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Nach dem Verbot des Theaters in England durch das puritanische Interregnum im 17. Jahrhundert, war das gesellschaftliche Leben der englischen Aristokratie durchaus eingeschränkt. Doch mit dem Sturz Oliver Cromwells (1599-1658) und der Wiederherstellung (also Restauration) der Monarchie durch Charles II lebte das Theater wieder in einer neuen Form auf.
Warum das Theater verboten wurde
Nach der Abschaffung der Monarchie in England durch die Exekution von Charles I. aufgrund einiger Unstimmigkeiten, wurde England zunächst zu einer Republik „The Commonwealth of England“. Doch schon kurz darauf, 1653, wurde das Protektorat gewaltsam von Oliver Cromwell eingeführt – eine Regierungsform während des Commonwealths of England, in dem ein „Lord Protector“ regiert. Diesen Posten nahm Oliver Cromwell ein, welcher als strenger Puritaner viele Unterhaltungsmedien seiner Zeit verbat, so auch das Theater mit seiner anrüchigen Atmosphäre, die zwielichtigen Orangenverkäuferinnen (die vor allem zu Shakespeares Zeit ihr Unwesen getrieben haben und den männlichen Zuschauern auch andere Dienste anboten) und den sündigen Themen der Theaterstücke an sich. Von Vorteil für diejenigen, die sich gerne in Theatern vergnügten, war Oliver Cromwells Sohn nicht in der Lage, die Politik seines Vaters fortzuführen, sodass die Monarchie in Englands letztlich wieder hergestellt wurde und Charles II die Thronfolge seines Vaters wieder aufnehmen konnte. Als ein Genießer des Lebens, der zudem ein Theaterfreund (in Frankreich konnte er seine Freizeit ohne Probleme frei gestalten) ließ er die Theater wieder eröffnen und neu aufbauen.
Das Neue am Theater der Restauration
„Neu“ war zu dieser Zeit ein wichtiger Stichpunkt: Die elisabethanischen Theater wie beispielsweise das durch Shakespeare bekannt gewordene „Globe Theatre“ waren nicht mehr aktuell, die „open-air“-Bühne wurde abgeschafft. Stattdessen wurden Theater nun überdacht. Eine Folge davon war, dass die Theater noch kleiner waren, also die Schauspieler viel mehr Nähe zu ihrem Publikum hatten, was auch zu einer höheren Interaktion zwischen beiden Seiten gab: Zwischenrufe und selbst das spontane Auftreten auf der Bühne von einem Zuschauer, waren durchaus üblich – ebenso das Bewerfen der Schauspieler mit Früchten etc. Zudem bot der Aufbau des Theater die Möglichkeit körperliche Nähe auch auf andere Art und Weise auszuleben.
Jedoch gehören diese neuartigen Begebenheiten nicht zu den wichtigsten. Eine weitere Errungenschaft war, dass nun Szenerie dargestellt werden konnte, sodass die Stücke anders aufgebaut werden konnten, da keine expliziten Erklärungen der Uhrzeit, des Ortes etc. mehr vorgenommen werden mussten. Stattdessen konnten die Zuschauern anhand der Bemalungen von Holzbrettern, die in Fugen bewegt bzw. gedreht wurden erkennen, ob sich die Schauspieler nun in einem Salon, im Theater oder im Park befanden.
Eine der wichtigsten Neuerungen aber war sicherlich, dass es nun Schauspielerinnen gab. In der Zeit Shakespeares mussten Jungen die Rolle von Frauen übernehmen, da es bis dahin noch nicht erlaubt war, dass Frauen einer solchen Arbeit nachgingen. Doch nun war es die Frau selbst, die sich spielte, was für die männliche Zuschauerschaft sicher ein noch größerer Anreiz war, das Theater zu besuchen. Allerdings ist anzumerken, dass es nur recht wenige Schauspielerinnen gab, die Arbeit als solche jedoch sehr begehrt war. Dies hatte zur Folge, dass viele dieser Damen mit den großen Dramatikern der Zeit (Elizabeth Barry mit John Wilmot, Second Earl of Rochester), dem König selbst(Nell Gwyn), oder ähnlichen anbandelten.
Das Typische in der englischen Restaurationskomödie
In dieser Zeit des späten 17. Jahrhunderts waren vor allem Komödien populär und somit die Gattung, welche zumeist verfasst wurde. Die Restaurationskomödie im Speziellen lässt sich recht einfach erkennen: Der Plot ist recht einfach gehalten, auch weil das Theater, anders als heute, eher ein Ort des „Socializing“ war. Daher musste er einfach gehalten und gut nachvollziehbar sein. In vielen Restaurationskomödien wie Wycherlys The Country Wife, Congreves The Way of the World, und Ethereges The Man of Mode gibt es einen sogenannten „marriage plot“, in dem meist eine von Eifersucht und Intrigen geplagte Ehe dargestellt wird, sowie einen „courtship plot“, in dem ein Gentleman, meist ein „wit“ um eine Dame wirbt und mit einem „happy ending“ endet. Weiterhin ist die Restaurationskomödie meist von Verwechslungen und Täuschungen gespickt, in denen sich Frauen als Männer (und umgekehrt) verkleiden, um ihr jeweiliges Ziel zu erreichen. Zentrale Themen sind Betrug und Ehebruch, und es wird keineswegs Obszönität vermieden.
Die wichtigsten Figuren werden im Englischen als „stock characters“ bezeichnet, was bedeutet, dass sie immer wieder auftauchen und kaum Veränderungen durchlaufen. Zum einen gibt es den „Rake“, einen Trunkenbold, welcher den Frauen hinterherläuft und sich durch Gewaltbereitschaft auszeichnet (wie Willmore in Aphra Behns The Rover). Als sein Gegenstück gibt es den „Wit“, einen gebildeten, freundlichen Gentleman, der weiß, wie es sich in der Gesellschaft zu verhalten gilt, aber nicht mit seinem Wissen prahlt (Dorimant aus The Man of Mode beispielsweise). Zuletzt gibt es den „Fop“, eine amüsante Figur, die sich selbst ins Lächerliche zieht durch ihre übertriebene Art und ihren krankhaften Wunsch ein „Wit“ sein zu wollen. Seine übertriebene Kleidung (meist aus Frankreich), Perücke (normalerweise Ausdruck der Macht, doch hier lächerlich, weil das Gesicht kaum noch erkennbar ist) und der übertriebene Gebrauch der Schnupftabakdose (die seine Neugier symbolisiert), machen ihn zur Witzfigur des Geschehens.
Doch auch die Frauen spielen eine wichtige Rolle in diesen Komödien: es gibt die recht naive Ehefrau vom Lande, die den Tücken des frivolen Stadtlebens auf den Leim geht und ihre Unschuld dort quasi verliert, sowie die Stadtfrau, die das Stadtleben voll auskostet und meist auch eher einen „witty“ Charakter hat. Diese Dichotomie von Stadt und Land ist ein sehr wichtiges Bild in Restaurationskomödie und symbolisiert die Unschuld im Gegensatz zur Verruchtheit.
Leider vorhersehbar
Im Großen und ganzen ist es sehr interessant, sich die Restaurationskomödien näher anzuschauen, da sie sehr witzig sind und unvermutet durch ihre Anzüglichkeit bestechen. Allerdings bringt das Umfeld, in welchem Theater zu dieser Zeit rezipiert wurde, eine einfache und sich wiederholende Handlung mit sich, weshalb diese Gattung auch bereits Anfang des 18. Jahrhunderts wieder auszusterben begann. Zudem hat sich die Zuschauerschaft verändert und andere Themen waren von Relevanz, sodass sich die neuen Dramen nun mit exemplarischer Moral und augenscheinlichen Ausdruck von Gefühlen beschäftigte.
