
- Am Wattenmeer - Fotograf: Tim Caspary/Pixelio
Am 26. Juni 2009 wurde das Wattenmeer von der Unesco in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Es steht damit in einer Reihe mit einzigartigen Naturdenkmälern wie dem Grand Canyon in Amerika oder dem Great Barrier Reef vor Australien.
Das Unesco-Welterbe
Am 16. November 1972 verabschiedete die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) auf ihrer 17. Generalkonferenz das "Internationale Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt". 186 Staaten haben bis heute das Übereinkommen unterzeichnet. Damit ist es das bedeutendste Instrument der Völkergemeinschaft, das jemals zum Schutz des internationalen Kultur- und Naturerbes beschlossen wurde.
Die Liste des Unesco-Welterbes umfasst mittlerweile 890 Stätten von "außergewöhnlichem universellen Wert" in 148 Ländern, 689 von ihnen sind Kulturdenkmäler, 176 gehören zum Naturerbe. 25 Denkmäler werden sowohl dem Kultur- als auch dem Naturerbe zugerechnet. Nach der Streichung des Dresdener Elbtals von der Unesco-Liste und der Neuaufnahme des Wattenmeers gibt es weiterhin 33 Welterbestätten in Deutschland.
Das Wattenmeer
Das deutsch-niederländische Wattenmeer ist ein Teil der Deutschen Bucht und der Nordsee zwischen den Niederlanden und Dänemark. Es ist mit einer Länge von etwa 450 Kilometern und einer Breite von 40 Kilometern das größte Wattenmeer der Welt. Mehrere große Flüsse münden in das Wattenmeer, unter ihnen die Elbe, die Weser und die Ems. Beinahe das gesamte Gebiet steht schon seit langem unter Naturschutz. Durchschnitten wird das Wattenmeer allerdings von einer der meist befahrensten Schifffahrtstraßen der Welt, der Strecke zwischen Hamburg und der Straße von Dover.
Wattenmeere gibt es auf der ganzen Welt. Entscheidend für die Eigenart eines Wattenmeeres ist der ständige Einfluss der Gezeiten. Alle sechs Stunden ist hier der Wechsel von Ebbe und Flut, von Niedrig- und Hochwasser zu erleben, die gesamte Landschaft unterliegt so mehrfach täglich einem vollständigen Wandel. Als "Watt" bezeichnet man den Teil des Meeres, der bei Niedrigwasser frei liegt. Das Wattenmeer bildet die Lebensgrundlage einer ganz besonderen Tier- und Pflanzenwelt, die in dieser Form nirgends sonst zu finden ist. Einzigartig sind auch die Salzwiesen und die Halligen. Außerdem ist das Wattenmeer Rastplatz für Millionen von Zugvögeln und Laichplatz zahlreicher Fischarten.
Die Anerkennung des Wattenmeers als Weltnaturerbe der Unesco
In die Liste des Unesco-Welterbes wurde nun ein Gebiet zwischen der holländischen Insel Texel und der Nordspitze der deutschen Ferieninsel Sylt mit einer Fläche von 10.000 Quadratkilometern aufgenommen, das sowohl die Wattenmeer-Nationalparks von Niedersachsen und Schleswig-Holstein als auch das niederländische Wattenmeer-Schutzgebiet enthält. Als Gründe für die Entscheidung nannte man bei der Unesco die außergewöhnlich große Artenvielfalt mit etwa 10.000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten sowie die ökologische und geologische Bedeutung des Wattenmeeres als größte zusammenhängende Fläche von Schlick- und Sandwatt.
Die Bewerbung um eine Aufnahme des Wattenmeers auf die Welterbeliste der Unesco war von Deutschland und den Niederlanden Anfang 2008 gemeinsam eingereicht worden. Vorangegangen waren beinahe 10 Jahre voller Diskussionen in der Region. Im Gegensatz zu Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatte sich allerdings die Hamburger CDU-Regierung aus dem Antrag wieder zurückgezogen, um die geplante Elbvertiefung nicht zu gefährden. Nach der Bildung des neuen schwarz-grünen Senats gibt es nun jedoch Diskussionen über eine Nachnominierung des Hamburger Gebietes.
In seiner Reaktion auf die Ernennung des Wattenmeeres zum Welterbe sprach Umweltminister Gabriel auch von der Verpflichtung der Bundesregierung, sich auch in Zukunft für den Schutz des Wattenmeeres zu engagieren. Besonders die Folgen der Ölförderung in der Nordsee sei eine ernste Gefahr für das Schutzgebiet, wie auch von Umweltorganisationen wie dem WWF und Greenpeace bestätigt wurde.
Keine Einschränkung des Tourismus
Entgegen vielfach geäußerten Befürchtungen aus der Tourismusbranche wird die Ernennung des Wattenmeers zum Weltnaturerbe keine negativen Auswirkungen auf den Fremdenverkehr haben, da der Naturschutz in den betroffenen Gebieten auch vorher schon genau geregelt war. Auch dies hatte bei der Aufnahme in die Welterbe-Liste der Unesco eine entscheidende Rolle gespielt.
Die Besucher von Sylt, Föhr, Borkum, Norderney und den übrigen Friesischen Inseln können auch weiterhin ihre Wanderungen durch das Watt, auf dem Grunde des Meeres, unternehmen und dabei miterleben, wie die Landschaft durch die Kräfte der Natur, durch den Einfluss von Wasser und Wind, einem unaufhörlichen Wandel unterliegt.
Aufgrund des großen Imagegewinns wird sogar mit einer Steigerung der Besucherzahlen gerechnet. Von den Tourismusverbänden wird bereits jetzt mit dem neuen Titel geworben, und es werden spezielle Weltnaturerbe-Programme sowohl für Tagesausflügler als auch für Dauergäste ausgearbeitet.
