Ausflugsziel: Das Walchenseekraftwerk

Aus Wasser wird Strom: Altes Denkmal liefert erneuerbare Energie

Die Betriebsgebäude des Walchensee-Kraftwerkes - Andrea Weber
Die Betriebsgebäude des Walchensee-Kraftwerkes - Andrea Weber
Eins der meistbesuchten Denkmäler Oberbayerns ist das 83 Jahre alte Kraftwerk, am Berghang zwischen Walchensee und Kochelsee.

Das alte denkmalgeschützte Walchensee-Kraftwerk am Ostufer des Kochelsees im Tölzer Land, hat für die Besucher immer wieder etwas Faszinierendes an sich. Wer hier schon war, kommt wieder zurück. Hier wird Technik zum Erlebnis. Es sind die riesigen Rohre, in denen das Wasser hoch oben vom Wasserschloss den Kesselberghang hinabstürzt, um gleich darauf durch die nicht minder gewaltigen Turbinen durchgerührt zu werden. Wie funktioniert das alte Walchenseekraftwerk eigentlich und woher kommt nun all das Wasser?

Wasserschloss und Kraftwerk

Sechs mächtige Rohre verbinden das 200 Meter höher gelegene Wasserschloss am Kesselberghang mit den Turbinen vom Kraftwerk, unten am Kochelsee (599 m ü. NN). Das Wasser fließt von Urfeld am Walchensee (802 m ü. NN) durch einen 1.200 Meter langen Stollen in das Speicherbecken des Wasserschlosses. Das riesige Becken fasst 10.000 Kubikmeter und regelt Druckschwankungen beim Anfahren und Abstellen der Turbinen unten im Kraftwerk. 1924 ist das Wasserschloss in Betrieb genommen und das Ausgleichsbecken seither noch nie geleert worden. Es reguliert den Wasserstand im Walchensee und kontrolliert die Situation bei Hochwasser.

Das Kraftwerk unten am Kochelsee wurde von 1918 – 1924 erbaut und gilt heute noch als eines der größten Hochdruckspeicherkraftwerke Deutschlands, mit einer Jahresleistung von 300 Millionen Kilowattstunden. Speicherkraftwerke nutzen den Höhenunterschied zwischen einem hoch gelegenen See mit natürlichem Zulauf und einem im Tal liegenden Kraftwerk. Der Einsatz des Walchenseekraftwerkes erfolgt in Spitzenlastzeiten, wenn der Strombedarf kurzfristig stark ansteigt.

Kleine Anekdote woher das Wasser kommt

Weit hinten im Hinterautal im Karwendel sprudelt es unaufhörlich aus dem Bodenbewuchs. Millionen von Wassertröpfchen schieben nach, wollen ans Tageslicht, dem dunklen Erdreich entfliehen. Sie vereinen sich, werden vom Bächlein zum Bach und bald darauf zum ungestümen Fluss. Er bekommt einen weiblichen Namen und nennt sich die Isar. Auf das noch junge Gewässer wartet das erste große Abenteuer. Längst hat der Fluss an Fahrt zugelegt und bremst schon bald darauf zwischen Mittenwald und Krün abrupt ab. Für einen Moment ist Zeit im Krüner Isarstausee zu verweilen. Dann geht die Reise weiter. Während der eine Teil zum Sylvensteinspeicher fließt und aus Besagtem als Isarlauf seinen weiteren Weg bis zur Donau fortsetzt, fließt der andere Isarteil durch das Laufwasserkraftwerk in Krün. Von dort im offenen Kanal gebändigt, einmal brav die Bundesstraße 11 unterquert, verschwindet die Isar schon bald bei Wallgau ins dunkle Tunnelloch, um am Sachensee wieder aufzutauchen. 3,9 Kilometer lang geht es nun im Druckstollen weiter, um am Ende durch die Turbinen des Speicherkraftwerkes in Obernach in den Walchensee gepresst zu werden.

Das gleiche Schicksal ist dem Rißbach auferlegt. Ganz Ähnliches macht auch er auf seinem Weg zum Walchensee durch. Der Wildbach kommt aus dem Karwendelgebirge, sammelt im Ahornboden in der Eng kleine Bäche auf und verschwindet bei der Oswaldhütte, an der Straße von Vorderriß nach Hinterriß, in einen sieben Kilometer langen Stollen unters Erdreich. Durch das Speicherkraftwerk bei Niedernach vermischt er sich mit der Isar und wird zum Walchensee mit 200 Metern Tiefe.

Schön wäre es, könne man hier nun bleiben. Aber die Macht des Wasserschlosses an der Nordseite des Kesselberges ist unerbittlich. Es zieht das Walchenseewasser in sein 10.000 Kubikmeter fassendes Ausgleichsbecken, um das Wasser bei Bedarf über sechs Rohre 200 Meter tief in den Schlund der Kraftwerksturbinen, unten am Kochelsee, rauschen zu lassen. Ordentlich gerührt und geschüttelt fließt der ehemalige Rißbach und die Isar, jetzt als Walchensee, hinten wieder raus und nennt sich ab sofort Kochelsee. Ruhe kehrt ein und glatt wie ein Spiegel liegt der See da, gleich unterhalb des Kesselbergs und Herzogstands. Das erste Abenteuer wären für die beiden Gebirgsbäche überstanden, nun fließt das Wasser weiter nach München

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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