Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut

Norden des Weinbaus in Deutschland punktet mit spritzigen Tropfen

Weinberg unter Schloss Neuenburg bei Freyburg - Harald Rossa
Weinberg unter Schloss Neuenburg bei Freyburg - Harald Rossa
Leicht, fruchtig, spritzig, das sind die typischen Attribute für viele Weine aus dieser nördlichsten Qualitätsweinregion Europas.

Liebliche Landschaften mit Weinbergen, steilen Terrassen, uralten Trockenmauern, romantischen Weinberghäuschen und etlichen Burgen sind in den malerischen Flusstälern von Saale und Unstrut zu entdecken. 664 Hektar Weinberge gibt es derzeit im Weinanbaugebiet Saale-Unstrut, wo schon vor über 1000 Jahren unter den Ottonen der Weinbau gepflegt wurde.

Über drei Bundesländer erstreckt sich heute die Weinregion Saale-Unstrut: Sachsen-Anhalt mit 603 Hektar, Thüringen mit 54 Hektar und Brandenburg mit knapp 7 Hektar. Die brandenburgische Exklave um den Wachtelberg bei Werder ist derzeit der nördlichste Weinberg einer Qualitätsweinregion in Deutschland.

Die Weinstraße Saale-Unstrut

Über 40 Weingüter, die Winzervereinigung Freyburg, das Landesweingut Kloster Pforta und die Sektkellerei Rotkäppchen laden entlang der Weinstraße Saale-Unstrut zum Verweilen ein. Gut ausgebaute Rad-, Wander- und Wasserwege erschließen die Region Saale-Unstrut mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft sehr gut. Und auch ohne Auto bietet die Burgenlandbahn ab Naumburg gute Verbindungen in das Gebiet an der Unstrut.

Strausswirtschaften, Gutsschenken und geschichtsträchtige Orte wechseln sich ab. Denn durch diese Landschaft führt die die Straße der Romanik und die Himmelsscheibe von Nebra ist am Weg zu sehen. Bei Nebra beginnt die Weinstraße und führt entlang von Unstrut und Saale bis Bad Sulza. Größere Orte an der Strecke sind die Kurorte Bad Kösen und Bad Sulza und Freyburg mit dem Schloss Neuenburg. Für den Einkauf von Wein öffnen etliche Winzer an der Strecke ihre Pforten. Größere Auswahl bieten das Landesweingut Kloster Pforta und die Winzervereinigung Freyburg.

Die Weine der Region Saale-Unstrut

Typisch für das Weinbaugebiet Saale-Unstrut sind Weine mit feinfruchtigem und spritzigem Bukett. Bei rund 1.600 Stunden Sonnenschein im Jahr und einem ausgewogenen Klima im Regenschatten des Harzes reifen unverwechselbare Tropfen.

Bei den weißen Rebsorten dominiert der feinwürzige Müller-Thurgau. Es folgen der feinfruchtige Weißburgunder, der erdige Silvaner und der spritzige Riesling. Weiter werden noch Kerner, Bacchus, Grauburgunder und Gutedel in den Weinbergen kultiviert.

Ein viertel der Weine von Saale und Unstrut sind rot. Der Blaue Zweigelt, Spätburgunder, Dornfelder und Portugieser sind die wichtigsten roten Rebsorten.

Neben den Qualitätsweinen bringen die Winzer der Region auch Spitzenweine auf den Markt. Dazu gehören auch edelsüße Raritäten. Denn die nördliche und östliche Lage des Gebietes hat den Nachteil relativ früh einbrechender und kalter Winter. Was die Chancen auf Beerenauslesen und Eiswein erhöht.

Das Landesweingut Kloster Pforta

Auf eine lange Weinbautradition kann das Landesweingut Kloster Pforta zurück blicken. Die Zisterzienser des Klosters brachten den Weinbau hier zur Blüte, als sie den Köppelberg mit Reben bepflanzten, Die Mönche des Naumburger Moritz-Klosters kultivierten zwischen Bad Kösen und Naumburg auch Wein. Für die Mönche, die in den Weinbergen arbeiteten, wurde vor Ort eine Klause gebaut. Das sind heute die „Saalhäuser“. Die schon 1378 erwähnte Moritzklause erinnert an die Mönche aus dem Moritz-Kloster.

Einst gab es über 6.000 Hektar Rebfläche an Saale und Unstrut. Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts schrumpfte sie beständig. Nach dem Reblausbefall am Ende des 19. Jahrhunderts waren keine 100 Hektar mehr übrig.

Dann wurden die Saalhäuser Weinberge ab 1926 zum staatlichen Musterweinberg mit den neuen Pfropfreben. So wurde die Reblaus erfolgreich bekämpft und der Wiederaufbau alter Weinberge in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen.

1949 wurde aus der staatlichen Weinbauverwaltung ein volkseigenes Weingut. Die Rebflächen des Betriebes konnten danach erheblich ausgeweitet werden. Seit 1993 gehört es dem Land Sachsen-Anhalt und ist nun das Landesweingut Kloster Pforta. Es ist das größte Weingut im Bereich Saale-Unstrut und bewirtschaftet eine Rebfläche von rund 120 Hektar.

Der Werderaner Wachtelberg

In der Mark Brandenburg wurde immer schon Wein angebaut. Doch die klimatischen Veränderungen im 18. Jahrhundert brachten diesen zum Erliegen. 1985 nahm die Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft „GPG Obstproduktion Werder" die Tradition wieder auf und bepflanzte einen alten Weinberg mit 4,8 Hektar mit Reben.

Trotz der nördlichen Lage gibt es hier bei Werder klimatische Bedingungen, die etwa denen in Würzburg und Ahrweiler gleichen. Der tiefgründige Sandboden fängt die Sonnenwärme ein und verbessert das Kleinklima.

Dennoch ist die Erzeugung eines guten Qualitätsweins an diesem Standort eine anspruchsvolle Aufgabe mit besonderen Risiken und Kosten. Seit 1996 bewirtschaftet, nach langen Jahren der Unklarheit über die Zukunft dieses Weinbaustandortes, Dr. Manfred Lindicke den Werderaner Wachtelberg. Ab 1997 wurden der Mix an Rebsorten auf dem Wachtelberg neuesten Erkenntnissen angepasst und auch wieder Rotweine der Sorten Regent und Dornfelder gepflanzt. Nach wie vor erfolgt der Ausbau der Weine in dem Landesweingut Kloster Pforta.

2002 sind auf dem Wachtelberg zwei Weinlehrpfade mit jeweils 40 weißen und roten Rebsorten angelegt worden. Und dort mittendrin ist eine der nördlichsten Straußwirtschaften Deutschlands zu finden. Die lohnt stets einen Besuch.