Carmignano in der Toskana

Urlaubstipp für Italien

Originale Werkzeuge und Fässer im Weinmuseum - (Gisela Dürselen)
Originale Werkzeuge und Fässer im Weinmuseum - (Gisela Dürselen)
Carmignano: berühmt für seine Weine, aber auch für Olivenöl und getrocknete Feigen

"Wenn ich den Krug mit funkelndem Carmignano erhebe, wird mir so warm ums Herz, dass ich Jupiter weder um Nektar noch um Ambrosia beneide": Mit diesen Worten würdigte im 17. Jahrhundert der Poet Francesco Redi den Wein aus der toskanischen Region Carmignano. Die Hügelkette im Montalbano-Gebiet, knapp 40 Kilometer westlich von Florenz und noch näher an Pistoia, ist bekannt für Qualitätsweine, Olivenöle und getrocknete Feigen. In dem Ort, der dem Gebiet seinen Namen gab, befindet sich in den kommunalen Gewölben in einem ehemaligen Weinkeller ein Museum (Museo della vite et del vino, Carmignano, Piazza Vittorio Emanuelle): Es dokumentiert die Geschichte der Weinproduktion und die Kultur der Menschen, die diesen Landstrich prägten.

Anbaugebiet

450 bis 500 Hektar Rebland und knapp 4000 Hektoliter Wein Ende der 1990er Jahre: Mit diesen Zahlen gehört die Region Carmignano zu den kleinen Wein-Anbaugebieten in Italien. Aber sie bringt hervorragende, preisgekrönte Weine hervor und blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück. Carmignano-Weine haben seit den 1990er Jahren das Qualitätssiegel DOC für garantierten und kontrollierten Ursprung. Seit 1991 hat das Gebiet seine eigene Weinstraße: die Medici-Straße der Weine von Carmignano.

Obwohl 1952 der Carmignano für einige Zeit in die Appellation Chianti DOC eingegliedert wurde, unterscheidet sich der Carmignano-Wein nach offizieller Darstellung der Provinz Prato erheblich von den anderen berühmten Weinen der Chianti-Zone: Die Carmignano-Winzer verwenden wenig bekannte Rebsorten, und den typischen Rebsatz des Carmignano charakterisiert von jeher ein hoher Anteil von Cabernet. Den unverkennbaren Geschmack prägt auch das Kleinklima in den Hügeln von Carmignano mit wenig Regen zur Erntezeit und einer stärkeren Sonneneinstrahlung als in anderen Gebieten der Toskana.

Weine

Der berühmte Carmignano, der international einen Ruf als Qualitätswein genießt und in die ganze Welt exportiert wird, ist vor allem ein Rotwein: der rubinrote Carmignano rosso mit dem veilchenartigen, nachhaltigen Geschmack, der fruchtige Barco Reale und der warme Occhio di Pernice. Aber das Gebiet bringt auch den bekannten Roséwein Vin Ruspo und den schweren Vin Santo hervor: Der bernsteinfarbige Vin Santo, der heilige Wein, wird als süßer Dessertwein zu Mandelkeksen aus Prato (Cantucciini di Prato) oder gekühlt als Aperitif serviert. Vor dem Pressen werden die Trauben vier Monate lang getrocknet. Diese Prozedur ergibt das besondere Aroma, den hohen Alkoholgehalt (mindestens 16 Prozent), aber auch den hohen Preis, weil die Ausbeute beim Pressen viel geringer ist als bei frischen Trauben.

Geschichte

Weinreben begleiten die Region Carmignano schon seit den Etruskern: Forscher haben in den ausgedehnten archäologischen Feldern im Carmignano Weingefäße als Beigaben in etruskischen Gräbern entdeckt. Das erste Dokument über die Wein- und Ölerzeugung in diesen Hügeln stammt laut der Provinz Prato aus dem Jahre 804 n. Chr., der Zeit der Frankenherrschaft. Aus den folgenden Jahrhunderten gibt es wiederholte Würdigungen der Qualität des Carmignano-Weines. Aber es waren die Medici, die Anfang des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal präzise und strenge Ernteregeln formulierten und damit das erste Qualitätsmerkmal für Wein einführten.

Museum

Das 1999 gegründete Weinmuseum in dem Ort Carmignano gibt einen Überblick über all das, was das Leben im Carmignano in den vergangenen Jahrhunderten ausmachte. Erklärt werden neben Anbaumethoden und Geschichte des Weines die Sitten und Gebräuche, die Feste und der Alltag der Menschen auf dem Land. So ist das Museum nicht nur dem Wein gewidmet, sondern auch den anderen Eigenarten und Spezialitäten der Region. Zu sehen sind unter anderem Fotos von der Feigenherstellung, für die Carmignano über die Toskana hinaus berühmt ist. Der Besucher erfährt vom jährlichen Feigenfest im Dezember und davon, was das Besondere an der regionalen Ölproduktion ist: Die Oliven in den Hügeln des Montalbano sind kleiner als in anderen Regionen Italiens, dafür aber besonders geschmackvoll, und sie werden nach wie vor von Hand gepflückt.

Im Museum kann auf Vorbestellung Wein verkostet werden. Das Museum ist ganzjährig, außer montags, geöffnet.

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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