Das Städteporträt - Schweizer Rheinfelden am Hochrhein nahe Basel

Die Rheinfelder St. Anna Skulptur - Thomas Peter
Die Rheinfelder St. Anna Skulptur - Thomas Peter
Rheinfelden liegt am Hochrhein nahe Basel beidseits des Rheins. Die Stadt hat eine lange Tradition und die mittelalterliche Altstadt ist einen Besuch wert.

Es geht gleich los mit den Legenden und Geschichten, sobald man von der badischen Seite her einen Fuß auf die steinerne Brücke setzt, die dank der neuen Autobahnüberquerung inzwischen Autofreiheit genießt. Nach dem ersten Brückenpfeiler beginnt das sogenannte »St. Anna Loch«, eine über dreißig Meter tiefe tektonische Verwerfung im Flussbett mit starken Wirbelbildungen. Nach der Sage wurde die Stadt einst von den Hunnen angegriffen. Bei der Belagerung ließ die Burgherrin Anna alle Wertgegenstände, so auch die goldene Glocke der Burgkapelle in den Rhein werfen. Zur Rache wurde sie in den Fluss, in die Untiefe hinein geworfen. Wenn später jemand hier ertrank sagte man: »Anna hat ihn zu sich genommen.« Entsprechend findet man unten am Ufer auf der deutschen Seite eine Brunnen-Skulptur mit einer amphibischen Anna, die ein ertrunkenes Kind in den Armen hält. Die nächste Station ist das »Inseli« auf das der erste Brückenteil jetzt mündet. Um das Jahr 930 ließ sich dort eine Familie aus dem burgundischen Hochadel nieder. Diese späteren Grafen von Rheinfelden erbauten dort eine Burg, den »Stein zu Rheinfelden.« Zusätzlich zu ihren linksrheinischen Besitzungen in Rheinfelden erhielten sie auch das rechtsrheinische Gebiet als Lehen vom deutschen Kaiser.

Eine Holzbrücke verband die beiden Rheinfelden

Zunächst waren beide Gebiete mit Fähren verbunden. Schließlich wurde eine Holzbrücke erbaut, die zum linken Rheinufer hin durch die Burg, zum rechten Rheinufer hin durch einen zusätzlichen Turm befestigt war. Dadurch wurde die Brücke optimal gegen Angreifer geschützt und im Notfall konnte sie durch Abwerfen der letzten Brückenteile für den Feind unbrauchbar gemacht werden. Von der Burganlage ist heute kaum mehr etwas zu sehen. Lediglich ein kleiner, von Pflanzen überwucherter Rest der ehemaligen Stützmauer am südöstlichen Teil der Insel erinnert an die alte Wehranlage. An Stelle der Burg wurde um 1900 ein Park auf dem "Inseli" angelegt. Spaziert man zum Ufer hinunter, kann man den Rest der Vorgängerbrücke sehen, die 1897 einem Brand zum Opfer fiel. Hier unten hat sich ein kleiner Strand gebildet, an dem im Sommer gerne gebadet wird. Weiter geht es jetzt auf dem zweiten Brückenabschnitt zum schweizer Ufer und direkt in die halbkreisförmig angelegte historische Altstadt. Der östliche und der südliche Teil der Stadtmauer ist mitsamt Wehrgang und Türmen noch vollständig erhalten. Man spaziert nun die Marktgasse entlang und kommt linkerhand am Rathaus vorbei, das nach einem Brand im Jahr 1531 im Barockstil neu erbaut wurde.

Die Uhr des Obertorturms in Rheinfelden geht immer sieben Minuten vor

Am Ende der Straße liegt der Albrechtsplatz mit dem Brunnen in der Mitte und der Figur Herzog Albrechts VI. Die Marktgasse schließt mit dem östliche Stadttor, dem Storchennestturm. Der früher »Kupferturm« genannte Bau hat zwei Durchgänge - einer war für Pferdefuhrwerke bestimmt, der andere für Fußgänger. Die Mauerschlitze für die Verriegelung kann man heute noch sehen. Nun geht es zum Rhein hinunter, zum Messerturm mit seiner charakteristischen Spitzhaube. Der Grundriss des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Turms ist dreieckig, wobei eine Ecke in den Fluss hineinragt. Der Name stammt von den Messern, die einst in der dortigen Folterkammer verwendet wurden. Im Süden schließlich findet man den Obertorturm mit einer Kuriosität. Keinesfalls sollte man sich auf dessen Turmuhr verlassen, denn die geht seit Jahrhunderten um sieben Minuten vor. Der Grund ist, dass die Tore früher abends um Punkt fünf Uhr geschlossen wurden. Damit aber die Bauern draußen auf den Feldern genügend Zeit hatten, in die Stadt zurückzukehren, hat man die Turmuhr vorgestellt und das bis heute beibehalten.

Etwas außerhalb des Ortes im Westen befindet sich auf einer Anhöhe die sehenswerte Feldschlösschen-Brauerei, deren Fabrikgebäude im Stil einer mittelalterlichen Burg erbaut worden sind. Dort finden immer im Spätsommer die Open Air Kinotage statt. Unterhalb der Insel liegt auch die Anlegestelle der Basler Personenschifffahrt. Von hieraus kann man eine Wasserreise bis nach Basel hinunter unternehmen. An der Rheinfelder Brücke beginnt auch die Schiffbarkeit des Rheins, der von hier bis zur Nordsee befahren werden kann. Einen Besuch wert ist auch das alljährliche Brückenfest beider Rheinfelden, das jeweils Ende Juni an und auf der alten Rheinbrücke mit vielfältigem kulturellen und kulinarischem Programm stattfindet.

Quellen:

Thomas Peter, Autor, Christine Krueger

Thomas Peter - Nach dem Studium der Rechtswissenschaft seit 1987 Tätigkeit als Jurist. Ab 1997 Freier Autor mit dem Schwerpunkt Hörspiele. Seit ...

rss