
- Die Speere beim Thaipusam sind bis zu 1 m lang - Vic Tokarski
Das Thaipusam-Fest wird jedes Jahr bei Vollmond im Monat Thai gefeiert, deshalb fällt Thaipusam 2009 auf den 8. Februar. Es ist ein hinduistisches Fest, das hauptsächlich von der tamilischen Gemeinde in Indien, Malaysia, Singapur und südindischen Gemeinden weltweit begangen wird. Dabei werden zwei Ereignisse gefeiert:
- die Geburt des Gottes Murugan (auch Subramaniam, Skanda oder Karthikeya genannt), dem tamilischen Gott des Krieges und jüngstem Sohn der Götter Shiva und Parvati und
- Murugans Sieg über den bösen Dämon Surapadman
Kenner hinduistischer Feste werden wissen, dass der Sieg von Gut über Böse, bzw. Gott über Dämon, ein häufig wiederkehrendes Thema der indischen Mythologie ist. An Diwali feiert man zum Beispiel den Sieg des Gottes Ram oder Rama über den zehnköpfigen Dämonen Ravana.
Die Bedeutung des Thaipusam-Fests
Das tamilische Wort "Pusam" verweist auf einen Stern, der während der Feierlichkeiten seinen höchsten Stand erreicht. Und weil es im Monat Thai gefeiert wird, heißt das Fest Thaipusam. Sein Ursprung geht auf die Legende vom Dämonen Surapadman (auch: Soorapadme) zurück, der gegen den Tod durch die Hand von Sterblichen und Göttern gefeiht war. So geschützt, fühlte er sich unverwundbar und begann bald, Schwächere zu verfolgen.
Shiva fühlte sich herausgefordert und erschuf eine neue Gottheit – Murugan – um Surapadmans Schutz zu umgehen. Shivas Gefährtin Parvati gab Murugan einen Speer („Vel“) um Surapadman herauszufordern. Der Dämon, seinen Untergang voraussehend, verwandelte sich in einen Baum, aber ohne Erfolg. Murugan spaltete den Baum mit seinem Speer in zwei Hälften – die eine wurde zu einem Pfau und die andere zu einer Fahne. Er befahl dem Pfau, sich in ein Wappentier für diese zu verwandeln, die er jetzt jedesmal mitnahm, wenn er in den Krieg zog.
Warum Murugan-Anhänger am Thaipusam teilnehmen
Jeder kann dem Thaipusam-Fest beiwohnen – die großen Veranstaltungen in Singapur und Kuala Lumpur ziehen jedes Jahr eine Million Besucher an – aber nur wenige werden aktiv teilnehmen. Als Gott der Wünsche wird Murugan oft von Studierenden um gute Note gebeten oder um die Genesung eines kranken Freundes oder Verwandten.
Unter einer Bedingung allerdings: Jeder Anhänger, der einen Wunsch ausspricht, verpflichtet sich nach dessen Erfüllung, am Thaipusam teilzunehmen. Das Versprechen nicht einzuhalten, gilt als unglücksbringend. Viele Anhänger nehmen auch teil, weil sie für begangene Sünden büßen oder ihren Glauben festigen wollen.
Die „Teilnahme“ kann folgendes bedeuten:
- Andere Anhänger mit Wasser, erster Hilfe und anderen Leistungen zu versorgen,
- spezielles vegetarisches Essen („Annadanam“) zuzubereiten, normalerweise Reis und Linsen oder Curry,
- eine Last zu tragen, „Kavadi“ genannt.
Vorbereitungen für die Teilnahme am Thaipusam
Anhänger bereiten sich schon Wochen vorher durch die Einhaltung von Ritualen auf den Thaipusam vor, um sich körperlich und geistig zu reinigen.
- Sie fasten 48 Tage lang, d.h. sie essen nur eine vegetarische Mahlzeit am Tag,
- sie beten ausgiebig zu Hause und im Tempel,
- sie entsagen sich aller körperlichen Vergnügen und
- sie befolgen ein Schweigegelübde so weit wie möglich.
Am Festtag wird das Götzenbild Murugans von einem Karthikeya-Tempel zum anderen getragen, oft über etliche Kilometer. Ein beliebter Tanz ist der „Kavadi Attam“, der zu Ehren Murugans, der auch der Gott des Tanzes ist, vorgeführt wird. Murugan-Anhänger (auch Kinder) rasieren sich als Zeichen der Buße die Köpfe (oder den Bart), bevor sie der Prozession beiwohnen. Der Thaipusam ist eine Familienangelegenheit und es ist eine Pflicht und Ehre für jede Familie, ihren Kavadi-Träger nach Kräften zu unterstützen.
Welche verschiedenen Kavadis gibt es?
- Einen Topf mit Mich, der auf dem Kopf getragen wird;
- einen kleinen Speer, der durch die Zunge gebohrt wird, um an das Schweigegelübde zu erinnern;
- eine Metallstange (bis zu einem Meter lang), die durch die Wangen gestochen wird, um zu betonen, dass die Sprache vorübergehend abgelegt wird, um die Energien ganz auf Gott zu konzentrieren;
- Zitronen, Orangen oder Kokosnüsse, die mit kleinen Haken am (Ober-)Körper befestigt werden;
- ein tragbarer Altar (bis zu 15 kg), der auf die Schultern des Kavadi-Trägers gelegt und mit Metallstangen am Oberkörper befestigt wird.
Wie halten Kavadi-Träger die Last aus?
Es versteht sich, dass die Lasten ohne Hingabe und Glauben nicht auszuhalten wären. Deshalb werden die Kavadi-Träger von einem Swami (einem Lehrer oder Guru) in eine Trance versetzt, der ihnen dann die verschiedenen Bürden auflegt, wobei kein Blut fließt. Im Gegenteil, die ganze Stimmung soll so ansteckend sein, dass schon viele Zuschauer ebenfalls in eine Trance verfallen sind.
Wenn die Kavadi-Träger den Murugan-Tempel erreicht haben, nimmt ihnen ein Swami ihre verschiedenen Lasten ab und verteilt heilige Asche auf den durchbohrten Stellen. Es wird gesagt, dass die Lastenträger weder Schmerzen verspüren, noch dass Wunden oder Narben zurückbleiben, nur Freude und Erleichterung darüber, das Gelöbnis eingehalten zu haben. Und am Montagmorgen geht natürlich alles wieder seinen geregelten Gang...
Dieser Thaipusam-Artikel (auf Englisch) enthält einige erstaunliche Fotos und hier findet sich ein Spiegel-Artikel zum Thema. Wen es jetzt permanent ins Ausland zieht - hier findet sich ein Artikel mit Auswanderer-Statistiken.
