Zwischen Krajnik Dolny (Niederkränig) und Zaton Dolna (Niedersaathen) gab es einen ausgedehnten Landschaftspark mit Schweizerhaus, Bastei, Fasanerie und Goldfischteichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwilderte dieser Park und entwickelte sich zum Wald. 2010 wurde mit der Erneuerung der Parkanlage begonnen. Am 24. August 2011 präsentierten die Macher das Ergebnis ihrer Mühen des letzten Jahres. Gleichzeitig wurde der fast fertig gestellte „Europäische Hugenottenpark“ mitsamt den laufenden Veränderungen an dem Haus der Uckermärkischen Bühnen Schwedt präsentiert.

Entstehung des Parks „Tal der Liebe“

Um 1850 wurde das „Tal der Liebe“ angelegt. Danach wurde es immer wieder erweitert. Die Initiative zur Anlage des Parks kam von Anna Sophie von Humbert. Ihr Gatte Carl Phillipp von Humbert war damals der Landrat im Kreis Königsberg/Neumark (Chojna). Als der dienstlich für längere Zeit Königsberg verlassen musste, da nutzte Anna Sophie die Zeit für die Anlage des naturnahen Landschaftsparks.

Das „Tal der Liebe“ entwickelte sich in ein beliebtes Ausflugsziel. Am Ufer der Oder und in Niedersaathen (Zaton Dolna) gab es Ausflugslokale. Die konnten mit dem Dampfer von Schwedt aus erreicht werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag nun der Park auf der polnischen Seite der Oder. Die Menschen aus Schwedt und Umgebung kamen nicht mehr. Militär beschränkte den Zugang von Menschen in der Grenzregion. Die neuen Bewohner der polnischen Orte in der Umgebung hatten andere Sorgen als sich um einen Park zu kümmern. So wuchs der Park zu. Die Goldfischteiche verlandeten. Von den Bauten im Park war praktisch nichts mehr zu finden. Einige der verschlungenen und teilweise steilen Wege waren als historische Parkwege erkennbar. Manche Baumreihe deutete den Verlauf früherer Wege an. Dieses einst so attraktive Fleckchen Erde wurde ein wilder verwunschener Ort.

Das „Tal der Liebe“ wird seit 2010 wach geküsst

Inzwischen ist Polen Mitglied der Europäischen Union und dank Schengener Abkommen ist die Grenze praktisch nicht mehr relevant. Zwischen den Nachbarstädten Schwedt und Chojna hat sich eine intensive und kooperative Zusammenarbeitet entwickelt. Daraus entwickelte sich das gemeinsame deutsch-polnische Projekt „Europäischer Hugenottenpark – Naturpark Tal der Liebe (Dolina Milosci“. Das wird aus Mitteln der EU im Rahmen des Programms „Europäische territoriale Zusammenarbeit“ gefördert. Die Eckpfeiler dieses Projektes sind der „Europäischer Hugenottenpark“ in Schwedt und der Naturpark Dolina Milosci.

Der „Europäischer Hugenottenpark“ schließt sich direkt an den Bau der „Uckermärkische Bühnen Schwedt“ an. Hier stand früher das Schloss der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt. Hier wurde 1010 bereits eine neue Freilichtbühne eingeweiht und der Oderradweg attraktiver gestalt. Ein fast fertig gestellter „Steinerner Weg“ soll an die nach Schwedt zugewanderten Hugenotten erinnern.

Im Naturpark „Dolina Milosci / Tal der Liebe“ auf dem anderen Ufer der Oder werden die Teichanlagen und ihr Umfeld wieder hergestellt. Das Wegenetz ist bereits weitgehend nach historischem Vorbild reaktiviert worden. Neue Parkplätze werden angelegt. Das Forsthaus des Försters Thomas, der viele Jahre den Park betreute, ist in bau und wird eine deutsch-polnischen Begegnungsstätte werden. Die Teiche sind neu entstanden. Und am 24. August 2011 kehrten Nachbildungen der beiden Figuren „Adam“ und „Eva“ wieder auf ihre Inseln in den Teichen zurück. Diese von Friedrich Christian Glume geschaffenen Plastiken standen ursprünglich auf der Balustrade des markgräflichen Schlosses in Schwedt und kamen nach einem Intermezzo in einem Schwedter Biergarten 1897 in den Park. 1945 wurden sie weitgehend zerstört. Nun stehen Kopien wieder am angestammten Ort.

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf ist diese Parkanlage wieder ein einladendes Ziel in der Gemeinde Chojna am Ostufer der Oder geworden.

Lesenswert

  • Jakub Szumin (Redaktion): Spaziergang durch das Tal der Liebe – Ein Führer zur Natur; Geschichte und Revitalisierung des Tales der Liebe. Mit Beiträgen von Joanna Bulawa, Bozena Prajs, Malgorzata Haas-Nogal, Kazimiera Kalita-Skwirzzynska und Ryszard Matecki. Fotos von Jakub Szumin, Andrzej Lazowski und Ryszard Matecki. Übersetzt von Jens Keller. ISBN 83-909929-9-X, GAJA Szczecin 2006

Quellen

  1. Faltblatt „Dolina Milosci“
  2. Nationalpark Unteres Odertal: Tal der Liebe
  3. Stadt Schwedt an der Oder
  4. GAJA Stettin (polnisch/deutsch)
  5. Stadt Chojna (polnisch)
  6. Tourismusverein Nationalpark Unteres Odertal e.V.
  7. Uckermärkische Bühnen Schwedt (UBS)
  8. Schlossgitterverein Schwedt
  9. Pressepräsentation am 24. 8. 2011