
- Rama V., Statue in der Samut Prakan Provinz - Monika Rottmann
Rama V. entstammte der derzeit amtierenden Chakri-Dynastie von Thailand. Er wurde am 20. September 1853 als erster Sohn von König Mongkut, Rama IV., in Bangkok geboren. Nach dem Tod seines Vaters wurde er am 11. November 1868 im Alter von 15 Jahren zum König des damaligen Siam gekrönt. Im November 1873 übernahm er alle Macht und schaffte es in 42 Jahren Regentschaft, Thailand der Welt zu öffnen und seine Untertanen in eine neue Zeit zu führen.
Der Harem im Palast des Königs
König Chulalongkorn hatte insgesamt 153 Ehefrauen, die ihm 76 Kinder gebaren. Zuhause waren alle Frauen im sogenannten inneren Palast der königlichen Residenz in Bangkok. Dort lebten sie mit ihren Kindern, den Konkubinen, Dienerinnen, weibliche Wachen und Vertreterinnen handwerklicher Künste. Die Söhne durften bis zum Erreichen des 11. Lebensjahres ebenfalls dort bei ihren Müttern leben. Kein Mann außer dem König selbst hatte Zutritt zu dieser eigenständigen kleinen Stadt, in der bis zu 3.000 Frauen lebten und arbeiteten. Dieser riesige Harem war schätzungsweise 3-mal so groß wie der umfangreichste Harem des ehemaligen Osmanischen Reiches.
Rama V., der große Reformator des heutigen Thailand
Zu den größten Leistungen seiner Regentschaft zählen eine Bildungsreform und die allmähliche Gleichberechtigung aller Sklaven, die mit der Abschaffung und einem Verbot im Jahre 1905 endgültig besiegelt wurde. Rama V. ließ königliche Schulen für die Bevölkerung bauen und führte die englische Sprache als Unterrichtsfach ein, um das Verständnis für die westliche Kultur zu fördern. Auch vergab er Stipendien an hervorragende Schüler jeglicher Herkunft und ließ sie in Ländern wie England, Dänemark, Deutschland und Russland studieren. Er selbst war ein sehr erfolgreicher Außenpolitiker. An seinem Hof garantierte er den Regierungsoffizieren, ihm schriftlich ihre Meinung zukommen lassen zu dürfen und schaffte die physische Niederwerfung vor dem König ab.
König Chulalongkorn baute ebenfalls die ersten Krankenhäuser im Land, wobei er zunächst auf tiefe Skepsis von Seiten der Bevölkerung stieß, die mehr ihrer traditionellen Kräutermedizin vertrauten als der neuen westlichen Heilkunst. Nach langen Disputen schrieb man das Jahr 1896, als das erste Krankenhaus in Siriraj eröffnet werden konnte.
Eine weitere Reform Thailands betraf die Thronfolge. So schaffte er nach dem Tod seines Vizekönigs Prinz Wichaichan im Jahr 1885 dieses Amt ab und führte stattdessen die Ernennung eines Thronnachfolgers als Kronprinzen ein. Dieses war zunächst im Januar 1887 der neunjährige Prinz Wachirunhit und nach dessen frühem Tod am 4. Januar 1895 wurde der vierzehnjährige Prinz Vajiravudh, der spätere Rama VI., zum Kronprinzen erklärt.
Thailand importiert europäisches Knowhow und vollzieht innere Reformen
König Chulalongkorn hatte auch große Pläne zur Entwicklung der Infrastruktur und holte in den frühen 1890er Jahren über hundert ausländische technische Spezialisten, überwiegend Dänen, Deutsche und Briten, nach Siam. Diese bauten auch das thailändische Eisenbahnnetz mit deutschem Knowhow und chinesischen Arbeitern.
Ebenfalls waren große Veränderungen im Staats- und Regierungsapparat dringend notwendig. Diese fanden zwischen den Jahren 1887 und 1892 statt. Die zunehmenden Bedrohungen durch die britischen und französischen Kolonialmächte, die ihre Herrschaft über sämtliche Nachbarstaaten ausgedehnt hatten, zwangen Siam, eine starke Großnation zu werden und die Verbindungen zu Staaten im Norden und Nordosten des Landes zu verstärken. So gelang es König Chulalongkorn unter einigen Landzugeständnissen, Thailand als einziges Land der Region vor eine Besetzung durch Kolonialmächte zu schützen.
König Chulalongkorn gewann während seiner Regentschaft das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat und die Monarchie und wird noch heute für seine Verdienste hoch verehrt. Zu seinem 100sten Todestag am 23. Oktober 2010 werden in Thailand prachtvolle Festlichkeiten und Zeremonien erwartet.
