
- Kindsmissbrauch - Leres2010
Eigentlich ist es erstaunlich und stimmt einen nachdenklich, wenn man erwägt, dass wohl das größte Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte- und Sozialpolitik einfach unter dem Deckel des Schweigens verschwindet. Aber zum Glück brodelt es schon seit längerer Zeit unter dem Deckel, und irgendwann läuft es über. Die Rede ist von sexueller Kindesmisshandlung in katholischen Institutionen.
Das größte Verbrechen der Nachkriegszeit
Die führenden Politiker und Parteien in Deutschland sind scheinbar mit der Situation völlig überfordert. Ebenfalls auch die „scheinheiligen Hoheiten“ der beiden deutschen Amtskirchen. Denn sie alle sind verantwortlich für die Kinder und Jugendlichen der Nachkriegsjahre, welche während Jahren in katholischen Heimen und Schulen unfassbaren Leid ausgesetzt waren: sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung, Misshandlung, Missbrauch, Zwangsarbeit, Folterung und grenzenlose Demütigung.
Zum Glück sind viele der Opfer bereit und motiviert, über ihre Leidensgeschichten zu reden, öffentliches Unrechtsbewusstsein zu fordern und ihre Rechte geltend zu machen. In den katholischen Schulen und Heimen wurden während der Nachkriegszeit die Menschenrechte und die Würde der Opfer mit Füssen getreten; ganz nach der Anleitung der Nationalsozialisten. Heute werden jeden Tag neue Fälle von brutalster Kindesmisshandlungen an deutschen Internaten bekannt. Und die Dunkelziffer wird leider noch viele höher sein, da sich immer noch viele Opfer schämen, wie ihre wehrloser Körper von pädophilen Kranken für ihr Vergnügen benutz wurden.
Hat die Politik versagt?
Warum tut man sich in Deutschland so schwer? Warum wird alles verleugnet? Warum schweigen alle, und niemand will etwas gesehen haben? Und dies im 21. Jahrhundert. Ist die Politik, wie die Kirche auch, im Mittelalter stehen geblieben? Antworten darauf zu finden, ist nicht so einfach. Es hat schon fast den Anschein, dass zuerst wieder das Ausland auf die Misshandlungen vergangener Jahre aufmerksam machen muss. Wenigstens haben jetzt Radio, TV und nationale Medien angefangen, darüber zu berichten. Die Politiker, die Kirchenvertreter und die Gesellschaft als Ganzes schweigen allerdings weiterhin. Und mit einer Entschuldigung macht es sich Papst Benedikt XVI sehr einfach, das jahrelange Leid von Tausenden von Kindern wieder gut zumachen.
Hatten die ehemaligen Bediensteten in den katholischen Heimen und Schulen Angst um berufliche Zukunftschanchen, oder wurden sie bereits mit äußerster Brutalität von ihren Vorgesetzten zum Schweigen gebracht? Warum schweigen Ärzte, Studenten, Kollegen, Lehrpersonen, junge Novizen und Priester der Orden? Alle sahen die Wunden, die Eiterbeulen, die Striemen, die geschwollenen Gesichter, welche durch brutale Schläge verursacht wurden. Täglich blickten sie in die blutunterlaufenen Kinderaugen. Es ist recht beschämend, dass ein fortgeschrittenes Land wie Deutschland eine 60 Jahre lange Lücke in der Heim-Pädagogik aufweisen muss.
Geht es aber um Missstände mit dem Ausland, wird eiligst das Mäntelchen des politischen Gutmenschen übergestreift um sich dementsprechend zu profilieren. Auch die Medien werden nicht müde, um über Kinderzwangsarbeit, Kinderfolterung und sexuellen Missbrauch zu berichten. Während im Kino „Grün ist die Heide“ lief, waren Hunderttausende Kinder wehrlos einem Terror-Regime von fanatischen Religiösen ausgesetzt. Dies ist kein Szenario aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern dies sind Zustände in der heutigen Zeit. Sehr bedenklich.
Es stellt sich eigentlich die Frage, ob eine Institution wie die katholische Kirche überhaupt noch glaubwürdig ist. Alles, aber auch wirklich alles, was die Kirche ihren Anhängern predigt, halten die Verantwortlichen selbst nicht ein. Außer den Leitsatz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, den haben gewisse Ordensvertreter wohl etwas zu wörtlich genommen. In naher Zukunft kann man eigentlich nur hoffen, dass die Vertreter der katholischen Kirche ihr eisernes Schweigen brechen und nicht sich nicht hinter ihrem heuchlerischen Kreuz verstecken.
