Das versunkene Atlantis kann im Golf von Cadiz gelegen haben

Walter Schillings neue These  - Gabriele Hefele
Walter Schillings neue These - Gabriele Hefele
Eine neue Theorie über die versunkene Inselmetropole Atlantis hat Politikwissenschaftler Dr. Walter Schilling aufgestellt, der nun die Archäologen nachgehen

Seit Platon, ein Schüler Sokrates, in seinen berühmten Dialogen einen Bericht über das versunkene Atlantis überlieferte, lässt diese Legende die Menschheit nicht mehr los. Gab es Atlantis wirklich oder ist es reine Fantasie? Doch seit der Archäologie-Amateur Heinrich Schliemann dem Homerschen Epos von Troja nachging und diese legendäre Stadt auch tatsächlich in Kleinasien ausgrub, wird immer wieder nach dem versunkenen Atlantis aus Vorzeiten gesucht, leben mehrere Science-Fiction-Serien von diesem Mythos, gehen die Bücher darüber ins Unzählbare.

Fantasie, Phantom oder gab es Atlantis wirklich?

Atlantis wurde schon in Malta angesiedelt, in den Anden, in Irland, in Indonesien, im Mittleren Osten, bei Kreta und als neueste These in der Mündung des Guadalquivir im spanischen Nationalpark Doñana bei Sevilla. Der 1938 in Essen geborene Politikwissenschaftler Dr. Walter Schilling erklärt alle diese Orte und ihre Argumente für nicht haltbar. Er beruft sich auf Platon direkt, behauptet, dass kaum einer der Autoren, die in der Mehrheit keine Fachwissenschaftler wie Historiker oder Archäologen seien, Platon richtig gelesen hätten.

Schilling studierte nicht nur Politikwissenschaft in München, sondern auch Geschichte und Slawistik. Er war unter Außenminister Genscher Militärattaché in Moskau, danach Leiter des Instituts für Sicherheitspolitik, außerdem ständiger Mitarbeiter des Saarländischen Rundfunks für die Sendereihe „Europa - Fragen zur Zeit“. Seit seiner Pensionierung geht er seiner Leidenschaft nach und beschäftigt sich mit Themen der alten Geschichte und historischen Archäologie. Er ist Autor und Mitverfasser etlicher politischer Sachbücher, kann über 250 wissenschaftliche Veröffentlichungen aufweisen und ist mit vielen seiner Erkenntnisse in Schulbüchern vertreten.

Plato machte genaue Angaben zur Lage von Atlantis

Schilling studierte Unmengen von Quellen zu Atlantis, besonders britische, besorgte sich alte Seekarten und nahm sich die Platon-Dialoge gründlich vor. Platon beruft sich auf den Reisebericht eines Ägypters und beschreibt die Inselmetropole dadurch so detailliert, dass es nicht nur reine Fiktion gewesen sein könne, meint Schilling. Das schreibt er in seinem neuen Buch: „Atlantis - Die letzten Geheimnisse einer versunkenen Welt“. Angeblich gebe der griechische Philosoph ganz klare Hinweise, wonach man suchen müsse. In den Dialogen heißt es, weit westlich von den Säulen des Herkules. Plato wusste also genau, dass es jenseits der Meerenge von Gibraltar noch etwas gibt, dass die Welt dort nicht zu Erde war. Auch der Name deutet ja wohl auf den Atlantik hin. Er beschreibt auch ganz genau die Zusammensetzung von weißer, roter und schwarzer Erde.

„Die Insel muss in der Bucht von Cadiz, also in dem Meeresteil des Atlantiks zwischen dem Kap San Vicente in Portugal, dem südwestlichsten Teil Europas, und der Stadt Cadiz gelegen haben“ so Walter Schilling. Wie Platon beschreibt, wenn man sich von Süden nähert, stößt man zwischen Faro und Albufeira an der Algarve auf diese Steilküste mit der typischen farblichen Felszusammensetzung.

Der Untergang von Atlantis kam wahrscheinlich durch einen Tsunami

Im Südwesten der Iberischen Halbinsel hatten sich nach der letzten Eiszeit, circa vier Jahrtausende vor Christi Geburt, nach einem klimatischen Wandel, außerordentlich günstige Bedingungen für Fauna und Flora herausgebildet und damit auch für ein sesshaftes Leben. Die Gründung der Inselmetropole von Atlantis müsste ohne Zweifel in die Megalithkultur gefallen sein, also zwischen 5.000 und 3.400 vor Christus. Die Gründung könne auf die Phönizier zurück gehen, die auch Cadiz, die erste Siedlung auf dem europäischen Festland gründeten.

Die Atlanter galten als erfahrene Seefahrer und kenntnisreiche Astronomen, sie kannten den Sternenhimmel sehr gut, hatten eine Priesterkultur, haben sich auch in der Baukunst hervorgetan. Doch wird hier auch bei den Interpreten wohl vieles idealisiert und hinein geheimnist. Genauso wie beim Schicksal des Untergangs. Bemüht man wieder Platon, so spricht er von einer großen Naturkatastrophe, die diese Inselmetropole etwa um 2.700 vor Christus zerstörte, er spricht von Schlammfluten.

Professor Armin Kopf vom Ozeanographischen Institut in Bremen hat vor nicht allzu langer Zeit dort beispielsweise große Schlammabbrüche im Meer entdeckt. Es müßten auch schwere Erdbeben statt gefunden haben, vielleicht mehrere Katastrophen zusammen, die zum Untergang von Atlantis führten. Das müßte man topografisch und mit den heutigen technischen Mitteln nun genauer untersuchen am Meeresboden vor der Algarve war eine der Forderungen von Dr. Walter Schilling. Und er wird ernst genommen: Nachdem die Fachleute lange skeptisch zögerten, solchen Legenden nachzugehen, haben nun Archäologen aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Spanien bei Cádiz Spuren einer antiken Stadt entdeckt, die nach ihrer Überzeugung das legendäre Atlantis war. Ausgrabungsleiter Freund sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Ein Tsunami hat die Stadt über Nacht verschwinden lassen."

Tipp: Walter Schilling:„Atlantis - Die letzten Geheimnisse einer versunkenen Welt“. 204 Seiten. Hardcover. 19,95 Euro. Kopp-Verlag, ISBN Nr. 978-3-942016-39-1

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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