Das vordere Relationsfeld

vorderes Relationsfeld - Werner Hoffmann
vorderes Relationsfeld - Werner Hoffmann
Wo liegen die Stärken des Tieres "Mensch"? Ein Exkurs in die Kommunikationsanthropologie.

Der österreichische Psychoanalytiker Sigmund Freud entwickelte zwei Theorien nachdem die Menschen Kulturen entwickelt hätten. Zum einen die, wie er es nennt, "Macht der Liebe", zum anderen erkannte er einen "Zwang zur Arbeit durch die Not von außen"

Die Macht der Liebe hätte zu drei Dingen geführt: Familienbildung, Auslebung des männlichen Sexualdranges und beschützen der Brut. Diese Partnerschaft zwischen Mann und Frau war, nach Freud, ausschließlich dem gegenseitigen Schutz dienlich. Unter "Zwang zur Arbeit durch Not von außen" meint er damit die Bildung von Arbeitsgemeinschaften. Durch Arbeiten in Gemeinschaften wären dabei die Lebensqualität verbessert worden. Und wenn wir vom Kulthurtheoretiker Düttmann ausgehen, der ja sagt, dass jede Kultur nach Autonomie strebt, dann bedeutet das, dass der Mensch prinzipiell seine eigene Autonomie mittels Kommunikationsnetze als Motor innerhalb einer Kultur kaschiert; Natürlich im Sinne eines Gesamtgesellschaftlichen Denkmusters und einer relativ identischen Denkrichtung der einzelnen Individuen die auf ein großes Ziel zusteuern: Lebensoptimierung.

Doch wie kommt eine Solche Kultur zustande? Natürlich in erster Linie durch Kommunikation. Das bedeutet, wenn wir uns als Kulturschaffende bezeichnen wollen, dann müssen wir akzeptieren, dass es nicht primär unsere Intelligenz ist die uns zu Kulturwesen macht sondern die Kommunikation die uns durch unseren Körper ermöglicht wird.

Das vordere Relationsfeld

Der französische Kulturanthropologe André Leroi-Gourhan spricht von der „Entwicklung des vorderen Relationsfeldes“ und meint damit schlichtweg eine Aufteilung des vorderen Feldes, also dem Kopf und den vorderen Extremitäten einer Spezies, in zwei komplementäre Bereiche. Er sieht den Menschen als einzige Spezies der Erde, die im Stande ist eine weitreichende Verbindung zwischen dem Gesichtspol und dem Manuellen Pol zu schaffen.

Durch den Aufrechten Gang wird keine Beteiligung der vorderen Extremitäten für den Prozess der Fortbewegung benötigt. Bei den Huftieren zum Beispiel fehlt diese Eigenschaft, da sie mit allen vier Extremitäten auf dem Boden stehen müssen um ihr Gleichgewicht zu bewahren. Leroi-Gourhan ist aber der Überzeugung, dass diese Tiere ihr Gesicht weit aus höher entwickelt haben als wir glauben mögen, da es rein technisch die fehlende Hand ersetzen muss.

Die freien Hände ermöglichen es uns Gegenstände zu halten, gleichzeitig zu sprechen, aufrecht zu gehen und von einem erhöhten Punkt aus (dem Kopf) die Umgebung zu überblicken. All das vergrößert den Radius unserer Welt. Und dank unserer Fähigkeit Sprache zu schaffen, die wie Humboldt sagt die Grenze der eigenen Welt ist , sind wir in der Lage unsere Umwelt besser zu interpretieren. Und da Erinnerungskultur weitgehend auf Vergangenheitsbezug beruht benötigen wir eine Fähigkeit die es uns ermöglicht uns überhaupt auf die Vergangenheit zu beziehen. Unsere Erinnerung, unser physischer Großrechner Gehirn speichert die Zeit die wir erleben und ermöglicht uns eine Rekonstruktion von Vergangenheit die wir aktiv als Erinnerung erleben.

Für die Kommunikation zwischen zwei Menschen haben wir einen bedeutenden Vorteil, der unsere Erinnerungen besser Verständlich machen. Durch die freien Hände können wir unsere Laute mit Mimik und Gestik untermauern womit zwei Kommunikationsfelder entstehen:

  1. Das Gesicht – Aufgabenbereich: Lesen/Sprechen
  2. Die Hand – Aufgabenbereich: Zeichnen/Zeigen

Das Medium Mensch - ein Fazit

Unser menschlicher Organismus hat ein neues Einsatzgebiet für Gehirn und Hände von der Evolution erhalten, das uns eine Expansion unseres Geistes ermöglicht. Und dieser Geist hat es geschafft die höchste Form der interpersonellen Verständigung zu entwickeln. Ob in Mimik, Gestik, Sprache oder Schrift; Ohne unseren aufrechten Gang, den wir seit unserem Vorfahr Homo Erectus, dem aufrecht gehenden Menschen, besitzen, wären wir vermutlich niemals auf die Idee gekommen uns mittels Kommunikation das Leben zu erleichtern. Vielleicht hätten wir uns, wären wir nicht aufgestanden uns zu strecken, völlig anders entwickelt und hätten jetzt Hufe oder Krallen. Doch es ist anders gekommen und der Mensch hat sein neurales Potential genützt seine schwach erscheinenden Körperteile als Werkzeuge für Kommunikation zu benützen.

Werner Hoffmann, Werner Hoffmann

Werner Hoffmann - Ausbildung und Studium: Sept. 1993 - Juni 2002 | BRG 7 WienOkt. 2002 - Nov. 2009 | Publizistik- und Kommunikationswissenschaft / ...

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