
- Sparschein - André Maßmann
Sparen ist gut. Das wissen auch die Bundesbürger und legen entsprechend ihrer Möglichkeiten den einen oder anderen Euro auf die hohe Kante. 2010 ergab sich eine Sparquote von 11,5 Prozent. Ein Wert, der sich sehen lassen kann, insbesondere mit Blick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Zahl verrät allerdings nicht, wie die Deutschen ihr Geld sparen. Die Antwort darauf liefern Dutzende Umfragen von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften. Auf den vorderen Plätzen, wenn nicht sogar als Spitzenreiter, findet sich dabei immer wieder das Sparbuch.
500 Milliarden Euro schlummern auf Sparbüchern
Untermauert werden die Umfrage-Ergebnisse durch die Zahlen der Bundesbank. Demnach horten die Deutschen fast 500 Milliarden Euro auf Sparbüchern oder Sparcards und zahlen fleißig weiter ein. Einer Studie der Skandia Lebensversicherung vom März 2011 zufolge werden monatlich im Schnitt 44,47 Euro aufs Sparbuch gebracht. In die Rentenversicherung fließen hingegen nur 43,75 Euro. Wenngleich sich daraus noch keine Anlagestrategie ableiten lässt, spiegeln die Daten zumindest einen klaren Trend wider: die Vorliebe der Deutschen für den Klassiker der Geldanlage.
Das Einlagebuch gibt den Startschuss zur Erfolgsgeschichte
Die Erfolgsgeschichte beginnt bereits im frühen 19. Jahrhundert. Das erste Sparbuch in Zentraleuropa wurde in Österreich entwickelt. „Einlagebuch“ nannte sich das Produkt der „Ersten Oesterreichischen Spar-Casse“, das ausschließlich an Kinder im Alter von zwölf bis 15 Jahren ausgegeben wurde, mit einem Startguthaben – wie es heute beim Tagesgeld und Girokonto wieder genutzt wird, um Neukunden zu gewinnen – von zehn Gulden. Zugriff auf das Kapital samt Zinsen hatten die Inhaber seinerzeit erst mit dem 20. Lebensjahr.
Sparcard – die moderne Variante des Sparbuchs
Das Sparbuch hat im Laufe der Jahre zwar einen Wandel durchlaufen und wird inzwischen vornehmlich als Sparcard ausgegeben. Das Prinzip ist aber nach wie vor gleich: Wer Geld spart, wird mit Zinsen belohnt. Mit dieser Idee sind schon Kinder vertraut. Schließlich ist das Sparbuch in der Regel das erste Anlageprodukt, das ein Mensch nutzt. Dementsprechend sind die meisten Banken durchaus bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, um die jungen Kunden möglichst früh und lange an sich zu binden: mit einem Spielzeug zur Eröffnung des Sparbuchs, einem Geschenk am Weltspartag und häufig sogar deutlich höheren Zinsen. Für die Jungen und Mädchen ist es dann immer wieder spannend zu sehen, wie sich das Guthaben vermehrt.
Schlecht verzinste Geldanlage
Dieses Gefühl scheint auch bei Erwachsenen immer noch tief verwurzelt zu sein. Anders lassen sich die enormen Spareinlagen auf schlecht verzinsten Sparbüchern nicht erklären. Hinzu kommen das Vertrauen in die Sicherheit des Klassikers, Zweifel an Geldanlagen, die man nicht in Händen halten kann, und Angst vor allem, was mit Börse, Spekulation und Risiken zu tun hat. In gewisser Hinsicht ist diese Treue zum Sparbuch durchaus zu verstehen. Niemand möchte Geld verlieren. Doch genau das passiert: Auf dem Papier mag sich der Betrag nicht verändern. In puncto Kaufkraft schrumpft das Guthaben aber immer weiter in sich zusammen. Denn: Die Inflation schlägt gnadenlos zu. Ausgehend von einer Inflation von 2,00 Prozent und einer Guthabenverzinsung von 0,75 Prozent p.a., bleibt unter dem Strich ein Verlust von 1,25 Prozent, der sich durch die Abgeltungssteuer möglicherweise noch erhöht. Experten sprechen in dem Zusammenhang von Brutto- und Nettorendite.
Alternative: Tagesgeld
Hier zeigt sich die eigentliche Schwäche des Sparbuchs: die Verzinsung. Sie kann mit modernen Anlageformen nicht mithalten. Eine Ausnahme bilden Sonderkonditionen, die oft nur Kindern und nur bis zu einer Summe x eingeräumt werden. Sparern und Anlegern, die einen sicheren Parkplatz für ihr Geld suchen, raten selbst die Verbraucherzentralen mittlerweile zum Tagesgeldkonto. Tagesgeld wird deutlich höher verzinst, zumindest bei den Direktbanken. Zudem ist das Geld jederzeit und ohne Einschränkung verfügbar, während beim Sparbuch Vorfälligkeits- und damit quasi Strafzinsen drohen, wenn monatlich mehr als 2.000 Euro abgehoben werden. Der Wechsel vom Sparbuch zum Tagesgeldkonto ist relativ einfach. Wer dem Internet nicht traut, sollte sich für eines der Angebote entscheiden, die neben dem reinen Onlinebanking auch Transaktionen per Telefon oder Brief erlauben.
