Ein Riad ist ein typisches marokkanisches Haus in der Medina (Altstadt), das sich insbesondere dadurch kennzeichnet, dass es zumeist keine oder nur sehr kleine Fenster zur Straße oder Gasse hat. Die Empfangs-, Wohn- und Schlafräume gruppieren sich um einen nach oben hin offenen Innenhof, durch den die nach innen gerichteten Räume, hier befinden sich auch die Fenster und Türen, Licht erhalten. Diese nach außen abweisende und nach innen offene Bauweise spiegelt die Wichtigkeit der Privatsphäre wider, ist aber auch den Winterungsverhältnissen geschuldet.

Das arabische Wort für Garten

Der Begriff Riad kommt aus dem Arabischen und heißt übersetzt Garten. Wenngleich sich in den Gassen (Derbs) auch keine Pflanzen befinden, so sind die meisten traditionellen Riads noch heute im Hof oder auf der Terrasse bepflanzt, einem Garten oder einer Oase ähnlich mit Blumen, Orangen- und/oder Zitronenbäumen sowie einen zentralen Brunnen. Die Hauptstadt des heutigen Saudi Arabien trägt ebenso diesen Namen und wurde entsprechend geplant und angelegt.

Die Weiterentwicklung römischer Villen

Die Basis dieser Architektur ist die Weiterentwicklung der römischen Villen und der Anlage der römischen Stadt Volubilis in der Nähe von Meknes zur Zeit der Herrschaft der Dynastie der Idrisiden (788 bis ca. Mitte des 11. Jahrhundert). Volubilis erlebte ihr wirtschaftliche Blütezeit von 42 v. Christi bis 285 n. Christi als Hauptstadt der römischen Provinz Maruetania Tingitana und ihre Bauten und Ruinen stellten nun den Rahmen der Entwicklung der Riad-Architektur.

Als die Almoraviden im 11. Jahrhundert endgültig Spanien eroberten, sandten sie jüdische, muslimische und christliche Handwerker in das damals als Nation noch nicht existierenden Marokko, um dort zum einen die Denkmäler zu restaurieren und renovieren, aber auch um auf Basis der Ruinen städtebaulich aktiv zu werden. Diese entwickelten aus den dortigen Beständen, allerdings auch wegen der Umstände und Verhältnisse die Idee, Räume um einen zentralen Hof zu gruppieren.

Sinn und Zweck der Architektur

Im Gegensatz zu der in Mitteleuropa bekannten Bauweise sind die Räume in diesen zwischen 100 bis 800 Jahre alten Häusern sehr lang, dafür aber weniger tief. Das schützt nicht nur vor den zeitweise extremen Wetterverhältnissen, sondern ermöglicht auch eine gute Ausleuchtung der Räume bei gleichzeitigem Schutz vor dem direkten Einfall der Sonne. So bleiben die Bewohner z.B. in Marrakesch von den starken Wetter-Schwankungen besser geschützt, da bedingt durch das Atlas-Gebirge in den Wintermonaten Nullgrade erreicht werden, im Sommer die Hitze der nahen Sahara bis über 50 Grad im Schatten ansteigen kann.

Öffnet man jedoch die Fenster und Türen, verbindet sich der Raum mit dem Innenhof oder in den Etagen mit der Galerie und vergrößert sich um eben diese Flächen, eröffnet den Bewohnern eine großzügige Geräumigkeit, umgekehrt jedoch auch Separation und zuletzt Schutz vor den Blicken Fremder.

Traditionelle Ausstattung

Viele Riads werden heute von zumeist Europäern sehr liebevoll restauriert und dienen in Essaouira und Marrakesch als kleine Hotels, Restaurants oder Museen, manche werden privat genutzt. Die Wände sind traditionell mit Tadelakt verputzt oder mit dekorierten Kacheln verkleidet, die Fenster- und Türdurchbrüche mit Gips-Arbeiten verziert, die Böden mit länglichen Fliesen, einem Fischgräten-Muster ähnlich oder aber mit Marmor und kleinen Mosaiken ausgelegt und die Holzarbeiten beschnitzt oder farbig mit diesen Arabesken und Mosaiken verziert.