
- Suppe im Brot serviert - Monika Hermeling
Essen spielt in der Zeitabfolge und im Leben von Mensch und Tier eine Leben erhaltende Rolle. War nicht zuletzt bei Belagerungen der Inhalt von Vorratskammern über den Ausgang des Krieges entscheidend? Auch heutzutage lieben Kinder Bücher in denen ihre Helden mit Behagen Sahnetörtchen oder leckere Butterbrote nebst Zubehör verspeisen und auch Erwachsene fühlen sich bei Menschen wohl, die gut kochen können und besonders an Festtagen wie Weihnachten ihre Kunst zeigen. (Hier die Rezension eines Kochbuches mit Tipps für Gerichte, die in den 70er Jahren beliebt waren)
Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Dr. Karen Kuehl und der Geschichtsstudentin Annette Hähnl präsentierte der vielfach ausgezeichnete, für seine La cuisine par exellence bekannte Fabriec Coquelin, in der Lakaienhalle des Schlosses Sigmaringen ein in der Schlossküche zubereitetes Mahl. Das besondere daran: Die Teilnehmer an der Darbietung speisten im weihnachtlich geschmückten Raum so, wie der Adel im 18./19. Jahrhundert.
Die Speisefolge: Brotsuppe, Salbeitörtchen, glasiertes Gemüse mit einem Kräuterdipp, Wildpastete mit Quittenkompott und als Dessert eine bayerische Creme, serviert in einem Tannenbaumtontöpfchen.
Wein, ein notwendiges Nahrungsmittel für jedermann
Das zu allen Zeiten nicht nur gegessen wurde um den Hunger zu befriedigen sondern Speisen und Getränke dazu dienten um Wohlstand zu präsentieren und das Mahl als Auftakt zu einer guten Geschäftsbeziehung, anregenden Gesprächen oder der Anbahnung einer Freundschaft dienen kann, erfuhren die Teilnehmer bei einem mit Rosenblättern, Gewürzen und Honig veredelten Rotwein. Sie hörten, dass schon vor dem 18. und 19. Jahrhundert Wein ein tägliches Getränk, ja Nahrungsmittel für jedermann war. Auch Kindern wurde, da das Wasser oft ungenießbar war, mit Wasser versetzter Wein oder Bier gegeben. Im 16. Jahrhundert war für den Adel ein Mundschenk und Vorkoster üblich, da die Thronfolge oft mit dem Gift Arsen geregelt wurde. Erst nach einem Trompetensignal wurde das Getränk oder die Speise freigegeben. Da die Getränke vielfach mit einem angewärmten Stück Weißbrot serviert wurden, wurde der Brauch einen Trinkspruch auf zusagen als "Toast aussprechen" bekannt.
Kochen, kein unergründliches Geheimnis
Gemeinschaftlich marschierte die Gruppe in die Schiffsküche wo der Kochkünstler Fabriec Coquelin erklärte, das Kochen für jeden erlernbar sei. Er ermahnte die Anwesenden sich wieder der "richtigen" Essenszubereitung die der Vielfalt der Nahrungsmittel und der Zubereitungsarten Raum gibt, zuzuwenden. Er bereitete in den Riesentöpfen eine Brotsuppe zu und zeigte die Funktionsweise der eigens angezündeten "Kochmaschine".
Das Feuer machen und erhalten, eine eigene Kunst
Klar wurde dabei, dass im früheren Jahrhundert eine eigene Hilfskraft für das Feuer zuständig sein musste. Das Holz wurde direkt beim Förster geholt, dann im Schopf aufgestapelt um jederzeit verfügbar zu sein. Die Wärmeregulierung wurde mittels öffnen oder schließen verschiedener Ringe auf dem Herd vorgenommen. Interessant auch, dass dieser riesige Herd über einen Kamin, abseits vom Herd verfügt.
Die moderne Sigmaringer Schlossküche
Es wurden von Karen Kuehl und Annette Hähnl Toaster, Kartoffelschäl- und Nudelmaschine und andere Haushaltsgeräte vorgestellt. Jedermann bestaunte die für die damalige Zeit vorbildliche, moderne Kücheneinrichtung.
Weihnachten, die Präsentation des häuslichen Glücks
Im weihnachtlich geschmückten Lakaiensaal angekommen, bewunderten die Besucher den unter anderem mit einer 30 Meter langen selbst gefädelten Girlande aus Popkorn und Trockenfrüchten verzierten Tannenbaum. Es wurde berichtet, dass das 19. Jahrhundert als das des häuslichen Glücks zu bezeichnen sei. Die Zuhörer erfuhren, dass der 24. Dezember als Weihnachtstag, an dem meist vom Adel und ihren Gesellschaften riesige Berge von Speisen vertilgt wurden, willkürlich von Papst Gregor festgelegt wurde. Die Heiden feierten zu diesem Zeitpunkt die Sonnenwende und um diesen den Zugang zum Christentum zu erleichtern, blieb man bei diesem Datum als "Geburtstag des Herrn". Bei einer Befragung stellte sich heraus, dass Kartoffelsalat und Wurst das für den Weihnachtsabend im 19. Jahrhundert übliche Essen ist und war. Bei einem kleines Ratsspiel um die Gewürze erfuhren die Gäste woher Bethel, Safran, Potenzholz und andere herkommen und konnten sie erschnuppern und begreifen. Nachdem die Brotsuppe in der Küche aus einem Wecken gegessen wurde, genossen die Gäste das liebevoll zubereitete Mahl am festlich gedeckten Tisch. Die zarten, süßen, aber auch die würzigen Genüsse kamen gut an. Zum Bedauern von Annette Hähnl, die zum Amüsement mit Kartoffeln jonglierte, wurde keine Riesenpastete aus der ein Zwerg sprang oder ein Riesenfleischberg mit lebenden Aalen oder ein lila Schwein serviert. Karen Kuehl berichtete von der Herkunft der verschiedenen Gemüsesorten die nicht immer so schmeckten und aussahen wie zur jetzigen Zeit. Es wurde die "Bibel" der Kochkünstler, das von Auguste Escoffier geschriebene Kochbuch: "Le Guide Gulinaire", und das 1844 erschienene "Praktische Kochbuch" von Henriette Davidis, aufgeschlagen. "Man nehme.....", ist darin wohl der häufigste Rezeptanfang. Viele Teilnehmer lobten das Engagement der Schlossführerinnen und des Kochs, die mit sehr viel Liebe und Sorgfalt den Abend vorbereitet hatten. Weiterhin interessant: So wird Wildhasenfilet zubereitet
Ab dem 1. bis zum 5. Dezember 2010 wird es erst malig im Schloss, einen historischen Weihnachtsmarkt geben.
