
- Verliebt - Peter Freitag / PIXELIO
Sozialbiologen statuieren schon seit Langem, dass der Mensch wie viele seiner Verwandten in der Tierwelt nicht zur Monogamie geschaffen ist. Trotz Empfängnisverhütung sind die Urinstinkte, seine Gene an möglichst viele, durchsetzungsfähige Nachkommen weiterzugeben, noch zu tief im Unterbewusstsein verwurzelt. Ein offensichtliches Beispiel hierfür ist die statistisch belegbare, gesteigerte Wahrscheinlichkeit eines Seitensprungs seitens der Frau während der fruchtbaren Tage in ihrem Zyklus. Dies ist auf den erhöhten Östrogen- sowie Testosteron-Spiegel zu dieser Zeit zurückzuführen. Fakt ist: Nur 3% aller Säugetier-Spezies leben im Allgemeinen monogam. Der Mensch hält sich dabei großteils an das Prinzip der seriellen Monogamie.
Von Mäusen und Männern
US-Wissenschaftler haben beobachtet, dass Männchen gewisser Mäusearten gern von Weibchen zu Weibchen springen, während die anderer Arten sich langfristig an ein- und dieselbe Partnerin binden. Untersuchungen ergaben, dass das Hormon Vasopressin bzw. die Rezeptoren zu dessen Aufnahme großen Einfluss auf das Bindungsverhalten der Nager haben. Mittels Gentherapie wurde dieser Eiweißstoff also im Gehirn ursprünglich promisker Mäuse-Männchen erhöht. Und tatsächlich konnte man bei diesen Individuen danach vermehrt beobachten, wie sie sich lieber bei einem Weibchen gemütlich niederließen anstatt wie gewohnt gleich zum nächsten weiterzuziehen. Das Augenmerk liegt hier allerdings nicht auf sexueller, sondern auf sozialer Monogamie.
Bei Männern konnte Vergleichbares festgestellt werden: Je länger die Vasopressin-Rezeptoren, desto eher wird der beim Sex ausgeschüttete Botenstoff aufgenommen, was wiederum die Bereitschaft zur Treue positiv beeinflusst. Wer nun jedoch auf einen programmiert treuen Partner hofft, muss sich wohl in Geduld üben. Vorrangig verfolgen Forschungen in diese Richtung erst einmal das Ziel, in Zukunft vielleicht Störungen des Sozialverhaltens behandeln zu können. Möglicherweise kann man dadurch irgendwann die verminderte Bindungsfähigkeit von Menschen fördern, die schizophren oder autistisch veranlagt sind.
Ist der Mensch trotz Evolution nur Opfer seiner Gene?
Monogamie hat ihren Ursprung ebenso wie Promiskuität in der Evolution und im Prinzip des Überlebens desjenigen, der sich am besten an die jeweiligen Umweltbedingungen anpassen kann. Jene genetischen Anlagen, die sich am Effektivsten erwiesen zur Erhaltung der eigenen Art, haben sich durchgesetzt. Dennoch soll die Entdeckung des "Treue-Gens" bzw. Seines Fehlens jetzt nicht als Entschuldigung für notorisches Fremdgehen dienen. Schließlich ist die Menschheit auch mit ausgeprägten rationalen Fähigkeiten gesegnet, die ihr ermöglichen, ihre Impulse bewusst zu kontrollieren. Dennoch ist Untreue der aktuell häufigste Grund zur Trennung.
Die Ausrede "Ich kann nichts dafür. Es liegt nicht an dir, sondern an mir." würde ohnehin nicht weniger schmerzen, wenn die Schuld auf die Gene abgewälzt würde. Dasselbe gilt für die utopische Hoffnung, Untreue in Zukunft wie eine Krankheit behandeln zu können. Wer will schon sein Leben mit jemandem verbringen, der nur bei einem bleibt, weil er gar nicht anders kann? Wo bliebe da denn Platz für Liebe und Romantik?
Quellen:
- Hat Ihr Mann das Treue-Gen?
- Sozialverhalten von Tier und Mensch - Vorlesung von O.Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Heinrich Römer
