Das Vorstellungsgespräch um einen Ausbildungsplatz

Vorstellungsgespräch um einen Ausbildungsplatz - Stefan Dassler
Vorstellungsgespräch um einen Ausbildungsplatz - Stefan Dassler
Wer es bis zum Vorstellungsgespräch geschafft hat, der steht meist vor der letzten Hürde des Bewerbungsverfahrens um einen Ausbildungsplatz.

Eine Chance auf die man sich sorgfältig vorbereiten sollte. Ihr „Gegenüber“ möchte sich ein Bild von Ihnen machen, das heißt über Ihre Persönlichkeit, Ihre private und schulische Situation, Ihre Interessen und Abneigungen und natürlich über Ihre Einstellung zur gewünschten Ausbildung und zum Betrieb.

Mängel von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz

Betriebe bemängeln an Bewerbern im Zusammenhang mit dem Vorstellungsgespräch häufig:

  • Bewerber erscheint erst gar nicht zum vereinbarten Gespräch.
  • Bewerber erscheint zu spät zum Vorstellungsgespräch.
  • Bewerber sind unpassend gekleidet (vor allem zu lässig).
  • Interesse der Bewerber am Betrieb ist nicht erkennbar.
  • Motivation der Bewerber für den Beruf ist nicht erkennbar.
  • Bewerber haben keine ausreichenden Informationen über den Betrieb oder den Ausbildungsberuf.

Wie läuft ein Vorstellungsgespräch ab?

In der Einleitung des Gespräches wird man versuchen, über die Begrüßung und über eher unverfängliche Fragen eine aufgelockerte Atmosphäre zu schaffen:

  • War es leicht/schwer unseren Betrieb zu finden?
  • Wie sind Sie heute hierher gekommen?
  • Gab es mit dem Termin in der Schule/zu Hause Probleme?

Typische Fragebereiche im Kernteil des Gespräches sind:

  • Die Motive Ihrer Berufswahl
  • Die Gründe für eine Bewerbung bei diesem Betrieb
  • Ihr schulischer Werdegang und Ihre Schulleistungen
  • Ihre Interessen im schulischen und privaten Bereich
  • Ihr familiärer und sozialer Hintergrund

Häufig gestellte Fragen im Vorstellungsgespräch um einen Ausbildungsplatz

Im Folgenden finden Sie einige häufig gestellte Fragen im Vorstellungsgespräch mit Schulabgängern und mögliche Antwortstrukturen:

  • „Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?“ Diese Frage gilt als „Klassiker“ unter den Einstellungsfragen eines Vorstellungsgesprächs. Antwort: „Weil Sie zu den renommiertesten Anbietern von High-Tech/Chemie/Textilien/Software/Möbeln… gehören und ich meine Ausbildung besonders gerne bei Ihnen absolvieren möchte/bei Ihnen mitarbeiten will. Nennen Sie die passende Branche: Uhren, Gardinen, Computer, Autos, Abfüllanlagen undsoweiter. Oder: „Weil ich gerade in Ihrem Unternehmen meine Fähigkeiten und Kenntnisse sehr gut einbringen kann.“ Nennen Sie ruhig Beispiele: „Ich habe im Werkunterricht in der Schule immer schon gern kleine Möbel geschreinert. In Ihrer Werkstatt wird noch viel in Handarbeit gefertigt – das würde mich in meiner Ausbildung besonders reizen.“
  • „Wie gut kennen Sie unser Unternehmen?“ oder: „Was wissen Sie über uns und unsere Produkte/Dienstleistungen?“ Für diese Frage sollten Sie immer gewappnet sein. Wie können Sie sich vorbereiten? Indem Sie beispielsweise die Unternehmensbroschüre oder den Geschäftsbericht anfordern, einfach dort vorbeigehen, sich in der Gegend etwas umhören oder auf Werbung des Unternehmens in den Medien achten. Im Grunde will man wissen: Wie gut haben Sie sich vorbereitet? Antwort: „Sie produzieren/fertigen XY… für den deutschen und europäischen Markt/weltweit. Ihre Markterfolge resultieren aus Innovationen und guten Marketingstrategien.“ „Sie sind in der Region das größte Möbelhaus und beschäftigen mehr als 50 Mitarbeiter.“ „Ihre Fabrik hat sich in den vergangenen zwei Jahren stark vergrößert und produziert neuerdings auch XY.“ „Mir ist Ihre neue große Werbekampagne der vergangenen Wochen aufgefallen, bei der Sie Ihre Verantwortung in Sachen Umweltschutz betonen.“ Am besten natürlich: „Ich kenne Ihr Unternehmen, seit ich hier in den Sommerferien ein Praktikum machen konnte.“ Fragen Sie nicht: Was soll ich sagen? Sondern denken Sie: Was will der andere hören? Nennen Sie nur positive Dinge übers Unternehmen – keine Kritik anbringen: „Ich habe gehört, dass es dem Unternehmen schon mal besser ging…“
  • Wenn Sie arbeitslos oder auf Ausbildungsstellensuche sind: „Sie sind zurzeit ohne Arbeit?“ Sollten Sie noch ohne Ausbildungsplatz/ohne Arbeit sein – geben Sie dies offen zu. Machen Sie aber – wenn möglich – deutlich, dass Sie die Zeit nutzen, um sich weiterzubilden. Antwort: „Richtig. Zurzeit habe ich unfreiwillige Freizeit, die ich so rasch wie möglich beenden möchte…“ Oder wenn Sie zurzeit umgeschult werden/in einem Lehrgang sind: „Seit dem 1. Februar qualifiziere ich mich bei der Bildungseinrichtung XY zur/zum…“ (Ausbildungsziel/Berufsbezeichnung nennen) Oder: „Ich bin noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und arbeite in der Zwischenzeit im Betrieb meiner Eltern mit/jobbe im örtlichen Supermarkt/absolviere ein Praktikum/mache einen Schreibmaschinenkurs bei der Volkshochschule…“
  • „Was wollen Sie in 3 oder 5 Jahren in unserem Unternehmen erreicht haben/erreichen?“ Man will wissen, wie motiviert/karrierebewusst Sie sind, wie Ihr Selbstverständnis/Selbstbild ist. Weichen Sie auf die Möglichkeitsform (Konjunktiv) aus, um sich nicht festnageln zu lassen. Antwort: „Ich könnte mir vorstellen (Möglichkeitsform), nach der Ausbildung weiter für Ihren Betrieb zu arbeiten und mich eventuell zum XY weiterzubilden/einen Bereich verantwortlich zu betreuen.“ „Ich könnte mir vorstellen mich für diesen Bereich voll einzusetzen und eines Tages dafür allein verantwortlich zu sein.“
  • „Welche Hobbys haben Sie?“ Überlegen Sie gut, welche Sie angeben. Warum? Ski fahren – Sie fallen längere Zeit aus, wenn Sie einen Skiunfall haben. Fußball – längere Arbeitsunfähigkeitszeiten drohen wegen Verletzungen. Hobbys wie Bungeejumping oder „Survival-Training“ stellen Sie daher lieber nicht gleich heraus. Antwort: Nennen Sie dasjenige Ihrer Hobbys, das am meisten mit Ihrem Beruf zu tun hat oder ihn ergänzt. Sie bewerben sich auf eine Ausbildungsstelle als Kfz-Mechatroniker und werkeln am Wochenende gern an Ihrem Motorrad herum? Sie möchten einen Job als Dolmetscherin und verbringen Ihre Freizeit am liebsten auf Frankreich-Trip? Auch Mannschaftssportarten (solange sie nicht zu verletzungsintensiv sind) machen sich nicht schlecht (Teamfähigkeit).
  • „Wie hat Ihnen unsere Stellenanzeige in der XY-Zeitung gefallen?“ Sagen Sie auf keinen Fall „scheußlich“ oder „potthässlich“. Man erwartet von Ihnen ein positives Feedback. Antwort: „Finde ich gut, weil sie einen hohen Aufmerksamkeitswert hatte/ungewöhnlich gestaltet war.“ Mit dieser Antwort haben Sie einen weiteren Pluspunkt gesammelt.
  • „Haben Sie bereits andere Vorstellungsgespräche geführt?“ Nennen Sie eine Zahl bis drei – nicht mehr. Antwort: „Ich habe noch einen Termin für ein weiteres Vorstellungsgespräch.“
  • Bei Frauen: „Sind Sie schwanger?“ Unzulässige Frage. Weitere unzulässige Fragen, die Sie nicht beantworten müssen: „Welche Krankheiten haben Sie?“ „Wie viel Schulden haben Sie?“ Antwort: Geben Sie keine Antwort – halten Sie wortlos Blickkontakt.

Trainingsaufgabe

Bilden Sie Zweiergruppen für ein Rollenspiel. Einer übernimmt die Rolle des Personalchefs, der andere ist der Bewerber/in. Der Personalchef stellt Fragen in der Einleitung und im Kernteil des Gespräches. Der Bewerber/in achtet darauf, häufige Mängel im Vorstellungsgespräch zu vermeiden. Tauschen Sie anschließend die Rollen.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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