Dieser Beitrag befasst sich mit Studien zum Thema, unternehmerischem Selbstbewusstsein, Gründungsinteressen und Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Unternehmergeistes.

Wie sieht das Unternehmerbild bei Jugendlichen und Auszubildenden in Deutschland aus?

Das gesellschaftliche Unternehmerbild besteht aus Vorstellungen über Eigenschaften und Verhaltensweisen von Unternehmern. In dem Berufsbild des Unternehmers sind beispielsweise Aspekte wie Einkommen, Ansehen, berufliche Freiheit/Unabhängigkeit und Macht von Bedeutung.

Nach einer Studie im Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie im Jahr 2002 ist das Unternehmerbild in der Bevölkerung durch positive Eigenschaften wie „Tatendrang“ (64 Prozent), „Risikobereitschaft“ (60 Prozent), „Gute Organisatoren“ (56 Prozent) und „Fleiß, Unermüdlichkeit“ (52 Prozent) gekennzeichnet. Als negative Eigenschaften werden unter anderem „Gier nach politischem Einfluss“ (50 Prozent), „Rücksichtslos“ (44 Prozent), „Verschlagen, raffiniert“ (38 Prozent) und „Raffgierig“ (36 Prozent) genannt.

In der Studie „Ausbildung zum Unternehmer – Was zeichnet einen erfolgreichen Unternehmer aus? Unternehmer und Schüler äußern ihre Meinung“ vom Winter 2006 / 2007 wurden 620 Schülerinnen und Schüler im Durchschnittsalter von 16 Jahren – also kurz vor dem Ausbildungsbeginn – befragt. 47 Prozent der Schüler nehmen an, dass bereits der Unternehmer-Vater beruflich selbstständig war. Eine selbstständige Unternehmer-Mutter können sich nur acht Prozent der Schüler vorstellen. Den Schülern sind wirtschaftliches Denken, Deutsch und EDV-Kenntnissen, eine gute Allgemeinbildung, Mathematik sowie Erfindergeist wichtig.

Eine Vielzahl von Jugendlichen im Alter von 15 bis 20 Jahren – also auch Auszubildende - hat eine eher gute Meinung über Unternehmer. Diese wird häufig durch den persönlichen Kontakt mit Unternehmern und Erfahrungen beim Jobben geprägt.

Es gibt verschiedene Arten des Unternehmertums, eine Art in der Praxis ist Social Entrepreneurship. Dabei geht es um gesellschaftlichen Nutzen beziehungsweise darum gesellschaftliche Probleme zu lösen. Dies erfordert eine selbstbewusste Haltung.

Welches unternehmerische Selbstbewusstsein und welche Gründungsinteressen haben Auszubildenden?

Das unternehmerische Selbstbewusstsein bei Auszubildenden ist hilfreich zur Lösung komplexer Problemsituationen im Unternehmen. Nach Ulrich und Probst (1995) unterscheidet man sechs Phasen des unternehmerischen Problemlösens: Bestimmen der Ziele, Analysieren der Wirkungsabläufe, Erfassen und Interpretieren der Veränderungsmöglichkeiten, Lenkungsmöglichkeit, Strategien und Maßnahmen planen sowie Problemlösung verwirklichen.

Auch Auszubildende können am Lösen komplexer Problemsituationen beteiligt sein beispielsweise der Konzeption von Seminaren und anderen betrieblichen Veranstaltungen. Dies sind Perspektiven während der Ausbildung.

Gründungsinteressen und Gründungsideen für Kleinunternehmen aus Sicht von Auszubildenden sind beispielsweise:

Mobile Dienste: Computerdoktor und PC-Notdienst, Fahrraddoktor, Betreuungsdienste, Einkaufs- und Erledigungsdienste, Event-Organisator, Fenster- und Gardinendienst, Gartenpflege, Handelsmakler/- reisende, Hausmeisterdienst, Mietkoch, Mobile Hair-Stylisten, Mobile Kfz-Reinigungsdienste, Mobile Nagel-Studios, Mobile Pflegedienste, Mobiler Chauffeurdienst, Mobiler Getränkeservice, Not- und Kleinreparaturdienst, Reinigungsdienste und Unterhaltungskünstler.

Sonstige Dienste: (Nachhilfe-) Lehrer, Anlageberater, Blumengeschäft, Bügel-/Wäscheservice, Diätassistent, Dozenten, Energieberater, Event-Berater, Fitnesstrainer, Imbissstand, Kioske, Kreditberater, Physiotherapeut, Rating-Berater, Schreibservice, Schuldnerberater, Trainer, Übersetzungsservice und Vorsorgeberater.

Welche Empfehlungen gibt es zur Weiterentwicklung des Unternehmergeists bei Auszubildenden?

Um den Unternehmergeist bei Auszubildenden zu fördern, bieten sich die Bereiche Politisches Umfeld, Netzwerke, Angebotsspektrum, Schule und Lehrkräfte, Schule und Wirtschaft und Angebotskommunikation an (vergleiche Studie Inmit 2010).

Im Schulfach Wirtschaft und Recht und ähnlichen Fächern besteht die Möglichkeit das Erkennen unternehmerischer Zusammenhänge zu fördern. In der Projektarbeit können Auszubildende selbstständig mit Behörden, Unternehmen, Banken, potentiellen Kunden und Partnern etc. Kontakt aufnehmen und verhandeln.

Praxisbeispiele

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie fasst einige Beispiele zur Förderung des Unternehmergeistes unter anderem für Auszubildende zusammen:

  • SCHUL/Banker – Das Bankenplanspiel: Die Auszubildenden führen als Team eine eigene virtuelle Bank für vier Monate und bestreiten einen eigenen Online-Planspielwettbewerb
  • Jugend gründet: Die Auszubildenden entwickeln innovative Geschäftsideen und Geschäftskonzepte. Die Unternehmensentwicklung wird über acht Geschäftsjahre simuliert.
  • Ideen machen Schule – Das Gründungsspiel: Die Auszubildenden entwickeln im Team 3 Monate ein schriftliches Gründungskonzept und Geschäftsideen.