Sportflugzeug Udet U 10 im Deutschen Technikmuseum Berlin

Die Udet U 10 im Deutschen Technikmuseum Berlin - Harald Rossa
Die Udet U 10 im Deutschen Technikmuseum Berlin - Harald Rossa
Ernst Udet, Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, gründete 1922 einen Flugzeugbau und konstruierte den Tiefdecker U 10. Ein Exemplar wurde nun rekonstruiert.

Im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) gibt es ein neues und außergewöhnliches Exponat: der weltweit einzige Sporttiefdecker Udet U 10. Nach sehr aufwändiger und zeitintensiver Recherche und Rekonstruktionsarbeit ist er nun in der Sammlung zu sehen. Seine Tragflächen stammen vom Original. Er ist mit einem zeitgenössischen Motor ausgerüstet. Der Rumpf mit Fahrwerk und Leitwerk wurden nach historischen Vorlagen rekonstruiert. Das Flugzeug ergänzt in der Luftfahrtausstellung die Sammlung zur Geschichte der Sportluftfahrt vor dem Zweiten Weltkrieg.

Zur Person Ernst Udet

Ernst Udet gehörte zu den bekanntesten Jagdfliegern des Ersten Weltkriegs. Er hatte nach Manfred von Richthofen die zweithöchste Zahl von Abschüssen aller deutschen Jagdflieger erzielt. 1922 machte er sich als Konstrukteur selbstständig und erregte als Kunstflieger beachtliches Aufsehen. Ab 1935 war er im Reichsluftfahrtministerium für die technische Ausrüstung der Luftwaffe zuständig. Ab 1939 war er im Rang eines Generalobersten der Generalluftzeugmeister. Wegen Problemen in seiner Dienststelle geriet er in heftige Auseinadersetzungen seinem Minister Herrmann Göring. Dies führte schließlich dazu, dass er am 17. November 1941 den Freitod wählte.

Die Firma Udet-Flugzeugbau

1922 gründete Ernst Udet mit der Unterstützung eines amerikanischen Geldgebers die Udet-Flugzeugbau GmbH in München-Ramersdorf. Bis 1926 entwarf die Firma eine Reihe von Sport-, Reise- und Schulflugzeugen. Auch ein Verkehrsflugzeug U 11 und ein Seeaufklärer U 13 wurden entwickelt. Von beiden wurde jedoch nur jeweils ein Muster gebaut. 1926 ging das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen Udet-Flugzeugbau in den Bayerischen Flugzeug-Werken auf.

Die Udet U 10

Die Udet U 10 wurde 1924 als zweisitziges Sport- und Reiseflugzeug entwickelt. Es wurde in einer Kleinserie von mindestens 8 Exemplaren gebaut. Das Modell überzeugte trotz schwacher Motorisierung durch gute Flugleistungen. Durch die Teilnahme an Wettbewerben wie dem Zugspitzflug 1925 wurde das Flugzeug schnell bekannt. Aber nicht eine dieser Maschinen ist vollständig erhalten geblieben.

Das Sportflugzeug Udet U 10 entstand 1924. Es war eine Weiterentwicklung der Udet U 6. Rumpf und Tragflächen waren in Holzbauweise ausgeführt. Die Auslegung als freitragender Tiefdecker mit hintereinander liegenden, offenen Sitzen machte trotz geringer Motorleistung gute Flugleistungen möglich.

Die Tragflächen der für das Deutsche Technikmuseum Berlin rekonstruierten Udet U 10 stammen von der Maschine mit der Kennung D 452. Dieses Flugzeug war 1924 beim Udet-Flugzeugbau gebaut worden und hatte in den 1920er Jahren verschiedene Halter. Darunter war auch Ernst Udet selbst. 1929 verlor sich ihre Spur der Maschine.

Erst 1972 tauchten die Tragflächen im Armeemuseum Dresden wieder auf. In den 1990er Jahren kamen sie im Rahmen eines Tauschprogramms in das Deutsche Technikmuseum Berlin. Das bemühte sich nun um weitere originale Teile für diesen Flugzeugtyp. 2004 wurde in Argentinien ein passender Flugmotor des Typs Siemens & Halske SH 4 erworben.

2005 wurde mit der Rekonstruktion der fehlenden Teile der Udet U 10 begonnen. Die wurden nach den Originalunterlagen, die im Zuge jahrelanger Recherchen aufgetrieben wurden, angefertigt und bemalt. Mit der Rekonstruktion des Flugzeuges D 452 vom Udet U 10 unter Verwendung originaler Teile ist es nun im Deutschen Technikmuseum möglich, einen Einblick in die Bauweise der Flugzeuge der Udet-Flugzeugbau GmbH zu gewinnen. Die Arbeiten nahmen rund 5 Jahre in Anspruch.

Die Daten der Udet U 10

  • Hersteller: Udet-Flugzeugbau GmbH, München-Ramersdorf
  • Verwendungszweck: Schul- und Sportflugzeug
  • Baujahr: 1924
  • Motor: Siemens & Halske SH 4 (55 PS/40,45 kW)
  • Besatzung/Passagiere: 1 Pilot/1 Passagier
  • Länge: 5,90 Meter
  • Spannweite: 10,60 Meter
  • Leergewicht: 300 kg
  • Fluggewicht: 520 kg
  • Produzierte Exemplare der U 10: 8 Stück
  • Erhaltene Teile: Tragflächen der D 452 und Motor