
- Wanderziele - Simone Siegler
Inmitten der Allgäuer Alpen, zwischen dem Talkessel von Reutte in Tirol und dem Oberjochpass in Bayern, liegt das Tannheimer Tal. Mit 1.100 Metern Seehöhe ist es eines der wenigen Hochtäler der Alpen, was es zu einem hervorragenden Wintersportgebiet macht. Doch auch im Sommer locken zahlreiche Almen und Wanderwege.
Ländliches Flair - und doch touristisch voll erschlossen
Das Tannheimer Tal vereint sechs recht unterschiedliche Gemeinden. Der Hauptort ist zweifellos Tannheim mit seiner Dichte an gehobenen Hotels und touristischen Angeboten. Von hier aus führt eine Gondelbahn hinauf auf das 1756 Meter hoch gelegene `Neunerköpfle`, im Winter ein erstklassiges Skigebiet, im Sommer Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen.
Die Gemeinden Nesselwängle, Grän, Zöblen und Schattwald sind typische Tiroler Bauerndörfer mit dem ureigenen Flair dieser Region. Überall werden unterschiedliche Unterkünfte angeboten, von der einfachen Frühstückspension bis zum absoluten Luxushotel. Die Gemeinde Grän beherbergt beispielsweise mit dem Hotel "...liebes Rot Flüh" das einzige Fünf-Sterne-Hotel der ganzen Gegend. Die Gemeinde Jungholz vervollständigt das Tal, jedoch ist dieser Ort eine Tiroler Exklave und mit dem PKW nur über Bayern erreichbar.
Das Tannheimer Tal kann auch mit zwei wunderschönen Bergseen aufwarten. Mitten im Tal, zwischen Nesselwängle und Grän, liegt der Haldensee. Im Sommer ausgezeichnet zum Baden geeignet, lässt er sich im Winter bei ausreichender Eisstärke erwandern oder mit den Langlaufskiern überqueren. Etwas versteckt hinter der Gemeinde Tannheim liegt in einem Naturschutzgebiet ein kleines Juwel, der Vilsalpsee. 3,3 Kilometer Uferweg laden zur Umrundung ein, auch das Baden im Sommer ist möglich, wenngleich die Wassertemperatur des Sees selten 17 Grad übersteigt.
Skifahren, Langlaufen, Rodeln - das Tannheimer Tal im Winter
Zweifelsohne ist der Winter die turbulentere Saison im Tal. Durch seine Höhe verspricht es noch Schneegarantie, wenn in tieferen Lagen schon längst die Krokusse blühen. Zwei Gondelbahnen, sieben Sessel-, 18 Schlepplifte und insgesamt 55 Kilometer Pisten lassen das Skifahrerherz höher schlagen. Durch die kurzen Verbindungen und den kostenlosen Skibus lässt sich Tag für Tag ein anderes Skigebiet erkunden.
Vor allem die Langläufer zieht es ins Tannheimer Tal. 2009 erhielt es für sein hervorragendes Loipennetz das Loipengütesiegel des Landes Tirol. So lässt sich nahezu das ganze Tal von Süd nach Nord auf den Langlaufskiern erwandern. Auch Rodelfans kommen nicht zu kurz - ihnen stehen insgesamt zehn ausgewiesene Rodelbahnen zur Verfügung.
Alm um Alm - oder doch ein Gipfelsieg? Das Tannheimer Tal im Sommer
Vier Lifte haben auch im Sommer ihre Pforten geöffnet und laden ein zu 300 Kilometern Wanderweg rund um das ganze Tal. Zahlreiche Almen sind leicht zu Fuß erreichbar. Ein besonderes Highlight bietet der "9er-Erlebnisweg" am Neunerköpfle in Tannheim. Dort kann man sich in das größte Gipfelbuch der Alpen eintragen oder das originelle Kuhglockenspiel bestaunen.
Blick zurück - gelebte Geschichte im Tannheimer Tal
Im Heimatmuseum in Tannheim lässt sich erahnen, dass das Leben zu früherer Zeit kein Honiglecken war. Ausgestattet mit zahlreichen bäuerlichen Gebrauchsgegenständen und eingerichteten Stuben bewegt man sich rasch im Rückwärtsgang durch die Jahrzehnte. Ebenfalls in Tannheim entstand 2010 ein besonders Projekt, das "Felixe Mina´s Haus". Mitten im Ort steht das alte Bauernhaus, das eigentlich abgerissen werden sollte. Doch man entschied sich für die Renovierung, und heute hat nicht nur die Musikkapelle Tannheim dort ihren Platz gefunden, es entstand ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Tales. Die Räume wurden möglichst authentisch nachgestaltet, und alle Gegenstände und das Inventar der letzten Besitzer ausgestellt. Bei den regelmäßigen Führungen wird der Besucher an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückversetzt und bekommt das Gefühl vermittelt, Felix und Mina, die letzten Eigentümer, hätten das Haus nur kurz verlassen.
Weiterführende Links:
- Website Tannheimer Tal
- Der Schein der Gegenwart trügt, die Vergangenheit der Region ist traurig: Flucht vor dem Hunger - die Tragödie der Schwabenkinder
Quellenangabe: "Tannheimer Tal zwischen Nesselwängle und Jungholz" - Dieter Seibert / Rother Verlag
