Obwohl Frauen seit etlichen Jahren in Bildung und Ausbildung zu den Männern aufgeschlossen haben, nein, diese sogar in manchen Sektoren überholt haben, kämpfen sie nach wie vor mit verschiedenen Vorurteilen und Hindernissen, die dem weiblichen Geschlecht besonders im Berufsleben tagtäglich begegnen. Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen sind oft die Folgen.
Unsicherheit
Obwohl Frauen in kommunikativer Hinsicht den Männern oft überlegen sind, zeigt sich in Vorstellungsgesprächen oft ihre Unsicherheit. Sie reden entweder viel zu viel oder sie erstarren förmlich und bringen kaum noch einen Ton heraus. Beides ist natürlich nicht gerade vorteilhaft. Um dieser Problematik aus dem Weg zu gehen, gibt es verschiedene Tipps gegen die Nervosität vor einem Vorstellungsgespräch. Helfen können etwa eine gute Vorbereitung oder homöopathische Arzneimittel.
Tipps für das Vorstellungsgespräch
- Zu viel Respekt: Das ist oft ein typisch weibliches Problem. Aber bedenken Sie immer: Selbst wenn die Firma 5.000 Mitarbeiter hat und weltweit bekannt ist, wird auch hier nur mit Wasser gekocht. Ihr Chef ist kein Übermensch und er wurde in diese Position in den meisten Fällen nicht hineingeboren. Neben der Arbeit hat er auch noch ein anderes Leben und ist dort eventuell der Schwächere. Wenn Sie also einer sehr herrischen Person gegenübersitzen, liegt es vielleicht daran, dass diese dasselbe Problem hat wie Sie: Unsicherheit.
- Rollenspielchen: Besonders Frauen neigen in stressigen Situationen dazu, in verschiedene Rollen zu fallen. "Das schwache Weibchen", "Der sexy Vamp", "Die toughe Feministin" – das sind alles Rollen, die nicht in das Vorstellungsgespräch gehören. Werden Sie eingestellt, weil sie sich schwach zeigen und klein machen, können Sie nicht erwarten, im Job ernst genommen zu werden. Entscheidet sich Ihr Arbeitgeber für Sie, weil Sie im Gespräch einen tiefen Ausschnitt hatten, die Haare zurückwarfen und eindeutig zweideutige Witzchen gerissen haben, kommen Sie im Job selbst vielleicht in die Verlegenheit, dass Ihre "Versprechungen" eingefordert werden und das ist nicht nur für Sie unangenehm, sondern kann auch zu firmeninternen Spannungen führen. Gebärden Sie sich hingegen wie eine abgeklärte, toughe Feministin, die sich nicht mal die Tür aufhalten lässt, stößt dies im Gespräch – besonders bei Männern – eher auf Antipathie. Sollten Sie den Job aber trotzdem bekommen, werden Sie vielleicht mit Arbeit überhäuft, überfordert und sind schließlich einem Nervenzusammenbruch nahe. Bleiben Sie daher im Vorstellungsgespräch sachlich und möglichst natürlich; schließlich sollen Sie doch aufgrund Ihrer wahren Persönlichkeit eingestellt werden oder nicht?
- Tipps für das richtige Benehmen: Setzen Sie sich erst, wenn Ihnen ein Platz angeboten wird; Wenn Ihnen ein Getränk angeboten wird, stellen Sie bitte keine extravaganten Wünsche (gut sind Kaffee, Wasser oder Saft); Schauen Sie Ihrem Gesprächspartner aufmerksam in die Augen, aber starren Sie ihn nicht aufdringlich an. Nehmen Sie eine lockere, aufrechte Sitzposition ein. Lächeln Sie ab und zu. Reißen Sie keine Witze, Sie kennen den Humor des Gesprächpartners nicht. Lästern Sie nicht über ehemalige Arbeitgeber, das stellt Ihre Loyalität stark in Frage.
- Standardfragen: Viele Fragen im Vorstellungsgespräch sind Standardfragen, auf die man sich wunderbar vorbereiten kann. Die erste Frage lautet in 90 Prozent aller Fälle: "Haben Sie gut hergefunden?" Hier empfiehlt sich eine kurze und freundliche Auskunft. Fangen Sie bloß nicht an, sich eine halbe Stunde über die Bahn auszulassen – das interessiert niemanden. Eine weitere Frage lautet oft:"Erzählen Sie uns doch mal, was Sie bisher so gemacht haben." Hier können Sie gleich auftrumpfen und einen guten Eindruck machen. Üben Sie Ihren Werdegang vor Freunden oder erzählen Sie ihn sich selbst. Wichtig hierbei ist, dass Sie sich auf die wichtigeren Berufserfahrungen konzentrieren und nicht zu weit ausschweifen. Fangen Sie bitte auch nicht an, sich für bestimmte Entscheidungen zu entschuldigen – überlegen Sie sich lieber gute Gründe für Ihre Entscheidungen und stehen Sie auch zu diesen. Ist das Unternehmen international vertreten und wirbt damit, könnte diese Frage auch auf Englisch gestellt werden – kein Problem! Schlagen Sie Wörter, die Sie nicht wissen, vorher nach und üben Sie alles einfach auf Englisch ein."Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?" Auch eine typische Frage fürs Vorstellungsgespräch. Wichtig ist hier, dass Sie sich vorher über die Firma schlau gemacht haben (etwa übers Internet). Heben Sie die Errungenschaften der Firma hervor oder betonen Sie die Entwicklungsmöglichkeiten, die Ihnen die Firma bieten könnte;"Was sind Ihre Stärken und Schwächen?" Natürlich sind hier nur Stärken und Schwächen gemeint, die für das Berufsleben wichtig sind. Auch sollten Sie bei den Stärken nicht nur rein weibliche Vorzüge wie Einfühlungsvermögen und Rücksicht anführen. Überzeugen Sie auch mit typischen Männerstärken wie Durchsetzungsvermögen oder einer schnellen Auffassungsgabe (natürlich nur, wenn Sie diese auch haben). Mit den Schwächen sollten Sie vorsichtig sein. "Ich bin rechthaberisch und komme mit Kollegen oft nicht gut aus" ist ein No go. "Ich bin perfektionistisch und manchmal ein wenig ungeduldig" sind hingegen Eigenschaften, die auch positiv gesehen werden können, weil sie großen Arbeitseifer signalisieren.
- Stellen Sie Fragen: Bei einem Vorstellungsgespräch handelt es sich nicht um eine einseitige Prüfung! Auch Sie prüfen das Unternhemen auf seine Arbeitgeberqualitäten. Meist fordert Sie Ihr Gesprächspartner daher am Ende auf, Fragen zu stellen. Lassen Sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Selbst wenn Ihr Gesprächspartner schon vieles gesagt hat, bleiben immer noch offene Fragen, die sie stellen können und mit denen Sie Interesse am Unternehmen zeigen. Überlegen Sie sich diese schon vorher, aber hören Sie gut zu, ob Ihr Gesprächspartner die eine oder andere schon beantwortet hat.
- Ein guter Abgang: Ist das Gespräch vorbei, fällt vielen ein Stein vom Herzen. Das heißt aber nicht, dass Sie noch vor dem Gesprächspartner in übetriebene Erleichterung ausbrechen sollen oder, weil das Gespräch nicht gut gelaufen ist, noch im Büro in Tränen ausbrechen. Wahren Sie bis zum Schluss die Haltung und bedanken Sie sich für das Gespräch. Erst wenn Sie das Gebäude verlassen haben, ist Zeit für Emotionen. Der restliche Tag sollte Ihnen gehören, also gönnen Sie sich etwas und lassen Sie das Gespräch in aller Ruhe Revue passieren. Vielleicht haben Sie ja einige Stärken oder Schwächen an sich wahrgenommen, aus denen Sie lernen können.
Mehr zum Thema, wie man sich als Frau am besten bewirbt, erfahren Sie in "Das Bewerbungsbuch für Frauen" von Christina Ewald. Humboldt Verlag 2004, EUR 8,90. ISBN 978-3-89994-034-3.
