf diese Weise haben Eltern und Schüler während des ganzen Jahres einen möglichst guten Überblick über den Leistungsstand mit all seinen Schwächen und Stärken.

Die Endnote wird aus verschiedenen Faktoren zusammengesetzt. Es fließen die Noten der Prüfungen, aber genauso das Verhalten im Unterricht, soziales Verhalten, die Erledigung der Hausaufgaben oder die Heftführung mit ein. Außerdem werden persönliche Verbesserungen honoriert, die sich nicht nur an der Note, sondern auch an dem persönlichen Willen und Engagement des Schülers orientieren. So haben auch Schüler eine Chance, denen der Unterricht schwer fällt, sich aber dennoch innerhalb ihrer persönlichen Möglichkeiten verbessern.

Ferien in Spanien

Die Schulferien sind in allen spanischen Provinzen gleich. An Weihnachten und Ostern wird eine Woche gewährt. An Karneval ist bis nach Aschermittwoch schulfrei und dazwischen gibt es sogenannte Brückentage, die je nach Fall der Feiertage ein verlängertes Wochenende ergeben. Letztere sind in den verschiedenen Provinzen unterschiedlich. Die langen Sommerferien beginnen um den 20. Juni und enden für die Grundschule in der ersten, für die Oberstufe in der zweiten Septemberwoche.

Schülerbeihilfen in Spanien

In Spanien herrscht keine generelle Lehrmittelfreiheit. Das heißt, die Schulbücher müssen von den Eltern gekauft werden. Zu deren Finanzierung kann man Zuschüsse beantragen. An manchen Schulen sind mittlerweile Schulbücher angeschafft worden, die man sich ausleihen kann.

Ab den Abiturklassen können die Jugendlichen eine Studienbeihilfe beantragen, die ihnen je nach Einkommen der Eltern gewährt wird.

Fazit

Wer nach Spanien auswandert, kann mit einem gut organisierten Schulsystem rechnen, das anders als das Deutsche, aber nicht schlechter ist. Außerdem haben die Kinder durch die Zweisprachigkeit in der Regel von Haus aus einen Vorteil gegenüber Gleichaltrigen, der ihnen später Wege ebnen kann.

Sabine Virgin, Sabine Virgin

Sabine Virgin - Ich bin eine sogenannte Quereinsteigerin, die nach Berufserfahrung in den Bereichen Verkaufsleitung, Marketing und Projektmanagement sowie ...

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