Das Titelmotiv der Blechtrommel

Die Trommel als Symbol in Grass' Debütroman

Günter Grass verarbeitetet in seinem Bestseller-Roman „Die Blechtrommel" die NS-Vergangenheit. Die Trommel ist dabei ein zentrales Symbol.

Der Roman „Die Blechtrommel" beschreibt die Lebensgeschichte von Oskar Matzerath unter den Einflüssen des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges. Oskar wurde 1924 geboren und stürzt sich an seinem 3. Geburtstag eine Kellertreppe herunter, da er nicht mehr wachsen möchte. Dies ist ein Protest gegen die Erwachsenen, da er nicht so werden möchte wie sie. Ebenso beginnt er an diesem Geburtstag, seinen Protest gegen das Spießbürgertum und den Nationalsozialismus durch trommeln auf seiner Blechtrommel auszuüben. Außerdem hat er eine Stimme, mit der er Glas zerspringen lassen kann. In der Nachkriegszeit landet Oskar in einer Irrenanstalt und schreibt dort von 1952 bis 1954 seine Autobiographie.

Symbolik und Funktionen der Trommel

Genau wie die Zwiebel später in seiner Autobiographie, ist die Trommel ein Symbol der Erinnerung. Als Textbeleg ist folgende Stelle heranzuziehen: „Es ist gar nicht so einfach, hier, im abgeseiftem Metallbett einer Heil- und Pflegeanstalt, [...] die Rauchschwaden kaschubischer Kartoffelkrautfeuer und die Schraffur eines Oktoberregen nachzuzeichnen. Hätte ich nicht meine Trommel, der bei geschicktem und geduldigem Gebrauch alles einfällt, was an Nebensächlichkeiten nötig ist, um die Hauptsache aufs Papier bringen zu können, und hätte ich nicht die Erlaubnis der Anstalt, drei bis vier Stunden täglich mein Blech sprechen zu lassen, wäre ich ein armer Mensch ohne nachweisliche Großeltern.“

Ebenso ist festzuhalten, dass Oskar seine Trommel personifiziert. Hin und wieder kommt es im Roman vor, dass er seiner Trommel Fragen stellt, und als die Trommel einmal kaputt ist, heißt es, dass sie krank sei und er sich um sie sorge. „Endlich ließ ich es genug sein, bettete meine todkranke Trommel in dem frisch aufgeworfenen Lager, bedeckte sie dicht, [...] mit den Umschlägen, wie Maurer Ziegel fügen, wenn es gilt, eine stabile Wand zu errichten.“

Anspielungen auf die Geschichte

Weiterhin trommelt Oskars Trommel den „Rhythmus der Geschichte“: „Darauf nahm ich wieder meine Trommel, trommelte aber nicht mehr die Hölzer todverdeckender Flöße ab, sondern schlug jenen schnellen, sprunghaften Rhythmus, dem alle Menschen vom August des Jahres vierzehn an gehorchen mussten.“

Dies ist eine Anspielung auf die sprunghaften, politischen Ereignisse in Deutschland seit Beginn des Ersten Weltkrieges.

Die vielleicht wichtigste Funktion der Trommel ist, dass sie für Oskar ein Zeichen von Macht darstellt. Außerdem benutzt er sie als Waffe, da er mit ihrer Hilfe gegen die Nazis protestierte. Im Text ist dies unter anderem an folgender Stelle zu finden: „Längere Zeit lang, genau gesagt, bis zum November achtunddreißig, habe ich mit meiner Trommel unter Tribünen hockend, mehr oder weniger Erfolg beobachtend, Kundgebungen gesprengt, Redner zum stottern gebracht, Marschmusik, auch Choräle in Walzer und Foxtrott umgebogen.“

Oskar hat also mit der Hilfe seiner Trommel die Marschmusik der Nazis aus dem Takt gebracht. Die Analyse des Titelmotivs der Blechtrommel zeigt, dass die Trommel eine ganze Menge an Symbolik und Funktionen beinhaltet. Dies ist einer der Gründe, warum Günter Grass` Debütroman zu so einem großen Erfolg wurde.

Günter Grass: Die Blechtrommel. dtv 1993. Taschenbuch, 731 Seiten. Euro 12,50.

Christine Konkel, Christine Konkel

Christine Konkel - Christine Konkel ist seit 2007 neben ihrem Studium der Germanistik und Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum journalistisch ...

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