
- Die Kraft und die Herrlichkeit von Margot Seibert - Christa Kaddar
Margot Seibert hat die Bilderreihe „Vaterunser“ bereits mehrfach in Ausstellungen gezeigt, in kirchlichen Kreisen interpretiert oder als meditative Bildbetrachtung vorgestellt. Die Bilder, die sie in Acryl gemalt hat, sind von einer fesselnden Symbolik, die zum aufmerksamen Betrachten anregt. Ihre Bilder tragen dazu bei, dass Menschen das Gebet nicht nur aus Tradition mitplappern, sondern sich fragen: Was beten wir da eigentlich? Was denken wir dabei? Welche inneren Bilder haben wir selbst vor Augen?
1. Bild: Vater unser im Himmel
Im ersten Bild hat sie den Anfang des Gebets, „Vater unser im Himmel“, gemalt: „Dieses Bild soll die Allmacht Gottes darstellen. Ich habe es in warmen Farben gehalten“, erklärt sie. „Rot ist die Farbe der Liebe und des Leben spendenden Bluts, gelb, die Farbe der Sonne, des Lichts, der Ewigkeit.“ An verschiedenen Stellen mischen sich die Farben zu einem warmen Orange. Eine Hand, die sie links oben angedeutet hat, symbolisiert die Hand Gottes, die die Erdkugel umfasst, beschützt und hält.
2. Bild: Geheiligt werde dein Name
Was heißt heiligen? „Ich sehe es so: der Name Gottes wird geheiligt, wo Menschen im Sinne Gottes leben. Wer sich zum Beispiel um Schwache kümmert oder Fremden hilft, der gibt Gott die Ehre und heiligt seinen Namen“, erklärt die Künstlerin. Das Wort „Gott“ fällt direkt ins Auge. Margot Seibert erläutert dazu: „Gott ist weder männlich noch weiblich. Die Gottheit ist viel größer als all unsere menschlichen Vorstellungen.“ Die Schnüre in dem Gemälde sollen Kommunikationsleitungen zu Gott darstellen.
3. Bild: Dein Reich komme
Das Bild zeigt ein zerbrochenes Joch mit gesprengter Kette. Wie Margot Seibert erklärt, wurde sie beim Malen von der Vorstellung geleitet, dass die Kraft des Glaubens Ketten sprengen, aus Zwängen und Ängsten befreien und Gewalt und Unterdrückung in der Welt überwinden kann. Die warmen Farbtöne im Hintergrund sind das Reich Gottes. „Wo ich mich wohlfühle, da sind solche hellen, lichten Farben. Das Dunkle weicht zurück, alles wird hell und leicht“, ist ihre Vorstellung.
4. Bild: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden
In einer Landschaft aus Blautönen steht ein Kelch. Dabei hat die Malerin an das Abendmahl mit Jesus gedacht und auch den Kelch als Symbol für das Leben gesehen, was soviel bedeutet, wie: „Wir empfangen unser Leben aus Gottes Hand. Er füllt den Kelch unseres Lebens.“
5. Bild: Unser tägliches Brot gib uns heute
Üppiges Grün, tiefes Blau, eine dicke pralle Ähre, eine Kirche als Symbol des Glaubens und einen Regenbogen – „Zeichen der Hoffnung, dass einmal alle genug haben werden, genug zum Essen und Trinken, genug für ein erfülltes Leben.“
6. Bild: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Ein dunkles finsteres Bild und eine tiefe Schlucht drücken ein Gefühl von Schuld und Angst aus. Eine Brücke, die über die Schlucht führt, gibt Hoffnung. „Jemand um Verzeihung bitten, sich entschuldigen, das Gespräch suchen, lächeln - all das sind Brücken zu neuer Lebensfreude. Eine Brücke verbindet, was getrennt ist. Deshalb habe ich die Brücke auch im Licht gemalt“, beschreibt Margot Seibert ihre Vision von Vergebung.
7. Bild: Und führe uns nicht in Versuchung
"Als ich das Bild gemalt habe, dachte ich an die Wüstenlandschaft, wo Jesus vom Teufel versucht wurde“, berichtet die Künstlerin. Das Gelbe könnte Lava sein, an der man sich verbrennen kann oder Gold, das blendet. Rechts sieht man zwei Gesetzestafeln mit den zehn Geboten, eine davon ist zerbrochen – als Symbol für die vielen täglichen Versuchungen, denen Menschen nicht widerstehen können.
8. Bild: Sondern erlöse uns von dem Bösen
Auffallend an diesem in Blau gehaltenen Bild ist der Trichter in der Mitte. Er hat einen festen, zugeknoteten Rand, an dem schwarze Schnüre hängen. Wer in diesen Trichter schaut, bekommt ein Gefühl, als würde er in die Tiefe gezogen. Doch da ist auch das Kreuz in diesem Bild. Aus dem Hellen von oben kommend richtet es sich auf, durchbricht die Spirale des Todes und verdrängt die Dunkelheit.
9. Bild: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit
In der Mitte des Bildes ist der heilige Geist, die Kraft Gottes, als Taube dargestellt. Beschützend hält sie den linken Flügel über die Menschheit, den rechten Flügel über den Erdball. Das A und 0, Alpha und Omega, sollen ausdrücken: Christus ist der Anfang und das Ende.
Margot Seibert arbeitet in ihrem Atelier im idyllischen Dörfchen Kellenbach in Rheinland-Pfalz. Ihr wichtigster Lehrmeister war und ist der Künstler Karlheinz Brust. Sie hat auch deshalb eine große Nähe zu christlichen und kirchlichen Themen, weil sie neben der Malerei als Kirchenmusikerin tätig ist und viele Gottesdienste an der Orgel begleitet.
